Was für eine Abwehrschlacht. Mit ganz viel Motivation, unbändigem Kampfgeist und einer gehörigen Portion Dusel holt sich das Schlusslicht in der 3. Liga, Eintracht Braunschweig, einen Punkt beim Herbstmeister Karlsruhe. Nach insgesamt 97 Minuten auf einem im Grunde unbespielbaren, aufgeweichten Platz hieß es 1:1. Ein Sieg der Niedersachsen, den der eine oder andere Journalist im Bereich des Möglichen gesehen hat, wäre allerdings des Guten zu viel gewesen. Zwar kämpfte die Eintracht vorbildlich, spielerisch waren die Möglichkeiten der Löwen jedoch klar beschränkt und die Chancenverwertung ist nach wie vor „unterirdisch“.Mit der gleichen Aufstellung wie in Cottbus trat Blau-Gelb beim Drittliga-Spitzenreiter Karlsruher SC an. Für die 13.000 Zuschauer waren die Rollen klar verteilt. Alles andere als eine Braunschweiger Niederlage würde eine Überraschung darstellen. Doch wer Andre Schubert kennt, weiß, sich schon vor dem Spiel ergeben, ist seine Sache nicht.

Und schon in der 4. Minute sah es so aus, als würden alle Hoffnungen der Gäste zunichte gemacht werden. Camoglu setzte sich auf der linken Abwehrseite durch, ließ dabei zwei Braunschweiger kalt stehen, und flankte in die Mitte auf Torjäger Pourié, der den Ball jedoch mit der Hand spielt.

Hofmann-Treffer oder Eigentor?

Im Gegenzug zur großen Überraschung aller im Wildparkstadion die Führung der Gäste. KSC-Keeper geht nach der ersten Braunschweiger Ecke nur halbherzig zum Ball, so dass Hofmann das 0:1 erzielen kann. Allerdings war nicht deutlich erkennbar, ob es sich nicht doch wieder um ein Eigentor handelte. Nur, wenn interessiert das noch nach dem Spiel?

Bei strömenden Regen versuchte der KSC sofort, Druck aufzubauen. Bis zum Braunschweiger 16er klappte das auch recht gut. Doch die Defensive der Gäste blieb immer im Bilde und ließ keine Chancen der gefährlichen KSC-Angreifer zu.

Sechs Spiele in Serie hatte der KSC mit Siegen beendet. Jedes Mal hatte Pourié dabei getroffen, diesmal ging der Torjäger leer aus. Und die Löwen verteidigten nicht nur souverän, sondern sie suchten ihr Glück auch in der Offensive.

Die besseren Chancen hatte die Eintracht

In der 10. Minute hatte Nyman das 2:0 auf dem Fuß, in der 16. Bulut und eine herrliche Kombination über Sauerland und Fürstner konnte erneut Bulut nicht im Tor unterbringen (21.). In der 28. bediente Bulut von links Nyman im Streafraum des KSC, doch der scheiterte. Die besseren Chancen standen auf Braunschweiger Seite des Statistikbogens.

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Das wurde den Platzherren langsam zu bunt, und sie legten eine „Schippe drauf“. In der 38. Minute rettete Engelhardt in Weltklassemanier, in der 45. entkräftete er auch noch einen Kopfball von Pourié. Das sah doch alles recht gut aus. Trotz eines 9:3-Eckenplus des KSC war die Führung der Eintracht zur Halbzeit alles andere als unverdient.

Und leider konnten die Löwen das Niveau nicht halten. Die ersten 48 Minuten hatten doch zu viel Kraft gekostet. Besonders machte sich das bei Bulut bemerkbar. Im ersten Durchgang war er ganz klar einer der Akticposten auf Braunschweiger Seite, jetzt im zweiten schlichen sich Unkonzentriertheiten ein. Innerhalb weniger Minuten vertändelte er den Ball dreimal. In der 50. Minute folgte seinem Ballverlust ein unnötiges Foul. Ein Fall für Wanitzek auf Seiten des KSC. Der hat bereits mehrfach direkt Freistöße verwandelt, was ihm auch diesmal gelang. Sein platzierter Schuss landete links oben im Eck, Engelhardt, der vielleicht ein wenig unglücklich positioniert war, kam nicht mehr an den Ball.

Die Löwen zeigen Chrakter

Und jetzt war klar, würde die Eintracht 40 Minuten lang um den einen Punkt kämpfen müssen. Offensiv waren die Aktionen zu harmlos, zu langsam, um die KSC-Abwehr um die beiden Innenverteidiger Gordon und Pisot in Bedrängnis zu bringen. Im Grunde roch alles nach einem zweiten Treffer der Platzherren.

In der 69. Minute lag der Torschrei den KSC-Fans schon auf der Zunge. Wanitzek drosch den Ball aus 30 Metern an die Unterkante der Latte. Der sprang Pourié vor die Füße und dessen Schuss rettete Engelhardt in Klassemanier.

Schubert brachte in der 80. Minute Yari Otto für Bulut und kurz vor Schluss Burmeister für Hofmann. Zuvor kam Janzer für Nyman (67.). Am Ende wurde die Eintracht für die „Abwehrschlacht“ belohnt. Ein Punkt beim Spitzenreiter, das war aller Ehren wert. Mit vier Punkten aus den beiden letzten Spielen (beides Auswärtsspiele) haben sich die Löwen rechtzeitig zum Fest selbst beschert.

Verstärkung ist auf dem Weg

Auch hinter den Kulissen scheint es heftig zu rumoren. Die Neuzugänge Fasko, Franjic und Fejzullahu sind per sofort freigestellt, dazu auch gleich Valsvik, und Yari Otto soll wohl vorerst ausgeliehen werden. All das spricht klare Worte. In der Winterpause werden „fertige“ Akteure kommen. Welche, die sofort weiterhelfen, welche, die man auch nicht auf die Bank setzen kann.

So soll das Wunder von der Hamburger Strasse doch noch wahr werden. Bislang hat es in der dritten Liga zur Winterpause dreimal Mannschaften mit sieben Punkten Rückstand zum rettenden Ufer gegeben. Alle drei sind am Ende abgestiegen. Nun wollen die Löwen beweisen, dass das so nicht sein muss. Um eine Serie zu starten, es fehlen zum Klassenerhalt wohl rund 26 Punkte, müssen die Neuen natürlich sofort einschlagen. Ende Januar geht es weiter mit dem Heimspiel gegen Hansa Rostock (so, 27.1., 14 Uhr), derzeit Tabellenachter.

Die Trainer nach dem Spiel im Interview bei Telekom Sport:

Alois Schwartz – KSC

Andre Schubert -Eintracht