Für Drittligist Eintracht Braunschweig stand am 11. Spieltag die Fahrt zum FC Bayern München (FCB) auf dem Programm. Eine Partie, die auf dem Papier nicht unterschiedlicher hätte sein können. Auf der einen Seite eine Mannschaft, deren Wert bei rund 50 Millionen Euro liegt, auf der anderen stehen gerade einmal 6,95 zu Buche. Und mit Alphonso Davies, Wert 15 Millionen Euro, und Mickael Cuisance, Wert 12 Millionen Euro, sind zwei Spieler allein wertvoller als der ganze Löwen-Kader. Doch das war nicht der Grund, warum die Löwen ihr Auswärtsspiel beim FC Bayern München mit 0:2 verloren und damit nun seit vier Spielen ohne Sieg dastehen. Eintracht hat eine kleine Mini-Krise und muss die Länderspielpause nutzen, um wieder auf den Erfolgsweg zu finden.

Beim Gastgeber konnte Trainer Sebastian Hoeneß, Neffe von Polterhannes Uli, aus dem Vollen schöpfen. Seine beiden Stars Cuisance und Davies standen ebenso zur Verfügung wie Stürmer Kwasi Okyere Wriedt, der sich langsam aber sicher an die Spitze der Torjägerliste „bombt“. Aber auch Eintracht-Coach Christian Flüthmann brauchte sich vor dem Spiel nicht zu beklagen. Zwar fehlten die Routiniers Stephan Fürstner und Bernd Nehrig weiterhin verletzungsbedingt, aber so richtig vermisst hat sie wohl keiner.

Denn sie haben Platz gemacht für spielstärkere, frischere und schnellere Akteure. Wie Kammerbauer zum Beispiel, oder Goden, der zwar noch nicht richtig zum Einsatz gekommen ist, oder Amade, der in die U20-Nationalmannschaft berufen wird, aber bei der Eintracht in Liga 3 erst einen Einsatz auf dem Konto hat. Und dann ist da ja auch noch Filigran-Techniker Martin Kobylanski. Der durfte in den vergangenen Wochen aussetzen, um nachzudenken. Darüber, ob seine Einstellung die richtige ist, um seinen Marktwert wieder nach oben statt nach unten zu entwickeln.

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Er jedenfalls stand in der Startelf. Die war von Flüthmann respektvoll defensiver ausgerichtet. Für den erkrankten Nkansah rückte Ziegele in die Innenverteidigung an die Seite von Becker.

Im Mittelfeld sollten Wiebe, Kammerbauer und Schwenk für Stabilität sorgen, während Kobylanski und Bär für die offensiven Akzente verantwortlich zeichneten. Orhan Ademi wiederum sollte für Zählbares sorgen.

Fulminanter Auftakt des FCB

Zu Beginn der Partie machte der FCB sofort deutlich, dass die individuellen Qualitäten bei Spielern wie Davies, Cuisance und Dajaku nicht nur wertmäßig über denen der Braunschweiger liegen. Denn nach sechs Minuten hätte es durchaus bereits 2:0 stehen können. Erst verfehlte Dajaku eine Flanke von Davies und dann klärte Fejzic einen Feldhahn-Kopfball so gerade noch über die Latte. Die Gäste-Abwehr wurde wahrlich durcheinander gewirbelt. Vor allem Kijewski wusste nicht, wie ihm geschah.

Bayern-Keeper Früchtl war es zu verdanken, dass die Löwen endlich ins Spiel fanden. Der sorgte mit einem Abwurf vor die Füße von Kammerbauer für den nächsten Aufreger. Doch der freistehende Löwe wusste mit der Chance nichts anzufangen. Statt ihn über Früchtl zu heben, setzte er den Ball kläglich neben den rechten Pfosten. Dabei wäre es am Einfachsten gewesen, den Ball einfach zum frei stehenden Mannschaftskameraden weiter zu spielen. 

Nur drei Minuten später die nächste „ganz dicke“ Chance für die Eintracht. Kobylanski flankte von rechts durch den Strafraum der Münchner auf den heran laufenden Schwenk, der den Ball direkt nahm und direkt rechts neben den Pfosten ins Aus bugsierte. Als dann auch noch ein Kessel-Schuss von Früchtl herausragend pariert wurde, schwante dem einen oder anderen Eintracht-Fan bereits Böses. Und sie wurden bestätigt.

Fehlende Übersicht

In der 15. Minute fand erst Ziegele keinen Zugriff gegen Wriedt und sein Mitstreiter Kijewski keine Übersicht. Hinter ihm lauerte Dajaku frei und nutzte ungehindert die Situation zu Führung der Gastgeber. Das saß.

In den folgenden 17 Minuten lief der Ball hüben wie drüben flott durch die Reihen, aber gefährliche Situationen wussten beide Mannschaften nicht mehr herauf zu beschwören. Die Partie war vielmehr geprägt von Zweikämpfen und Nickligkeiten. Glück für die Gäste, dass Torwart Fejzic in der 37. Minute für eine unnötige Tätlichkeit gegen Cuisance keine Rote Karte sah. Ja, er sah nicht einmal Gelb. Was sich der junge Schiedsrichter Robin Braun da gedacht hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Die Münchner hielten sich den Gegner in der Folgezeit clever vom Leibe, setzten aber auch nach vorn keine Akzente mehr. Und die Gäste suchten nach dem Rückstand eine klare Ordnung, fanden diese aber nicht sogleich. So ging es mit dem 1:0 in die Kabinen.

Münchens Coach Hoeneß hatte seine Jungs gut vorbereitet zurück aufs Feld geschickt. Gegen die insgesamt stabile Braunschweiger Defensive wollte er nicht ungestüm anrennen, sondern lieber über Konter Nadelstiche setzen. Schließlich war sein Team in Führung.

