Viele wissen es längst, aber viele auch nicht. Und wer am zweiten Wochenende im Februar auf der B1 an der kleinen, unscheinbaren Ortschaft Destedt vorbeifährt, ahnt nicht, was sich da hinter der Kulisse abspielt. Von Freitagabend bis Montagmittag steht die knapp 1.500 Seelen zählende Gemeinschaft Kopf. Für drei Tage zählt nur noch eins – der Frohsinn. Seit weit über 100 Jahren feiert Destedt Fastnacht. Und wie! Wir waren beim dreitägigen Ausnahmezustand dabei.So wie Weihnachten fest im christlichen Kalender seinen Platz hat, so fest stehen auch die Termine für die Destedter Fastnacht. Immer am zweiten Wochenende im Februar. Und immer sonntags zieht der Lindwurm der Glückseligkeit in Form von neun, mitunter aufsehenerregenden Mottowagen durch die Gemeinde. Dabei waren die jecken Narren bis in die frühen Morgenstunden mit ihrem Maskenball beschäftigt. Bei dem müssen die unverheirateten Männer der Jungen Gesellschaft Destedt die unverheirateten Frauen freihalten.

Verlust der Unterwäsche

Nach dem Umzug ziehen sich die Geschlechter in ihre Refugien zurück. Die Männer ins ehemalige Landgasthaus Krökel, die Frauen ins Dorfgemeinschaftshaus. Für knapp fünf Stunden geht man sich besser aus dem Weg. Versucht Mann es trotzdem, riskiert er den Verlust seiner Feinripp-Unterwäsche.

Während man davon ausgehen darf, dass die Frauen hinter verschlossenen Türen nicht weniger Spass erleben als die Männer, was wir aber nicht wissen, weil wir nicht dabei sein durften, halten sich nach wie vor hartnäckig die Gerüchte, dass die Männer im Saal des ehemaligen Gasthofes wie einst finstere Riten pflegen. Eindrucksvoller Hinweis auf diese Spekulation ist der penetrant fischige Geruch, den manche Teilnehmer des Männerfrühstücks zwangsweise nach außen tragen.

Die Obrigkeit passt auf

Allerdings, und das darf an dieser Stelle keinesfalls verschwiegen werden, läuft dort alles unter Aufsicht der Obrigkeit über die Bühne. Wachtmeister Nolte achtet zweifelsohne darauf, dass hier jeder sein Fett abbekommt, wenn er auffällt.

Am frühen Abend geht ein Großteil der Noch-Stehenden auf Bierreise durch den Ort. Doch wer nun meint, das geschehe mit lautem und unflätigem Gesang, der irrt. Wer es nicht besser weiß, könnte vermuten, die Wandergruppe des Männergesangsvereins kommt heim von einer ausgiebigen Tour im Elm. Auffallend nur, dass der eine oder andere noch konzentriert genug ist, um Hecken minutenlang aus der Nähe zu inspizieren. Mit einem abschließenden, heftigen Schütteln schließen die Untersuchungen und der jeweilige Naturfreund schließt wieder auf zur Gruppe.

Noch zwei Termine

Nach der friedlichen Wiedervereinigung von Mann und Frau verlustieren sich einzelne Gruppen wenig später in die privaten Sphären, um das Wochenende Revue passieren zu lassen und neue Kraft zu schöpfen. Denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel und längst ist noch nicht aller Tage Abend. Die Destedter Fastnachts-Session kennt nämlich noch zwei Termine. Zum einen muss ein Junggeselle des Ortes „geopfert“ werden, der aber von Dr. Eisenbart und Schwester Gabi für gewöhnlich gerettet werden kann. Und dann ist noch die Versteigerung des Schleifenbaumes zu erwähnen. Jenes Baumes, an dem die Strumpfbänder zahlloser Frauen aus der Gemeinde ihren letzte Ruhe finden.

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