Eigentlich war die Sache vor dem 32. Spieltag in Liga 3 klar. Der Tabellendritte Eintracht Braunschweig erwartete den Vorletzten, die SG Sonnenhof-Großaspach. Alles andere als ein Sieg in dieser wichtigen Phase der Saison war aus Sicht der Fans nicht akzeptabel. Doch am Ende durften sich die Löwen als glücklicher Sieger betrachten. Denn der entscheidende Treffer fiel erst in 87. Minute durch Marvin Pourié. Zu einem Zeitpunkt, als die Gäste aus Baden-Württemberg näher am Sieg waren, weil sie einfach etwas mehr zu investieren bereit waren. Eintracht ist seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs ungeschlagen und hat sich auf fünf Partien stolze 13 Punkte zusammengehamstert. Beachtlich und belegt so aktuell den zweiten Tabellenplatz hinter Duisburg. Der MSV mit Torsten Lieberknecht konnte quasi in allerletzter Sekunde gegen die Würzburger Kickers die dritte Heimniederlage vermeiden. Am kommenden Dienstag reisen die Löwen jetzt zum SC Ingolstadt, die in Münster nicht über ein Unentschieden hinaus kamen.

Wie in den vergangenen Wochen auch, wechselte Marco Antwerpen seine Startelf auf acht Positionen aus. Und diesmal stand erstmals Nick Proschwitz auf dem Rasen. Er kam etwas überraschend für Pourié. Ansonsten das gewohnt Ungewohnte. Dreierreihe hinten mit Wiebe, Nehrig und Burmeister, davor eine 3-K-Reihe: Kessel, Kammerbauer, Kijewski, während Bär, Kobylanski und Bürger die offensive Schnittstelle zu Proschwitz mit Leben füllen sollten. Ein sehr flexibles Grundsystem, dass schnell und einfach zur unüberwindbaren Abwehrmauer mit Fünfer-Reihen  werden kann, oder zu einer beeindruckenden Offensiv-Power führt.

Über 30 Grad

An diesem Samstag aber ließen es beide Mannschaften ruhig angehen. Kein Wunder bei Temperaturen um die 30 Grad. Wer wollte da vorschnell sein Pulver verschießen. So dauerte es bei verhaltenem Tempo bis zur 13. Spielminute, bis die vom Stadionsprecher Lindstedt mit einem Blinzeln vermeldeteten 1967 Zuschauer eine aufregende Szenen zu sehen bekamen. Gaines startete auf der linken Seite, versetzte Wiebe und passte zu Meiser, der die tolle Vorarbeit zum Glück für die Gastgeber jedoch nicht verwerten konnte.

Ganz anders die Löwen. Gleich die erste Chance führte brutal effektiv zur Führung. Kammerbauer nahm die lauten Anweisungen seines Trainers ernst, spitzelte den Ball einenm Gegner vom Fuß zu seinem Mannschaftskameraden Proschwitz, der uneigennützig den besser postierten Kobylanski bediente, der dann ohne Mühe aus kurzer Distanz einschieben konnte.

Eintracht kontrolliert clever

Und Eintracht kontrollierte das Geschehen weiterhin clever. Das war nicht immer schön anzusehen, aber definitiv die richtige Vorgehensweise. Weiß doch jeder in Liga 3, dass der selbsternannte Dorfklub stets versucht, seine Gegner nach hinten heraus zu bezwingen. Durch Kampfkraft und Kondition.

Allerdings mangelte es den Niedersachsen an gut herausgespielten Torchancen. Bis auf Kobylanski (30.) und Kijewski (39.) musste sich die harmlos agierenden Aspacher keinem Sturmlauf der Löwen entgegenwerfen. So blieb es beim verdienten 1:0 für die Eintracht.

Nach dem Seitenwechsel brachte Antwerpen mit Biankadi für Bürger und Becker für Burmeister frische Kräfte. Aber leider keinen frischen Schwung. Die Gäste übernahmen die Regie und versuchten, alles daran zu setzen, den Ausgleich zu erzielen. Antwerpen versuchte, seine Jungs von außen zu mehr Gegenwehr zu motivieren. Doch in dieser Phase taten sich die Löwen schwer.

So kam der Gast zu seiner ersten, guten Chance. Aber Meisers Schuss faustete Engelhardt in gewohnt sicherer Manier zur Ecke. Antwerpen reagierte. Mit Yari Otto und Pfitzner für Kobylanski. Doch die Souveränität der ersten Halbzeit wollte sich einfach nicht wieder einstellen. Dazu gesellte sich dann auch noch bei dem einen oder anderen Braunschweiger Spieler erste Zeichen für nachlassende Kräfte. Und eine führende Hand im Mittelfeld war nicht auszumachen.

