„Archäologie im Landkreis Peine – Die mittelalterlichen Töpfereien von Oberg und Peine“

von Herrn Thomas Budde, M.A.

am Montag,  18. Februar 2019, 19:00 Uhr

auf der Hofstelle im Pferdestall der ZeitRäume Bodenstedt,

Hauptstraße 10, 38159 Vechelde Bodenstedt

Um Voranmeldung wird gebeten unter 05302 4322 oder 0160 8552225

oder per e-Mail (c.mayer@tu-bs.de). Der Eintritt ist frei.

Handel mit Töpferwaren

Der Vortrag befasst sich mit den mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Töpfereien
von Oberg und Peine. Dass es eine bedeutende Produktion von Töpferwaren
sowie einen Handel mit begehrten Töpfertonen aus Peine und Oberg gegeben
hat, bezeugen nur wenige Schriftquellen aus dem 17. Jahrhundert. Damals
versuchte die Braunschweiger Töpfergilde, den Handel mit „Peinischen Töpfen“
und „Obergischer Pott Erde“ zu reglementieren und einzuschränken, weil diese
offenbar den heimischen Markt dominierte. Das einzige Zeugnis aus Peine selbst
ist ein Gildebrief der Peiner Töpfer aus dem Jahr 1627.

Bedeutende Ausgrabungen

Archäologische Entdeckungen seit den 1950er Jahren, insbesondere in den vergangenen zehn
Jahren, zeugen im Gegensatz dazu von einer sehr umfangreichen Produktion von
Töpferwaren in Peine schon seit der Zeit um 1300. Vor allem durch die
Ausgrabungen beim Bau des Einkaufszentrums City-Galerie 2008/09 und beim
Ausbau der Schützen- und Glockenstraße 2014 wurde deutlich, dass Peine zu
einer Gruppe hochspezialisierter Töpferzentren gehört haben muss, die damals
im Rheinland um Köln und Siegburg sowie im südostniedersächsischen Weser-
und Leinebergland („Pottland“) entstanden sind, und den Markt weithin mit den
damals erst erfundenen, klingend hart gebrannten und wasserdichten
Steinzeugen versorgten. Neben den Steinzeugen dominieren Gefäße aus der
typischen spätmittelalterlichen grauen Irdenware mit einer relativ großen
Formenvielfalt.

Qualitätskeramik

Auch der Übergang zur Herstellung glasierter Tongefäße ab dem
16. Jahrundert ist seit kurzem archäologisch fassbar. In dem Vortrag werden die
einzelnen Entdeckungen und Ausgrabungen in dem Töpferviertel Gröpern, südlich
der Altstadt, in chronologischer Reihenfolge vorgestellt. Dabei wird neben der
Keramik auch auf Spuren der Produktion wie Brunnen, Entwässerungsgräben,
Abfallgruben, Fehlbrandhalden und Töpferöfen sowie die Siedlungsgeschichte des
Töpferviertels selbst eingegangen. Weniger bekannt und leider viel zu wenig
erforscht sind bisher die Oberger Töpfereien. Hier wurde bereits 1966 im
östlichen Altdorf eine Fehlbrandhalde mit Töpfen der gelbtonigen Irdenware aus
der Zeit um 1200 entdeckt. Auch hier handelt es sich um eine Qualitätskeramik,
die damals nur in wenigen Töpferzentren hergestellt worden ist.
Grundvoraussetzung für die Produktion waren bestimmte Tonvorkommen, die in
der Gegend um Oberg vorkommen.
(T. B.)