Liebe Leserinnen und Leser,

wir möchten Ihnen anlässlich des 825jährigen Dorfjubiläums von Beienrode (siehe die Februarausgabe des „Lehrscher Boten“) in einer kleinen Artikelserie unser Dorf gern einmal näher vorstellen und Ihnen die Geschichte dieses Ortes, seine Besonderheiten, Schönheiten und vielfältigen Vereinsaktivitäten zeigen.

Wie alt ist Beienrode eigentlich? Nach gelegentlichen Verwechslungen in der Forschung mit dem nur knapp 15 km entfernten Beienrode am Dorm bei Königslutter, das durch eine Urkunde Kaiser Ottos II. bereits im Jahr 980 nachgewiesen ist sowie einer falschen Datierung der Beienrode bei Flechtorf betreffenden 8. Urkunde 2 im Niedersächsischen Landesarchiv Wolfenbüttel auf das Jahr 1219-1225, konnte der Historiker Bernd Schneidmüller 1986 anhand der Siegel, die sich an der Urkunde befinden, das Schriftstück eindeutig auf das Jahr 1196 datieren. In diesem Jahr also wird „unser“ Beienrode als „Bodenrode“ (lat. „Bodenrothe“) erstmals urkundlich erwähnt.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Lehre werden sich sicher noch an das schöne fünftägige Jubiläumsfest zur 800-Jahrfeier mit den vielen Programmaktionen und der Einweihung des neuen Gedenksteines in der Langen Straße erinnern. In diesem Jahr nun feiern wir das 825-jährige Jubiläum unseres Dorfes, das wir wegen der immer noch andauernden Corona-Pandemie leider nicht wie vorgesehen im geplanten großen festlichen Rahmen begehen können. Doch wir holen dies nach: Ende Juni 2022 werden wir „Beienrode 825 + 1“ feiern!

Hier nun also zunächst einige Anmerkungen zur Geschichte von „Beienrode am Wohld“.

Beienrode war in seiner ersten Anlage ein Platzdorf und wuchs durch die Zusiedlung von drei Wüstungen (Nöthe im Westen, also Richtung Flechtorf, Horst im Südosten, Richtung Glentorf, und Bossenrode im Süden) zu einem Haufendorf an. Der Name des Ortes weist auf eine Rodung hin, d.h. Beienrode ist entstanden durch die Rodung eines bewaldeten Gebietes, veranlasst durch einen „Bodo(n)“. Der Ortsname um 1400 war „Bodenrode“, 1534 „Badenrode“, und 1563-1589 vorübergehend bereits schon „Beienrode“, bevor man seit dem 17. Jahrhundert wieder zu der Schreibweise mit „y“ als „Bayenroda“, „Beyenroda“ oder „Beyenrode“ überging.

Schon im 16. Jahrhundert gab es in Beienrode nach einer Urkunde von 1575 zehn Ackerhöfe (größere Bauernhöfe mit einem Grundbesitz von bis zu 4 Hufen, d.h. von 120 Morgen bzw. 30 ha) und 12 Kotsassenhöfe (kleinere Höfe mit einem Besitz von 1 oder ½ Hufe, d.h., 15-30 Morgen bzw. 4-8 ha), was für den kleinen Ort zu dieser frühen Zeit schon sehr beachtlich ist. Die Grundfläche betrug 2027 Morgen (507 ha), darunter 1057 Morgen (264 ha) Ackerland und 328 Morgen (82 ha) Wiesen. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte Beienrode 28 „Feuerstellen“, Häuser also, in denen 165 Menschen lebten. 1823 verzeichnete der Ort 216 Einwohner, 1858 waren es 255 Bewohner und 1905 in jetzt schon 57 Wohngebäuden 328 Personen. Nach einem leichten Bevölkerungsrückgang zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg die Zahl nach dem Zweiten Weltkrieg durch das Eintreffen der Heimatvertriebenen 1945 erneut an an, ebenso in den 1960er Jahren durch die Ansiedlung von Pendlern nach Wolfsburg, sodass die Einwohnerzahl im Jahr 1972 395 Personen betrug. Nach Ausweisung zweier Neubaugebiete („Am Grasstieg“ und „ Dornweg“) in den 1970er und 1980er Jahren und eines dritten, südöstlich Richtung Glentorf liegenden Baugebietes („Am Papenkamp“) seit 2015, stieg die Bevölkerungszahl in Beienrode auf 557 (2018) Personen an.