Brünker gleicht aus

Was sich in der 79. Minute beinahe böse bemerkbar gemacht hat. Doch der Krasniqi-Schuss landete Gott sei Dank am Pfosten. Wenig später war es aber doch soweit. Der in der 67. Minute eingewechselte, bullige Brünker setzte sich beim Kopfball durch und traf zum Ausgleich. Stürmisch und unfair von Offiziellen der SG gefeiert. Sollte sich da einmal mehr bestätigen, dass die SG nach hinten heraus auch Top-Favoriten straucheln lassen kann?

Nein, an diesem Tage sollte es anders kommen. Wahrscheinlich hatte es Fortuna nach dem Sieg in Unterhaching vorgezogen, vorerst bei der Eintracht zu bleiben, was ihr natürlich hier niemand verwehrte. Zwar drückte sie in der 86. Minute beide Augen zu, als Biankadi im Strafraum der Gäste gelegt wurde, eine Minute später aber war sie hellwach. Nehrig schickte Otto auf rechts, der legte von der Grundlinie zurück auf Biankadi, der starte wieder zur Grundlinie und flankte scharf in die Mitte, wo Pourié keine Mühe hatte, den Ball zum Siegtreffer einzuschieben. Hätte er jedoch verfehlt, wäre wohl Bär der Nutznießer gewesen, der stand kurz hinter Pourié.

Marvin Pourié jubelt über seinen Siegtreffer gegen Aspach
Spiel 32 in Liga 3, Eintracht empfing die SG Sonnenhof-Großaspach und gewinnt 2:1. Den Siegtreffer erzielte Pourié (Foto). Foto: Fotoagentur Hüber/Susanne Hübner

Fazit. Eintracht kontrollierte das Spiel eine Halbzeit lang mustergültig. So sicher, dass kein Eintracht-Fan daran glaubte, dass es noch einmal eng werden könnte. So sicher die Aktionen, so genau die Zuspiele im Mittelfeld, so harmlos der Gegner. Doch nach dem Wechsel verlegte sich Blau-Gelb mal wieder auf das Verwalten. Eintracht mangelte es an Kraft, dagegen zu halten. Nur gut, dass, wie auch auf Kobylanski, auf Pourié derzeit Verlass ist. Besonders diese Beiden sichern die Teilnahme im Aufstiegskampf.

Zu den herausragenden Kräften zählten weiter Bernd Nehrig, der im Zentrum der Abwehrreihe schlicht und ergreifend für Ruhe sorgte sowie Marcel Engelhardt im Tor, der erneut eine tadellose Leistung zeigte.

Orren McKinze Gaines (l.) und Benjamin Kessel im Zweikampf. Foto: Fotoagentur Hübner, Susanne Hübner
Benjamin Kessel zeigte sich nicht nur auf dem Rasen kämpferisch, sondern auch am Spielfeldrand, als er sich ein kleines Wortgefecht mit Gäste-Trainer Boysen lieferte. Kessel musste später verletzungsbedingt ausgewechselt werden.. Foto: Fotoagentur Hüber/Susanne Hübner

Noch nicht heiß gelaufen war Nick Proschwitz, der von Marco Antwerpen mehrfach von außen damit konfrontiert wurde, welche Aufgaben er zu bewältigen habe. Doch unter dem Strich darf niemand vergessen, ein Fußballspiel bei solchen Temperaturen zwingt alle in die Knie.

Gute Ausgangslage für den Aufstiegskampf

Eintracht Braunschweig ist für heute Tabellenzweiter (Bayern München spielt erst morgen gegen Waldhof Mannheim), ein Punkt hinter Spitzenreiter Duisburg (1:1 gegen Würzburg). MSV-Trainer Lieberknecht muss in den kommenden Spielen wohl auf seinen besten Mann, Moritz Stoppelkamp, verzichten. Man kann es drehen und wenden wie man will, berücksichtigt man das Restprogramm der Löwen, kann es nur darum gehen, alles für den Aufstieg zu mobilisieren. Falsche Bescheidenheit hilft da nicht weiter.

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Denn jetzt geht es zum FC Ingolstadt (Di, 19 Uhr). Der Zweitliuga-Absteiger und Tabellensechste liegt hinter seinen Erwartungen zurück. Gegen Braunschweig ist ein Sieg quasi Pflicht. Allerdings haben die Schanzer schon sechsmal unentschieden gespielt vor eigenem Publikum. Und viermal verloren.

Stimmen zum Spiel:

Marvon Pourié: Ja, das war ein Charaktertest. Aspach hat einfach nicht nachgelassen und unaufhörlich gekämpft. Bei uns haben dem einen oder anderen trotz der Rotation schon ein paar Körner gefehlt. Wir können heute glücklich sein mit dem Dreier.

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