Was für ein Drama! Erst in der Nachspielzeit befreit Felix Kroos mit einem sensationellen Freistoß seine Löwen vom Krampf des Siegen müssen. Sein Freistoß aus rund 23 Metern passte haargenau ins linke obere Eck und führte Blau-Gelb von Platz 17 auf Platz 15 in der 2. Liga. Der Klassenerhalt liegt damit weiterhin in den eigenen Händen. Nächsten Sonntag muss die Eintracht beim Tabellenvierten Karlsruhe antreten, dann kommt am Samstag, den 20.3. der SV Darmstadt. 7:1 Punkte haben die Niedersachsen aus den drei vergangenen Spielen geholt und dabei nicht ein Gegentor kassiert. Ist das der Beginn der lang ersehnten Serie? Karlsruhe wird es zeigen.

Trainer Daniel Meyer konnte diesmal nicht seine beiden Wunsch-Sechser aufbieten, weil Wydra wegen der fünften gelben Karte aussetzen musste. Für ihn rückte Bär in die Startformation. Auch SV-Trainer Kleppinger wechselte nur auf einer Position. Innenverteidiger Zhirov kam für Röseler.

Und die Gäste starteten mit einem klaren Plan. Zum einen wussten sie von der vermeintlichen Anfälligkeit der Löwen in der ersten Viertelstunde, und zum anderen von der eigenen Stärke, in der gleichen Zeit oft zu treffen. Sie setzten die Platzherren stark unter Druck und sorgten so dafür, das die Eintracht etwas Zeit brauchte, sich zu finden.

Beide Abwehrreihen standen sicher und ließen nichts anbrennen. Die Eintracht dank eines guten Stellungsspiels und einer überraschenden Kopfballstärke. Sandhausen ist aufgrund der Längenvorteile das Team mit den meisten gewonnenen Kopfballduellen. Und der SV stellt auch das Team mit den meisten Karten. So etwas scheint zu verpflichten.

Sather zückte sechsmal Gelb

In der 10. Minute holte sich Kister die Gelbe ab, in der 13. Contento. Kister musste dann nach einem weitere Foulspiel in der 35 Minute vom Platz, weil Rot drohte. Und die Gastgeber steckten nicht zurück. Bis zum Halbzeitpfiff „sammelte“ die Eintracht noch dreimal Gelb. Behrendt, Klaß und Diakhité hießen die „Übeltäter“. Schiedsrichter Alexander Sather hatte alle Hände voll zu tun, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. In der Nachspielzeit holte sich auch Linsmayer noch „seine“ Karte ab.

Vielmehr Aufregendes gibt es aus Durchgang eins nicht zu berichten. Zwar hatte Ji in der 19. Minute eine gute Szene, doch sein gezirkelter Schuss verfehlte das Tor. Wenn auch nur knapp. Beiden Mannschaften war deutlich anzumerken, dass es vor allem darum ging, nicht durch individuelle Fehler in Rückstand zu geraten. Herausragende Offensiv-Aktionen sind bei solchen Konstellationen nicht zu erwarten. Doch es war klar, dass es so in Halbzeit zwei nicht weitergehen konnte. Ein Unentschieden war weder für die Eintracht akzeptabel, noch für die Gäste.

Sandhausen zu passiv, Eintracht nicht konzentriert genug

Daniel Meyer reagierte. Behrendt und Klaß blieben in der Kabine, für sie kamen Schlüter und Kammerbauer. Das hieß für Nikolaou zurück in die Innenverteidigung. Doch der SV Sandhausen riskierte nichts. Zwar suchten sie stets, Umschaltmöglichkeiten zu nutzen, doch die Löwen-Abwehr war auch mit der Umstellung nicht überfordert. Sie konnte sogar gefährliche Aktionen der Löwen einleiten.

In der 47. Minute tankte sich Bär auf links vorbildlich durch, spielte quer zu Kaufmann, der bediente in der Mitte Proschwitz. Dessen Schuss konnte aber Röseler in allerletzter Sekunde per Grätsche zur Ecke klären. Vier Minuten später rettete Keeper Kapino per Fuß. Schütze Kaufmann raufte sich die Haare.

