Sorry, ihr Löwen, aber nach der 0:4-Niederlage beim SV Darmstadt kann niemand zu einem anderen Ergebnis kommen: das waren 90 Minuten Hilflosigkeit und Unvermögen. Nicht eine Chance erspielte sich Eintracht Braunschweig am 9. Spieltag bei den bis dahin ohne Heimsieg nur auf Rang 14 postierten Lilien. So kann es für Blau-Gelb nur wieder in die 3. Liga zurückgehen.

Braunschweigs Trainer Daniel Meyer, der sich im Vorfeld über kritische Äußerungen der Fans zu Torwart Dornebusch geärgert hatte, hielt an seinem Zerberus fest und änderte  seine Startelf gegenüber dem Spiel gegen Karlsruhe aber dennoch auf drei Positionen. Aus der Abwehr rückte Ziegele auf die Bank, für ihn kam Routinier Kessel. Für Schlüter lief Schultz auf und Bär kam für Kaufmann.

Drei Minuten lang sah es auch so aus, als hätten die Löwen aus den vergangenen Spielen die richtigen Lehren gezogen. Doch kam in der 5. Minute das, was der Eintracht letztlich das „Genick brechen wird“ – eine eklatante Abwehrschwäche. Dornebusch versuchte zu retten, riskierte dabei aber ein Foul, was naturgemäß mit einem Strafstoß geahndet wird. Kempe täuschte kurz an und verwandelte sicher zum 1:0.

0:2 nach 7 Minuten

Daniel Meyer am Spielfeldrand hatte noch gar nicht Luft geholt, da sorgte Schultz für den nächsten Faux-pas. Seinen Rückpass zum Torwart stiebitzte der agile Dursun und schob den Ball aus spitzem Winkel unter Dornebusch zum 2:0 ins Tor. Das war in der 7. Minute!

Doch während die Eintracht zu Saisonbeginn zu reagieren wusste, blieb der Ruck diesmal komplett aus. Keine Linie, kein Spielaufbau, kein Zusammenspiel, keine Gegenwehr. Für die Platzherren ideal, die ließen Ball und Gegner laufen.

Waren die Braunschweiger mal in der Lage, einen Zweikampf anzunehmen, endete das meist mit Fouls. Und Gelben Karten. Die erste sah Wiebe (seine 2.), die nächste Kammerbauer (1.). Schultz hatte da noch Glück, dass Schiedsrichter Sather es bei einer eindringlichen Ermahnung ließ.

0:4 nach 34 Minuten

So nahm das Unheil seinen Lauf. In der 34. Minute standen sich Schultz und Nikolaou im Wege, was Dursun dankbar zum 3:0 nutzte. Ganze zwei Minuten später stand Schultz erneut im Brennpunkt. Sein Versuch, Dursun zu bremsen, führte korrekterweise zum 4:0 durch Kempe. Spätestens jetzt hatten sich die Löwen bis auf die Knochen blamiert. Keine Mannschaft in Liga 2 hat solch eine schlechte Bilanz. Eintracht ist die Schießbude der Liga.

Bemerkenswert an dieser Stelle, dass Daniel Meyer ob seines Wechselkontingents nicht frühzeitiger reagierte und den völlig überforderten Schultz vom Feld nahm. Wer jetzt aber interpretiert, es habe vor allem an Schultz gelegen, der irrt. Es war das ganze Rudel, das versagt hatte.

Vom 29-jährigen Felix Kroos darf man erwarten, dass er das Spiel lesen kann und sich zu Wort meldet und zeigt, wenn es darum geht, die Mannschaft aufzubauen. Leider Fehlanzeige. Auch Routinier Kessel gelang es nicht, das Ruder herum zu reißen. Stürmer Proschwitz kann da vielleicht noch für sich in Anspruch nehmen, dass er ja nicht in Szene gesetzt wurde von seinen Mannschaftskameraden.

Keine Gegenwehr, keine Chance

Aus der Kabine kam die Eintracht mit einem einzigen Wechsel. Für Schultz spielte jetzt Burmeister. Warum Daniel Meyer den auf der Bank schmorenden Kobylanski nicht brachte, bleibt noch zu klären.

So ging es in Durchgang zwei weiter wie im ersten. Darmstadt machte nicht mehr als nötig und ließ phasenweise den Ball quasi aus dem Stand quer hin und her laufen, ohne dass die Gäste Zugriff bekamen. Wahrscheinlich waren die Lilien völlig überrascht vom Spiel der Blau-Gelben. Statt alles zu wagen, dezente Zurückhaltung bei den Gästen. Alle liefen viel, aber eben meist nur dem Ball hinterher. Hatten sie ihn doch einmal erkämpft, reagierten die Lilien wie stachelige Rosen und holten sich die Kugel zurück.

Mehr gibt es vom Spiel nicht zu berichten. Außer vielleicht, dass die Platzherren noch zweimal die Chance hatten zu erhöhen, die Chancen aber nicht nutzten, beziehungsweise an Dornebusch scheiterten.

Das ist keine Frage der Entwicklung mehr

Eine Niederlage, die man auf Seiten der Eintracht keinesfalls als Betriebsunfall bezeichnen kann. Kein Fan erwartet einen Durchmarsch, jeder weiß, dass es auch Zeit braucht, um eine verschworene Gemeinschaft zu formen. Und wenn genau das der Status bei der Eintracht wäre, dann müsste man aber eben Fortschritte erkennen. Doch statt besser wird es schlechter.

Und als Erklärung die vermeintliche Unerfahrenheit ins Gespräch zu werfen, zieht auch nicht mehr. In Darmstadt lag das Durchschnittsalter bei über 28 Jahren. Kessel, Proschwitz, Kroos, alles Akteure, die genau wissen, worauf es ankommt.

"Mani" Abdullahi (li.), hier im Spiel gegen Darmstadt 2010, scheint weiter verletzt und fehlte auch in Hessen. Nähere Infos über die Verletzung gab der Verein nicht bekannt.
„Mani“ Abdullahi (li.), hier im Spiel gegen Darmstadt 2010, scheint weiter verletzt und fehlte auch in Hessen. Nähere Infos über die Verletzung gab der Verein nicht bekannt. 
Aus der Schießbude muss eine Bastion werden

Sicherlich ist es kurzsichtig, in dieser Situation eine Trainerentlassung als probates Mittel auf die Agenda zu rufen. Doch es ist aber auch notwendig, das Konzept des Trainers zu hinterfragen. Neun Spiele, 21 Gegentore und nur 9 geschossen, das ist nicht nur zu wenig, das ist ein Hinweis, dass etwas passieren muss. Neun Spiele sind fast schon ein Drittel der Saison.

Meyer und Vollmann müssen sich jetzt etwas einfallen lassen, wie sie die Mannschaft aufbauen können. Denn schon nächste Woche steht das nächste Kellerduell auf dem Programm. Am Samstag empfangen die Löwen St. Pauli, die der Niederlage gegen Osnabrück wegen, der Eintracht noch den vorletzten Tabellenplatz vor der Nase wegschnappten.

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Man darf gespannt sein, was den Verantwortlichen einfällt. Der Glaube, dass die Löwen das Fußballspielen verlernt haben, ist klein. Fragt sich nur, woran liegt es dann? Fehlt es an der nötigen Qualität, dann ist die Antwort leicht – der nächste Black Friday kommt bald.

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