Die Schunter (Schuntra) bildete schon seit dem 15. Jahrhundert die natürliche und die verwaltungsmäßige Grenze zwischen den beiden Fürstentümern Braunschweig-Wolfenbüttel und Lüneburg bzw. nach 1814 zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Hannover und ebenso bis in die heutige Zeit zwischen den Landkreisen Braunschweig und Gifhorn bzw. Helmstedt und Wolfsburg.

An der Schunter gab es Befestigungsanlagen, die sogenannten „Ballwälle“ (auch Pall-, Bor-, Borg-, Boilwälle genannt), die bei kriegerischen Auseinandersetzungen Schutz gegen einfallende Völker bieten sollten. Die Bauern hatten in der damaligen Zeit (16. Jh.) kein Jagd- und kein Fischrecht. Diese Rechte lagen beim Grundherrn (Gutsherrn). Grundherren von Beienrode waren die Herren von Hondelage (1478, 1505), ab 1678 das Amt Campen, außerdem die Herren von Broitzem und das Kloster Riddagshausen. Die Ackerleute hatten für den Grundherrn Gespanndienste zu leisten, die Kotsassen Handdienste. Für ihre eigenen Flächen mussten die Bauern eine Grundsteuer in Form von Naturalien an das Fürstliche Amt Campen entrichten. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Fruchtbarmachung von Teilen der großen Weideflächen zum Ackerland. Konnten die Landwirte im Jahr 1850 nur über 264 ha Acker verfügen, so waren es um 1960 bereits 370 ha.

Im Jahr 1829 vernichtete eine Feuersbrunst sechs große Höfe. Sie wurden wieder aufgebaut und mit ihnen eine neue Straße errichtet, die man schlicht „Neue Straße“ nannte (heute die Glentorfer Straße).

Mitte des 19. Jahrhunderts, in den Jahren 1844-1858, fand im Herzogtum Braunschweig, so auch in der Feldmark Beienrode, eine grundlegende Landvermessung, die sogenannte „Separation“ statt. Dabei handelte es sich um eine Flurbereinigung: das Land wurde neu aufgeteilt, kleinere Ackerflächen wurden zusammengelegt und die Bodenbeschaffenheit bewertet. Die Bauern konnten nun effektiver wirtschaften und die bisher praktizierte Dreifelderwirtschaft hatte ein Ende. Mit der Separation und der veränderten Ackernutzung änderte sich auch das Landschaftsbild in der Umgebung, es entstanden neue Wege, Böschungen, Gräben und Brücken.

Wohl wenig bekannt sein dürfte, dass sich Ende des 19. Jahrhunderts für einige Jahre ein prominenter Imker in Beienrode angesiedelt hatte: Heinrich Thie, Verfasser eines Standardwerks zur Bienenzucht und Herausgeber einer bienenwirtschaftlichen Fachzeitschrift, der später in Wolfenbüttel eine Firma mit Produkten für den Imkereibedarf besaß (dazu demnächst hier ein eigener Artikel). Mit dem in Beienrode geborenen Landwirt Hermann Deumeland (1860-1934), der zur Einweihung der renovierten Kirche 1903 eine versilberte Abendmahlskanne stiftete, lebte bis zu seinem Umzug nach Flechtorf auch ein Abgeordneter des braunschweigischen Landtags hier.

Im Jahr 1911 gab es hohen Besuch in Beienrode: Der 1907 von der Landesversammlung gewählte, als volkstümlich geltende Regent des Herzogtums Braunschweig, Prinz Johann Albrecht zu Mecklenburg, wollte am Anfang seiner Regentschaft die ihm noch nicht bekannte Region und dessen Bewohner kennenlernen und reiste mit seiner jungen Gattin Prinzessin Elisabeth durch die Dörfer des Landes. Das Herzogspaar kam dabei auch nach Beienrode und besichtigte hier u.a. die alten Eichen im Kampstüh und die Kirche; – welch ein großer Tag für das kleine Dorf!