Dennoch dauerte es bis zur 58. Minute, bis die 2.750 Zuschauer, davon rund 1.000 aus Braunschweig, Dramatisches zu sehen bekamen. Kijewski flankte in den Strafraum, wo Bär völlig überrascht versuchte, den Ball irgendwie über die Linie des FCB-Tors zu bekommen. Was nicht gelang und dazu auch noch wenig elegant aussah.

Erfolgloser Sturm

Für den glücklos agierenden Ademi kam dann in der 59. Minute Proschwitz, was auf den Spielverlauf jedoch wenig Auswirkung hatte. Wieder dauerte es, bis die Zuschauer feine Fußballkunst geboten bekamen. Münchens Köhn hielt aus 25 Metern einfach einmal drauf und zwang Fejzic so zu einer Parade.

In der 74. Minute kam für Schwenk Feigenspan auf das Feld. Die Überlegenheit der Gäste wurde damit optisch noch größer. Unter dem Strich kam dabei jedoch zu wenig heraus. Den durchaus immer wieder aufblitzenden spielerischen Qualitäten folgten leider immer wieder zu viele brotlose Aktionen. Ziellose Abschläge, ungenaue Pässe, zu wenig gewonnene Zweikämpfe und eine schwache Quote bei den zweiten Bällen sorgten in der dennoch spannenden Partie für ein bestenfalls durchschnittliches Niveau.

So kam es, wie es kommen musste. Bereits in der 85. Minute hatte der FCB das 2:0 auf dem Fuß, doch Wriedt verfehlte den Ball. In der 94. Minute „klingelte“ es dann doch im Braunschweiger Tor. Fejzic hatte es vorgezogen, seine Offensivaktivität nicht mit einem zügigen Zurücklaufen abzuschließen, sondern das Tor für einen Distanzschuss von Dajaku offen zu lassen. Der traf aus rund 55 Metern zum endgültigen 2:0. Beckers Rettungsversuch war nicht vom Erfolg gekrönt.

Nur 2 Tore aus 4 Spielen

Das Fazit: Eintracht Braunschweig hat sich selbst um den Erfolg gebracht und muss sich genau deshalb die Frage gefallen lassen, was seit nunmehr vier Spielen nicht mehr rund läuft? Nur zwei Treffer in vier Spielen, das sah zu Saisonbeginn anders aus. Da hatten die Löwen nach vier Spielen bereits achtmal ins Schwarze getroffen.

Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass Bayern München II vom Potenzial her die beste Mannschaft der Liga ist. Doch Laufkundschaft gibt es in dieser Liga eh nicht. Nur, wer von Spiel zu Spiel denkt, was jeder Trainer gern und besonders hervorhebt, kann die notwendige Konzentration und Kampfbereitschaft abrufen. Da laufen die Löwen derzeit den Erwartungen hinterher. Für Schönspielerei kann sich keine Mannschaft der Welt etwas kaufen.

Es wird deutlich, dass andere Klubs immer besser in die neue Saison hinein finden. Das gilt durchaus auch für die Eintracht. Aber es wird auch deutlicher, dass der Umbruch der Mannschaft von einer kämpferisch orientierten Elf zu einer stärker spielerisch agierenden noch lange nicht abgeschlossen ist, sich sogar langsamer vollzieht als in anderen Vereinen.

Länderspielpause nutzen

Die Balance zwischen Routine und jugendlichem Drang ist nicht perfekt. Und die mannschaftliche Harmonie scheint verbesserungswürdig. Wenn Verein und Kobylanski verkünden, alle Probleme besprochen und behoben zu haben, muss der Beweis darüber noch erbracht werden. Auch in München war Kobylanski nicht ideeal eingebunden. Wiebe und Kammerbauer haben auch nicht deutlich gemacht, dass man auf Nehrig und Pfitzner schon verzichten könnte. Und was den Sturm betrifft, wird zunehmend deutlich, dass es den Löwen noch an einem richtigen Knipser mangelt. Proschwitz hat nach elf Spielen drei Treffer auf dem Konto, Ademi deren zwei. Das ist – bei allem Respekt – eine zu geringe Ausbeute. Aber, woran liegt es, dass die beiden Torjäger so wenig Möglichkeiten bekommen? Gut bedient und perfekt in Szene gesetzt werden sie von ihren Mitspielern nicht und lange Abschläge sind auf Dauer kein probates Mittel.

Die Mannschaft hat jetzt zwei Wochen Zeit, sich mit der aktuellen Situation auseinanderzusetzen. Fakt ist, dass in dieser Liga kein Klub einen Durchmarsch machen kann. So betrachtet, ist also alles noch im Lot. Aber die Entwicklung muss schneller vonstatten gehen als bisher. Sonst verpassen die Löwen den Anschluss.

So geht es weiter

Am 19. Oktober empfängt Eintracht den Tabellenführer, die Spielvereinigung Unterhaching (Sa, 14 Uhr). Am 27. Oktober geht es dann nach Baden-Württemberg, wo um 14 Uhr Anpfiff beim Tabellensiebzehnten Sonnenhof ist. Mit den beiden Spielen ist dann ein Drittel der Saison absolviert.

Stimmen zum Spiel:

Sebastian Hoeneß: Ich bin stolz. Wir haben zu Null gespielt. Und das gegen eine sehr, sehr gute Mannschaft. Man merkt, dass die Autromatismen jetzt mit jedem Spiel mehr greifen. Wir werden stabiler und können eine Führung auch behaupten.

Christian Flüthmann: Das war bitter für die Jungs. Wir haben die Chancen liegen lassen. Was aber nichts mit Druck zu tun hat. Wir reden intern nicht über Plätze, das ist kein Thema.