Rund 500 Personen fanden gestern den Weg ins Eintracht-Stadion, um der Jahreshauptversammlung des Vereins zu folgen. Davon waren 335 stimmberechtigte Mitglieder, 79 Fördermitglieder und 21 Medienvertreter. Der Rest waren wohl Fans der Eintracht, die dabei sein wollten. Beim großen Show-down. Doch der blieb aus. Eintracht bei der Eintracht. Von 19 Uhr bis nach Mitternacht. Dabei gab es gerade einmal zwei Themen, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Der Rest war business as usual.Die Spannung war zu Beginn deutlich spürbar. Schon frühzeitig war zu erkennen, die Ebene 20 im Stadion dürfte im offiziellen Bereich voll werden. So kam es dann auch und die Versammlung begann mit einer fünfzehnminütigen Verspätung. Doch der Vorstand um Sebastian Ebel war gut vorbereitet.

Zum einen hatte man im Vorfeld ganze Arbeit geleistet, in dem positive Informationen aus den Rechenschaftsberichten vorab den Weg in die Öffentlichkeit fanden und zum anderen, weil man tags zuvor die Trennung vom Geschäftsführer der GmbH & Co. KG aA (auf Aktien), Soeren Oliver Voigt, bekanntgegeben hatt. Eins der wesentlichen Ziele der Fan-Kritik.

Ebel bietet seinen Stuhl an

Als Präsident Ebel auch noch verkündete, dass er nach zehn Jahren ehrenamtlicher Arbeit seinen Platz freimachen wolle, war der erwarteten Kritik der letzte Rest fundamentaler Kraft genommen. Zwar versuchte Robin Koppelmann in bester demokratischer Manier die Versammlung zu motivieren, ihn doch noch in den Aufsichtsrat zu wählen. Doch auch die Unterstützung von Walter Schoepps und Mario Goldmann verliehen dem Wunsch keine zusätzliche Kraft. Am Ende wählte die Versammlung die Aufsichtsratsvertreter so wie der Vorstand vorgeschlagen hatte.

Für den zurückgetretenen Christian Krentel und den nicht mehr kandidierenden Oberbürgermeister Ulrich Markurth rückten die vom Vorstand vorgeschlagenen Tobias Rau, Ex-Profi bei Eintracht, Bayern München und Arminia Bielefeld, und Katja Wittfoth, ebenfalls ehemlige Profispielerin, nach. So war für den geforderten Fußball-Sachverstand gesorgt.

Ottinger und Lehmann angezählt

Rainer Ottinger und Dr. Philip Lehmann ging die Wahl allerdings recht knapp aus. Beide glänzten aber auch mit Vorstellungs-Reden, denen es an Esprit und Leidenschaft mangelte. Rainer Ottinger berichtete von Bauprojekten, an denen er und seine Firma beteiligt gewesen wären. Allerdings berichtete er nicht, ob sein Architekturbüro hier ganz übliche Honorare abrechnen durfte, oder ob das Unternehmen sich für den Verein unentgeltlich engagiert hat. Und Philip Lehman postierte sich als engagierter Vertreter von Fan-Interessen, ohne jedoch auf einen breiten Rückhalt in der illustren Fan-Szene verweisen zu können. Zu seinem Vortrag war auch höhnisches Gelächter zu vernehmen.

Insgesamt war der Verlauf der rund fünfstündigen Versammlung trotz aller Diskurse harmonisch. Von einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage der Profiabteilung war einmal mehr keine Rede. Was im Einzelnen zu der schwierigen Lage der Drittliga-Mannschaft geführt hat, bleibt weiter hinter verschlossenen Türen.

Fans fordern einen Vertreter im Aufsichtsrat

Vielleicht wäre der Verein gut beraten gewesen, den Wünschen der Fans nachzukommen und einen Vertreter aus dem Fanbereich zuzulassen. Das hätte mehr Transparenz herstellen können. Doch nachvollziehbar ist auch, dass die sehr wohl vertraulichen, persönlichen Fragen nicht durch Indiskretionen an die Öffentlichkeit gelangen dürfen. Da gibt es berechtigte Zweifel an der Zuverlässigkeit der Fanvertreter.

Dennoch könnten der Verein und der Aufsichtsrat die Türen ein wenig öffnen. Nirgendwo steht geschrieben, dass es verboten ist, Gäste zu Sitzungen einzuladen. Wenn es dann vertraulich wird, kann man die ja hinausbitten.

Mit dieser Jahreshauptversammlung ist der Umbruch im administrativen Bereich eingeläutet. Interpretationen, jetzt würden Verantwortliche „das sinkende Schiff verlassen“ dürften dennoch unzutreffend sein. Weder Sebastian Ebel noch Soeren Oliver Voigt müssen sich vorwerfen lassen, die „Kiste vorsätzlich in den Dreck gefahren zu haben“. Sie haben Fehler gemacht, das hat in der Versammlung Oberbürgermeister Markurth laut verkündet. Von der vermeintlich so erfolgreichen Dekade ist nur wenig übrig geblieben. Das einzugestehen und die Plätze frei zu machen, ist der rechte Weg.

Die Scherben werden nun andere auffegen müssen. Ein neuer Geschäftsführer der GmbH & CoKG aA, ein neuer Manager und eben der neue Trainer, Andre Schubert, der nach dem Spiel gegen Halle aussagte, dass der Verein bereits intensiv an Lösungen arbeite.

Jetzt ist Konow-how gefragt

Es sollte sich niemand vormachen, dass Tobias Rau und Katja Wittfoth die Heilsbringer sind. Es ist ja nicht so, dass erfolgreiche Vereine nur dann erfolgreich sind, wenn sie ehemalige Spieler in ihren Reihen wissen. Erfolgreiche Vereinsführung und gewinnbringende Kapitalgesellschaften fordern weit mehr. Marketing Know-how, Personalkompetenz und Visionen.

Sollten die Verantwortlichen bereits intensiv alle möglichen Entwicklungen durchspielen, also auch den Abstieg in die vierte Liga, die Regionalliga, dann wären sie gut beraten, Sponsoren, Fans, Stadt und Bevölkerung „mitzunehmen“. Denn es dürfte in den kommenden Monaten wichtig werden, „alle“ hinter sich zu wissen. Sonst könnte aus der Ein- doch noch eine Zwietracht werden.