Wenn im DFB-Pokal ein Zweitligist einen Erstligisten erwartet, dann ist die Favoritenfrage schon einmal geklärt. Erst recht wenn ein Top-Team aus der Bundesliga bei einem potenziellen Abstiegskandidaten aus Liga 2 antritt. So wie heute Abend Borussia Dortmund bei Eintracht Braunschweig. Und die Hoffnung, es könne wieder ein Wunder geschehen und Eintracht schriebe Pokalgeschichte, erfüllten sich leider nicht. Nach 93 recht eintönigen und wenig unterhaltsamen Minuten hieß es am Ende 0:2. Dortmund eine Runde weiter, Eintracht raus. Was nicht hätte sein müssen.

Nach der Erstrunden-Überraschung mit dem Sieg über Erstligist Hertha BSC waren die Hoffnungen schon groß, dass die Eintracht dem nächsten Erstligisten das Leben schwer machen könnte. Konnten sie aber nicht.

Gut möglich, dass Trainer Daniel Meyer seine Löwen schlicht und ergreifend mit dem Motto – geht raus und spielt Fußball – ins Rennen schickte. Einmal unbeschwert aufspielen. Ohne Druck, ohne Zwang, das ist vielleicht eine geniale Medizin, um sich im nervenaufreibenden Abstiegskampf zu pushen. Gegen Hummels, Sancho, Reus, Witsel und dem Supertalent Moukoko auflaufen zu können, ist wohl so etwas wie ein Traum für Fußballer aller Klassen. Den 16-jährigen Moukoko, in Berlin noch Torschütze, haben die Löwen allerdings nicht kennengelernt. Denn der durfte sich schonen und zum Chillen in Westfalen bleiben.

Proschwitz nur auf der Bank

Bei den Löwen kamen zum Auftakt Fejzic, Schlüter, Wydra, Nikolaou und Wiebe in diesen Genuss. Davor agierten Kammerbauer und Ben Balla als Sechser, während Bär und Kobylanski die Schaltzentrale besetzten. Vorn gleich eine selbstbewusste Variante mit Abdullahi und Kaufmann. Nick Proschwitz dafür erst einmal auf der Bank. Eine taktische Variante, die sich nicht bezahlt machte. Dennoch konnte niemand behaupten, das sich die Löwen nur hinten rein stellen wollten. Nicht mit dieser Aufstellung. Wozu auch? Dass sich die Löwen beim Hintenreinstellen gern einmal selbst im Wege stehen, ist hinlänglich bekannt.

BVB-Coach Edin Terzic hat natürlich seine Hausaufgaben gemacht und gab in der Pressekonferenz vor dem Spiel zu erkennen, die Braunschweiger Stärken erkannt und sein Elf darauf vorbereitet zu haben. Gleich auf sieben Positionen änderte der 38-jährige Kroate aus Menden seine Startelf. Das führte in der Konsequenz zu einer hochkarätig besetzten Bank. Dort saßen Reus, Witsel, Hazard, Bürki, Akanji und Can.

Erlimg Haaland
Während seine Borussen im nasskalten Deutschland auf Torejagd gingen, trainierte BVB-Star Erling Haaland bei 25 Grad in Katar, um wieder fit zu werden.

Die Bedingungen waren mit 10 Grad sehr fußball-freundlich, aber das Feuer wollte weder auf der einen noch auf der anderen Seite entflammen.

Borussia, wie nicht anders zu erwarten, die bessere Elf. Mit den sicheren Kombinationen und dem besseren Auge für Raum und Zeit. Aber die Löwen standen solide und konnten die Borussen vom Tor fernhalten. Allerdings nicht lange.

