Was die Braunschweiger Eintracht am 11. Spieltag in Liga 2 gegen den VfL Osnabrück ablieferte kann und darf nur mit einem Ergebnis betrachtet werden – beim 0:2 agierten die Löwen konzeptions- und ideenlos. Nach 93 Minuten purer Harmlosigkeit steht der Aufsteiger vor der nicht mehr weg zu diskutierenden Erkenntnis, dass am Ende nichts anderes als der Abstieg wartet. Elf Punkte nach einem Drittel der Saison sind schlicht und ergreifend zu wenig. Das klingt hart, aber Schönreden und Abwarten kann nicht kaschieren, dass die Löwen trotz aller Bemühungen derzeit nicht wettbewerbsfähig sind.

Trainer Daniel Meyer musste kurz vor dem Spiel den Ausfall von Wiebe hinnehmen, der sich in Quarantäne begeben musste, weil er Kontakt mit einer Corona-infizierten Person hatte. Für ihn kam Ben Balla. Statt Kessel, der verletzungsbedingt länger ausfällt, startete Burmeister.

Aber im Grunde ist es egal, wer zu Beginn auf dem Rasen steht, die Löwen kassieren mit schöner Regelmäßigkeit ein frühes Gegentor. Diesmal klingelte es in der 3. Spielminute. Ihorst hatte sich auf der rechten Braunschweiger Seite an Burmeister vorbeigeschummelt, passte in den Rückraum, wo Kerk völlig unbedrängt aus 13 Metern einnetzen konnte.

VfL Osnabrück drückend überlegen

Und die überlegenen Gäste drückten weiter. Bis zur 15. Minute hätte es bereits 0:5 heißen können. Wolze und Blacha  scheiterten aber aber an Torhüter Fejzic oder verfehlten das Tor. Eintracht zu diesem Zeitpunkt völlig kopflos. Osnabrück in allen Punkten drückend überlegen.

Ab der 30. Minute war in den Braunschweiger Bemühungen immerhin die Bereitschaft zu erkennen, dagegen zu halten, doch mehr als der Wille war es dann leider nicht. Proschwitz rannte ergebnislos die Bälle der Gäste ab, Schlüter versuchte sich engagiert auf der linken Seite, Kroos und Kobylanski gelang es nie, Ordnung ins das Spiel zu bekommen.

Daniel Meyer reagierte und brachte für den schwachen Bär Abdullahi. Doch der Neuzugang wirkte in der Folgezeit eher wie ein Akteur, der auf der Suche nach dem „Was mache ich hier?“ über den Platz irrte. Eine echte Bindung zu seinen Mannschaftskameraden war zu keinem Zeitpunkt erkennbar.

Anders als noch vor einer Woche der FC St. Pauli machte der VfL Osnabrück nicht den Fehler, das Spiel laufen zu lassen. Sie ließen dem Gastgeber weder Zeit noch Raum, um eine Spielidee zu initiieren, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen.

Iba May im Zweikampf mit drei VfL-Spielern
Der VfL Osnabrück orientiert sich mit dem 2:0 in Braunschweig nach oben, Eintracht, hier mit Iba May, hingegen am Boden.                                                                       Alle Fotos: Fotoagentur Susanne Hübner

Entscheidung in der 65. Minute

Als die Gäste in der 65. Minute eine herrliche, schnörkellose Kombination über drei Stationen durch Mutlhaup zum 0:2 abschlossen, war die Partie im Grunde gelaufen. Eintracht hatte keine Mittel, das Ruder noch herum zu reißen. Auch wenn die Löwen alles versuchten.

Daniel Meyer reagierte schnell, nahm Bär aus dem Spiel und brachte dafür Kaufmann. Gefährlicher wurde das Spiel der Eintracht dennoch nicht. Auch der Doppelwechsel von May und Schwenk für Kammerbauer und Proschwitz führte nicht zum gewünschten Ergebnis. Die Körpersprache der Löwen ließ keine Hoffnung mehr aufkommen.

Während die Gäste noch große Chancen hatten, das Ergebnis deutlicher zu gestalten, stand auf Seiten des Gastgeber nicht eine klare Torchance in der Statistik. Schwenks Versuch in der 90. Minute war das einzig nennenswerte Ergebnis. Allerdings hatte der Linienrichter sofort die Fahne oben – abseits.

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Wie geht es weiter bei der Eintracht?

Wie bereits vor einer Woche war beim Aufsteiger keine bemerkenswerte Entwicklung erkennbar. Die Harmlosigkeit der Löwen ist besorgniserregend und bedarf dringender Aktivität seitens der Verantwortlichen. Sonst droht nicht nur der Abstieg, sondern auch ein wirtschaftliches Desaster. Dass der Verein eine Rückkehr in Liga 3 wirtschaftlich verkraften kann, ist sehr fraglich.

Und man muss sich definitiv auch mit der Frage beschäftigen, ob Daniel Meyer es noch schaffen kann, der Mannschaft Halt zu geben und ein System zu vermitteln, dass den eklatanten Abwehrschwächen Einhalt gebietet. 24 Gegentore in elf Spielen, neun davon in Heimspielen kassiert, sind ein Beleg dafür, dass es an Qualität mangelt.

Weiter abzuwarten, dass sich die Arbeit des Trainers bemerkbar macht, ist ein mutiges und riskantes Unterfangen. Am Mittwoch müssen die Löwen zum Absteiger Paderborn, Samstag darauf kommt der Tabellenzweite Greuther Fürth. Nicht unmöglich, dass es bis Weihnachten bei den elf Punkten bleibt.

Eintracht Braunschweig muss sich damit auseinandersetzen, dass die Mannschaft mit der Aufgabe Klassenerhalt überfordert ist. Beim Zuschauen wird der Unterschied zu den Gegnern schnell deutlich. Während gute Zweitligisten den Ball schnell und direkt laufen lassen, überlegen die Löwen lange bevor sie handeln. Und bietet sich niemand an, wird der Ball quer oder zurück gespielt. Rückt der Kontrahent dann schnell auf, ist der lange Ball die ultimative Reaktion.

Arbeit in allen Bereichen

Es geht nun keinesfalls darum, irgend jemand den Schwarzen Peter unterzuschieben. Es geht ausschließlich darum, Entscheidungen zu treffen, die Klassenzugehörigkeit zu sichern. Da steht das Problem Abwehr ganz oben auf der Liste. Im Mittelfeld mangelt es an einem Spieler, der mit seiner Leistung und seiner verbalen Führungskraft die Reihen ordnet und im Sturm muss Proschwitz endlich besser in Szene gesetzt werden oder ein Knipser her.

Jetzt wird und muss es sich zeigen, ob die Eintracht in der Lage ist, einträchtig Lösungen zu kreieren? Eine klare Positionierung der Verantwortlichen wäre da sehr hilfreich und würde die Fanlager einen. So weitermachen wie bisher, wird den Unmut und die Unzufriedenheit kaum dämpfen.

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