LesBAR – Der 8. Cocktail interessanter Bücher

Serviert von Dieter R. Doden

Willkommen in der LesBAR. Erneut habe ich für Sie drei Bücher ausgewählt, über die ich hier etwas intensiver berichten möchte. Was, wie üblich, nicht bedeutet, dass diese Werke aus meiner Sicht von ganz besonderer Güte sein müssen. Nein, sie sind derzeit in den Bestseller-Listen zu finden. Ein Grund, sich mit ihnen zu beschäftigen. Schauen wir also mal gemeinsam, ob sich das Lesen lohnt. Los geht es heute mit

 

„Menu surprise“ von Martin Walker

Aus der LesBAR: Menu Surprise

Walker, 1947 in Schottland geboren, lebt in Washington und im Périgord. Seine Romanfigur Bruno machten ihn bekannt und berühmt. Die Bruno-Episoden werden inzwischen in 15 Sprachen übersetzt. Bruno ist Chef de police und soll in seinem nun schon elften Fall „Menu surprise“ Feriengästen in einer Kochschule lokale Geheimrezepte verraten. Dass die prominenteste Kursteilnehmerin nirgends zu finden ist, bringt die Handlung in Schwung. Kommt auch Spannung auf? Na ja, die hält sich doch leider in Grenzen. Der Autor ist eigentlich für seine lockere Schreibe bekannt. Was er diesbezüglich hier auftischt, ist eher Magerkost. Und dann die Übersetzung… Auch beim Rugby gibt es englische Fachbegriffe, die einfach nicht ins Deutsche übersetzt gehören. Und ach ja, das ganze Werk macht ein wenig den Eindruck, auf die Schnelle gekocht worden zu sein. Auf dem Buchumschlag ist von einer Zitatenliste die Rede, wo eigentlich eine Zutatenliste gemeint ist. Das aber nur am Rande. Dem ganzen Menu fehlt die rechte Würze. Deswegen vergebe ich hier nur drei von fünf möglichen Sternen. Es ist eben nicht so leicht, ein Fünf-Sterne-Koch zu werden!

 

„Der Löwe brüllt“ von Tommy Jaud

Aus der LesBAR: Der Loewe bruellt

Schmeckt Ihnen und mir dieses Buch besser? Tommy Jaud schrieb die Bestseller „Vollidiot“ und „Resturlaub“. Beide Werke wurden erfolgreich verfilmt. Da hängt die Messlatte für „Der Löwe brüllt“ natürlich sehr hoch. Worum geht es? Nun, Nico Schnös ist von Beruf Controller und heillos überfordert. Sein Chef schickt ihn in Zwangsurlaub. Und entweder kommt er voll entspannt zurück oder er ist alsdann ohne Job. Schnös landet in einem wunderschönen Ferienclub auf den Kanaren. Entspannung jedoch ist dort nicht zu finden. Und? Wie finden wir das, liebe Leserinnen und Leser? Richtig, es ist leider auch kein Brüller. Ganz nett, ja, aber für 320 Seiten dann doch nicht das, was man als Sternenbringer bezeichnen möchte. Ich lege dem Löwen nur zwei Sterne zu Füßen.

 

„Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament“ von Martin Sonneborn

Aus der LesBAR: Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Europaparlament

Was denn, Sie wissen gar nicht, wer Martin Sonneborn ist? Kennen Sie sich denn überhaupt nicht im Europaparlament aus? – Na ja, kleiner provokanter Scherz. Wer kennt sich da schon wirklich aus? Wie auch immer, ein gewisser Martin Sonneborn hat vor fünf Jahren den Sprung ins besagte Parlament geschafft, wegen des dort geltenden Wahlrechts, das auch Miniparteien den Einzug ins EU-Parlament möglich macht. Seine Partei mit dem treffenden Namen „Die Partei“ ergatterte 184.525 Stimmen und Sonneborn sonnt sich seitdem in Brüssel, wo bekanntermaßen das Parlament tagt. Eigentlich war das als Satire gedacht. Aber unser Autor fand das dort ganz nett und fasste einerseits den kühnen Entschluss, in Brüssel und im Parlament bleiben zu wollen (Ob das gelang, stand zum Zeitpunkt, an dem diese Zeilen entstanden, noch nicht fest.) und andererseits den Plan, seine „Abenteuer im Europaparlament“ zu Papier zu bringen. Zumindest das zweite Vorhaben ist gelungen. Es entstand ein Werk, in dem der Autor die Tatsache, dass er einmal Chefredakteur der Satirezeitschrift Titanic war, auf tolle Weise untermauert. Köstlich zu lesen. Fünf Sterne für diesen Kenner des Europaparlaments.

 

Drei Bücher stellte ich Ihnen heute vor, von denen mindestens eines lesenswert ist. Jedenfalls nach meiner Meinung. Aber Sie wissen ja, sie ist subjektiv. Andere, zum Beispiel auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, mögen das eventuell ganz anders sehen und Ihre Sterne anders verteilen. Ich will hier ja eigentlich auch nur Lust auf das Lesen generell machen. Wenn das hin und wieder klappt, bin ich zufrieden. Und ich hoffe, Sie genießen weiterhin die Cocktails in der LesBAR. Behalten Sie bitte Appetit!

 

Ihr Dieter R. Doden

 

 

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