Mal wieder ein frühes Tor

In der 12. Minute ahndete Schiedsrichter Cortus ein vermeintliches Foulspiel mit einem Freistoß. Eine zumindest umstrittene Entscheidung. Nicht jeder Experte hatte hier das Foulspiel erkannt. Aber, hätte, hätte, Fahrradkette. Sancho flankte in den Strafraum, wo erst Delaney den Ball nicht traf, dafür aber der hinter ihm stehende Hummels, der sich mit einer knappen Drehung den nötigen Platz verschaffte. Eine Situation, in  der die Löwenabwehr nicht wirklich auf der Höhe war.

Das Dortmunder Mittelfeld mit Brandt, Bellingham und Sancho bestimmte das Geschehen und die Abwehrreihe mit Guerreiro, Hummels, Zagadou und Morey hatte die nur zaghaften Angriffsbemühungen der Löwen stets unter Kontrolle.

Wenn es einmal gefährlich wurde, dann gingen dem quasi stets individuelle Fehler voraus. In der 22. Minute verunglückte ein Rückpass von Nikolaou auf Fejzic, der überhastet schießen musste. Brandt hatte aufgepasst, verfehlte aber das Gehäuse. In der 34. Min ute rettete der Pfosten für die Eintracht, die selbst nur einen Toschuss zu verzeichnen hatten. Schlüter passte zu Bär in die Mitte, dessen Torschussversuch fand sein Ende jedoch in den Armen von Hitz.

Erste Ecke erst in der 57. Minute

Bezeichnend für die Qualität des Spiels ist die Tatsache, dass im gesamten ersten Durchgang nicht ein Eckstoß zu vermelden war. So ging es nach beschaulichen 45 Minuten in die Kabinen.

Aus der kamen die Gäste mit einem Wechsel. Für Mats Hummels kam Akanji. Terzic sah offensichtlich keine Notwendigkeit, den Routinier auf dem Platz halten zu müssen. So war es auch. Im Grunde änderte sich am Spielverlauf nicht mehr viel.

Dortmund mit der Führung im Rücken tat genau das, was notwendig war, um das Spiel zu kontrollieren. So lief die Partie phasenweise wie ein Trainingsspiel. Wie oft der Ball in der Hälfte des BVB quer gespielt wurde, haben wir irgendwann aufgehört zu zählen. Trotzdem hatte Borussia drei gute Möglichkeiten, auf 0:2 zu erhöhen, nutzten sie aber nicht.

Aber die Löwen machten es nicht besser. Selbst, wenn sich sich endlich einmal an den Strafraum der Gäste heran gearbeitet hatten, schafften sie es, den Ball wieder bis zum eigenen Sechzehner zurück zu spielen. Aber dann kam er doch, der eine Moment. Ganz plötzlich blitzte Kreativität und Zielstrebigkeit auf. Abdullahi steckte den Ball zu Bär durch, dessen strammer Schuss allerdings nur an der Latte landete.

Späte Wechsel ohne Resultat

In der 72. Minute nahm Daniel Meyer den nicht überzeugenden Kobylanski aus dem Rennen, für ihn kam Otto, was sich am Ende vielleicht als Fehler entpuppte. Denn in der 87. Minute bekam die Eintracht an der Strafraumgrenze einen Freistoß zugesprochen, den Kroos über das Tor setzte. Hätte, hätte, na, Sie wissen ja, nicht wahr?

Zwar brachten die Hereinnahmen von Proschwitz und Kroos in der 79. Minute durchaus etwas Schwung, aber im Grunde kam dieser Impuls zu spät. Auch der Wechsel von Schwenk für den enttäuschenden Kaufmann hat nur statistischen Wert. Mitten in die letzten Versuche der Platzherren konterten die Gäste eiskalt durch Reus und Sancho zum 0:2.

Letzten Endes können die Braunschweiger zumindest mitnehmen, dass sie lange Zeit mit dem großen Favoriten mithalten konnten. Was allerdings zwei Gründe haben kann: entweder hatten die Löwen einen guten Tag erwischt, oder die Borussen einen schwachen. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Eine Gala war das Pokalspiel in keinem Fall. Schade.

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here