Noch eine Bemerkung zum Wappen von Beienrode: Das 1979 von Wilhelm Krieg entworfene, in den Farben Weiß und Grün gehaltene Wappen wird diagonal durch eine Wellenlinie geteilt, die auf die Schunter, einen größeren Ballwall auf der linken Schunterseite und einen kleineren zwischen den Schunterarmen verweist. Das zentrale grüne Blatt steht als Symbol für Wachstum und Fruchtbarkeit und soll auf den großen Baumbestand im Beienroder Holz hinweisen, es deutet an, dass Beienrode auch heute noch ein von der Landwirtschaft geprägter Ort ist.

In der nächsten Ausgabe des „Lehrscher Boten“ möchten wir Ihnen die denkmalgeschützte Beienroder Kirche St. Jürgen vorstellen, die wegen des im romanischen Stil gehaltenen Kirchenbaus mit ihren schönen handgemalten Rundbogenfenstern, ihres Opferstocks aus dem Jahr 1601 und den Tafeln auf der 1592 errichteten Orgelempore mit Darstellung der sieben Tugenden nicht ganz ohne Bedeutung ist.

Untenstehend finden Sie eine Tafel mit interessanten Daten aus der Dorfgeschichte von Beienrode.                                                                                                                     Martina Graf

 Zeittafel: Daten zur Dorfgeschichte von Beienrode
1196/97erste urkundliche Erwähnung von Beienrode als „Bodenrothe“; 1311 „Bodenrode“, 1439 „Beyenrode“ 1534 „Badenrode“
um 1200Existenz einer kleinen Kapelle mit Platz für 22 „Hauswirte“
1534Pfarrsitz Beienrode-Flechtorf erwähnt
1563-1589Ortsname vorübergehend bereits „Beienrode“
1575Beienrode weist nach einer Urkunde 10 Ackerhöfe und 12 Kotsassenhöfe auf
1592 Einbau einer Orgelempore in der Kirche
1665Ortsname „Beyenroda“
1678Beienrode steht unter der Grundherrschaft des Fürstlichen Amtes Campen
1758Unter Herzog Carl I wird 1753 eine Brandversicherung gegründet und es werden Hausnummern (No. ass. ) eingeführt
1759 Dorfbeschreibung von Beyenrode durch Rudolph August Koch; Dorfplan mit Flurbezeichnungen und Verzeichnung der Häuser nach Hausnummern
1778 Bau einer neuen Schule (No. ass. 27, zuvor seit dem 16. Jahrhundert No. ass. 23)
1829ein Großfeuer vernichtet sechs Höfe
1844Separation (Flurbereinigung; Zusammenlegung kleinerer Ackerflächen, Ende der Dreifelderwirtschaft)
1869Errichtung eines neuen Friedhofes
1880Der Männergesangverein wird gegründet
1891Errichtung einer Molkerei in Beienrode
1892 Die Straße nach Glentorf wird gebaut
1899 Neubau der Schule in der Sandkuhle beim Friedhof
1902Gründung der Spar- und Darlehnskasse Hattorf-Beienrode
1903erster Telefonanschluss in Beienrode
1905die Straße nach Flechtorf wird gebaut, dazu Abflachung des Kreuzbergs
1914 elektrischer Strom in Beienrode
1931erstes Auto in Beienrode
1934Bau der Straße nach Hattorf
1941erster Trecker in Beienrode; 1956: erster Mähdrescher und erster Rübenvollernter
11. April 1945amerikanische Truppen befreien die Gemeinde Lehre von der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten und besetzen die Ortschaften sowie die Muna
1945-1946Flüchtlinge aus Schlesien treffen in Beienrode ein
1956Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung
19713.9. 1971: Einweihung des Kindergartens im bisherigen Schulgebäude Im Hinterhagen
1972 Dorferweiterung: Neubaugebiet „Am Grasstieg“, 1980 Neubaugebiet „Dornweg“
1976Gründung des Turn- und Sportvereins Beienrode
1980Einweihung der Autobahn A 39
1988Bau einer neuen Dorfgemeinschaftsanlage für Sport- und Vereinszwecke an der Stelle des bisherigen Bolzplatzes Im Hinterhagen. Errichtung eines Anbaus für den Kindergarten
1991 15. Oktober 1991: Einweihung des neuen Kindergartengebäudes bei der Dorfgemeinschaftsanlage. Der Kindergarten erhielt den Namen „Regenbogenkindergarten“
1996 Beienrode feiert sein 800-jähriges Dorfjubiläum
2015Dorferweiterung: Neubaugebiet „Am Papenkamp“

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