Eintracht kontrollierte jetzt das Geschehen, scheiterte aber an eigenen Unzulänglichkeiten. Kaufmann und Kammerbauer glänzten immer wieder mit schlechten Pässen und schlechter Übersicht. Als dann auch Wiebe mit einem strammen Schuss aus 20 Metern in der 66. Minute an Kapino scheiterte, fühlte es sich so an, als würde diese Partie torlos enden wollen.

Wechsel von Sandhausen ohne Wirkung

Zwar versuchte Gäste-Trainer Kleppinger mit vier Wechseln binnen sechs Minuten, den Schalter doch noch umzulegen, doch mehr als zwei Abseitspositionen sprangen dabei nicht heraus. Sein Gegenüber Meyer zeigte zu diesem Zeitpunkt noch keinen Ansatz, ebenfalls mehr Druck ausüben zu wollen.

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Erst in der 83. Minute schickte er Joker Otto, der schon in Sandhausen spät ein Treffer erzielt hatte, auf das Feld. Zwei Minuten später durfte Ji runter, für ihn kam das Geburtstagskind Schwenk. Am Spielverlauf änderte aber auch das nichts. In der 87. Minute versuchte es die Eintracht zum ersten Mal mit einem Distanzschuss, bei dem sich Gäste-Torwart Kapino lang strecken musste, um Unheil zu verhindern. Der Schütze war Kroos.

Der hatte wohl erkannt, dass Kapino flach nicht zu überlisten war und nutzte in der 91. Minute einen Freistoß aus gut 23 Metern zur erlösenden Führung. Zwischen Latte, Pfosten und Ball hätte wohl nicht einmal eine Briefmarke gepasst. Unendlicher Jubel und überall war deutlich zu hören, dass eine wahre Steinlawine blau-gelbe Herzen befreite.

Ist das die lang ersehnte Serie?

Mit dem dritten Spiel in Folge ohne Gegentor könnte die Eintracht, wenn auch spät, eine Serie gestartet haben, die am Ende zum Klassenerhalt führen könnte. Wie diese Ergebnisse zustande gekommen sind, dass ist letztlich unbedeutend. Im Keller wird gekämpft und nicht schön gespielt. Deswegen ist die Beschäftigung mit den Fragen, wer war gut, wer nicht, überflüssig. Die Mannschaft und auch der Trainer haben bewiesen, dass sie schmutzig können.

Dass das ganz anders daher kommt, als Meyer zu Beginn der Saison verkündete, das müssen die Verantwortlichen analysieren und auch bewerten. Warum die richtigen personellen Entscheidungen erst in der Winterpause getroffen wurden und nicht schon zu Saisonbeginn, ist ebenfalls noch zu klären. Doch all das muss und kann in einer sachlichen Art erfolgen, in der es den Klubverantwortlichen gut zu Gesicht stünde, die Fans, die guten wie die schlechten, besser „mitzunehmen“.

Noch 10 Spiele – viermal Zuhause, sechsmal in der Fremde

Doch jetzt zählt nur eines – alles dafür zu tun, der Mannschaft auf dem Weg zum Klassenerhalt zu helfen. Noch zehn Spiele, oder 30 Punkte, von denen 16 wohl benötigt werden. Das sind fünf Siege und ein Unentschieden, oder vier Siege und vier Unentschieden, oder drei Siege und sieben Unentschieden. Bei nur noch vier Heimspielen, aber sechs Auswärtspartien und der bekannten Auswärtsschwäche alles andere als ein Spaziergang.

Ausstehende Heimspiele:
20.03. Darmstadt 98, Samstag um 13 Uhr
18.04. SC Paderborn*
25.04. Erzgebirge Aue*
16.05. Würzburger Kickers, Sonntag 15.30 Uhr
*Spiele sind noch nicht genau terminiert

Ausstehende Auswärtsspiele:
14.03. Karlsruher SC, Sonntag um 13.30 Uhr
05.04. St Pauli, Montag um 20.30 Uhr
11.04. VfL Osnabrück, Sonntag um 13.30 Uhr
20.04. Greuther Fürth*
09.05. Fortuna Düsseldorf*
23.05. Hamburger SV, Sonntag um 15.30 Uhr

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