Atommüllendlager – auch in unserer Region möglich

Am 28. September hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung ihren Zwischenbericht Teilgebiete veröffentlicht. Im Fachjargon sind Teilgebiete die Gebiete, die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll erwarten lassen. Kriterien für diesen Bericht sind ausschließlich geologische Aspekte. Erst in weiteren Schritten werden Punkte wie Wohnbebauung oder Naturschutzgebiete berücksichtigt.

Teile von Braunschweig, Cremlingen, Lehre, Sickte, Vechelde und Wendeburg erfüllen die geologischen Voraussetzungen für die Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll.
Eine Übersicht finden Sie hier: https://www.bge.de/de/endlagersuche/zwischenbericht-teilgebiete/

Bis 2031 soll ein neuer Standort gefunden sein. Bis dahin wird es zu Debatten und Auseinandersetzungen geben. 11 km bis zum Schacht Konrad, 18 km bis zur Asse und 40 km bis nach Morsleben. Dies sind die Entfernungen vom Redaktionsbüro der Rundschau zu den bisherigen Endlagern.

Erste Stellungnahmen aus den Rathäusern

Lehre:

“Bei dem Zwischenbericht geht es ja lediglich um eine erste wissenschaftliche Betrachtung, die auch die Gemeinde Lehre so zur Kenntnis nehmen muss. Jetzt heißt es, abzuwarten, was genau dies für die potentiell betroffenen Kommunen bedeutet. Wir werden das Thema natürlich aufmerksam weiterverfolgen,” so die Stellungnahme aus dem Rathaus.

Sickte:

“Die Endlagersuche muss sich an den selbst gesetzten Kriterien der wissenschaftlichen Herangehensweise messen lassen. Der nun mehr erfolgte erste Schritt in Form der Identifizierung von sogenannten Teilgebieten bedeutet, dass nach bestimmten Kriterien ungeeignete Gebiete ausgeschlossen und im weiteren Verfahren nicht mehr betrachtet werden. Dies gilt für rund 46 % der Fläche Deutschlands. Rund 54 % der Fläche Deutschlands sind von der Suche nicht ausgeschlossen.

Weite Teile der Samtgemeinde Sickte sind durch Tonsteinschichten geprägt. Diese gelten aus geologischer Sicht grundsätzlich als für ein Endlager geeignetes Medium. Insofern überrascht es nicht, dass unsere Samtgemeinde durch ein sichelförmiges Teilgebiet überlagert, dass sich aus Richtung Cremlingen über die Gemarkungen Ober- und Niedersickte, Volzum, Dettum, Mönchevahlberg und Weferlingen legt.

In parallelem Verlauf dazu sind insbesondere weite Teile des Elms und Elmvorlands durch gegebene Steinsalzformationen als Teilgebiet klassifiziert. In der Samtgemeinde Sickte betrifft dies die Gemarkungen Veltheim/Ohe, Lucklum, Erkerode, Gilzum, Hachum und Evessen.

Von besonderer Bedeutung für unsere Samtgemeinde ist allerdings auch, dass die Gebirgsformation Asse als ungeeignet für einen Endlagerstandort klassifiziert worden ist.
Die nun veröffentlichen Erkenntnisse waren der erste Schritt der Endlagersuche, der durch Ausschluss lediglich abbildet, in welchen Gebieten ein Endlager nicht entstehen wird. Der nächste Schritt wird eine vorläufige Sicherheitsuntersuchung sein. Hierbei wird zunächst überschlägig betrachtet ob die geologischen Gegebenheiten einen sicheren Einschluss von hochradioaktiven Abfällen erwarten lassen.

Es bleibt abzuwarten, zu welchen Bewertungen diese Untersuchungen für die beiden Teilgebiete in unserer Samtgemeinde führen. Ich versichere, dass die Samtgemeinde Sickte den Prozess mit Argusaugen begleiten wird. Sollten für unsere Samtgemeinde nachteilige Bewertungen falsch oder nicht nachvollziehbar sein, werden wir gegen diese mit der notwendigen Härte vorgehen. Bisher gibt es hierfür jedoch keine Anzeichen,” so Samtgemeindebürgermeister Marco Kelb.

Vechelde:

“Unsere Kommune gehört zu den 54% der Fläche der Bundesrepublik Deutschland, die Teilgebiet sind,” so die Stellungnahme aus dem Rathaus.

Wendeburg:

“Die oberirdischen Zwischenlager, in denen sich die hochradioaktiven Abfälle befinden, sind als Dauerlösung nicht geeignet. Deshalb ist es nur folgerichtig, in Ausführung des Standortauswahlgesetzes endlich eine Antwort auf die Frage nach einem sicheren Endlager für den Atommüll zu finden. Nach dem jetzt vorliegenden Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung lassen mehr als 80 % der Fläche Niedersachsens günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung hochradioaktiver Abfälle erwarten. Da verwundert es zunächst nicht, dass auch ein Teil des Gebietes unserer Gemeinde Wendeburg als potentielle Teilfläche identifiziert wurde.

Ein Endlager für hochradioaktive Abfälle möchte natürlich keiner haben! Zunächst liegt aber auch nur ein Zwischenbericht zu einer getroffenen Vorauswahl nach Lage der Akten und keine abschließende Festlegung vor.

Zu begrüßen ist zwar das Bemühen um frühzeitige Transparenz und die Beteiligung der Öffentlichkeit. Der Aufbau von Vertrauen und Akzeptanz ist in unserer Region mit dem Salzbergwerk Asse als dem womöglich größten Umweltproblem Deutschlands und mit Schacht Konrad jedoch nicht zu erwarten. Vielmehr sollten die schon bestehenden Belastungen die Endlagersuche in unserer Region ausschließen,” so Bürgermeister Gerd Albrecht.

Die Rundschau wird über die weitere Entwicklung berichten.

 

Von Henning Hofmann

 

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