Die grenzenlose Freude über den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga ist nach drei Spielen einer deutlichen Ernüchterung gewichen. Platz 17 und bereits sechs Treffer kassiert, das ist kein gutes Zeichen. Noch will niemand das Wort Fehlstart in den Mund nehmen, aber wer die Spiele der Eintracht gesehen hat, wird nicht umhinkommen zuzugeben, es wird nicht besser von Spiel zu Spiel, sondern schlechter. Die kommende Partie gegen den VfL Bochum hat da schon so etwas wie einen Schicksals-Charakter. Geht die Partie in die Hosen, ist der Fehlstart perfekt. Was spricht dafür, dass der entscheidende Schritt voran jetzt gelingt?

Natürlich dürfte sich auch Meyer den Saisonstart anders vorgestellt haben. Trotz der durchaus hochkarätigen Gegner bisher. In Heidenheim verloren. Kein Beinbruch. Gegen Geheimfavorit Holstein Kiel unentschieden gespielt, damit kann man gut leben, beim Niedersachsen-Rivalen Hannover 96 untergegangen. Gegen einen Aufstiegsaspiranten keine Überraschung. Doch wie man sich in der Landeshauptstadt präsentierte, das war bestenfalls drittklassig.

Alles eine Frage der Entwicklung, wie uns Trainer Meyer versichert. Eine zweitligataugliche Mannschaft zu formen, ist nunmal kein Spaziergang. Schon gar nicht, wenn etliche Spieler sich erst noch akklimatisieren müssen, während vermeintliche Routiniers wie Abdullahi auf ganzer Linie jegliche Bindung zum Rest-Team vermissen lassen. Allerdings fällt dabei auf, dass den großen Worten vor den Spielen keine Taten folgen. Mit Reden allein ist die Klasse aber nicht zu halten. Klappt es auch gegen Bochum nicht, dann besteht die Gefahr, dass die unrühmliche Trainer-Historie aus Eintrachts jüngerer Vergangenheit um ein Kapitel reicher werden könnte. Denn schreibt Daniel Meyer nicht bald Erfolgsgeschichten, werden die Diskussionen lauter, ob der zweitliga-unerfahrene Fußball-Lehrer der richtige Mann für die Aufgabe ist. So ist sie leider, die Fußball-Welt.

FC Kobylanski

Eintracht Braunschweig ist aktuell – mal böse ausgedrückt – in Wirklichkeit der FC Kobylanski. Ohne seine Tore gäbe es keine 2. Liga und ohne ihn hätten wir aktuell auch noch kein Tor auf der Haben-Seite. Niemanden in Liga 2 dürfte das entgangen sein. Schon gar nicht Eintrachts nächstem Gegner, dem VfL Bochum.

Nun, das wissen die Löwen auch. Fragt sich nur, was können Meyer und Vollmann unternehmen, um den „Schalter umzulegen“? Wer glaubte, der Verein schlage auf den letzten Drücker am Transfermarkt zu, der sah sich getäuscht. Während Würzburg zum Beispiel vom Hamburger SV quasi in letzter Sekunde Ewerton verpflichtete, ist bei der Eintracht wohl mangels Geld Stillhalten angesagt. Nicht zuletzt deshalb, weil man nicht alle Spieler, die man lieber bei anderen Vereinen sähe, verkaufen konnte.

Noch passt es nicht perfekt

Dennoch muss man auch attestieren, nicht alles, was Daniel Meyer umgesetzt hat, ist jetzt im Licht der Hannover-Niederlage sogleich Makulatur. Die grundlegende Struktur und seine Philosophie passen. Allerdings eben nur wie ein Anzug von der Stange. Maßgeschneidert sitzt besser.

Nach Schließung des Transfer-Fensters bleibt Manager Peter Vollmann nur die Chance, einen vertragslosen Profi anzuheuern. Doch die hätten noch zu hohe Gehaltsvorstellungen, so Vollmann in der Braunschweiger Zeitung. Aber je später der Verein reagiert, desto schwerer wird es, eine möglicherweise in den Dreck gefahrene Karre aus gleichem wieder herauszuziehen. Eintracht Braunschweig sitzt, verdammt nochmal, in einer Zwickmühle.

Daniel Meyer reckt verzweifelt die Arme in die Höhe
Auch Eintracht-Trainer Daniel Meyer ist (noch) nicht immer einverstanden mit den Leistungen seiner Löwen-Bande.                                                               Foto: Susanne Hübner

Man darf also davon ausgehen und auch erwarten, dass das Löwen-Rudel am kommenden Samstag um 13 Uhr von Beginn an zu erkennen gibt, dass man sehr wohl mithalten kann. Der Tabellenfünfte VfL Bochum ist dabei so gut wie jeder andere Gegner. Denn leichte gibt es für Eintracht eh nicht.

Bochum: Mit Holtmann und Decarli?

Der VfL hat zum Auftakt einmal gewonnen und zweimal unentschieden gespielt. Den Dreier holte die Elf von Trainer Thomas Reis dabei auswärts beim VfL Osnabrück. Eine Torfabrik ist der VfL noch nicht. Drei Spiele, drei Tore. Unter dem Strich der richtige Gegner für ein hungriges Löwen-Rudel. Ein Wiedersehen gibt es dann mit zwei Ex-Löwen, Saulo Decarli und Gerrit Holtmann. Decarli laboriert aber immer noch einen Infekt aus. Ob er am Samstag mit von der Partie ist, bleibt vorerst unwahrscheinlich.

Wer bei der Eintracht dazu gehören wird, das wird ebenfalls spannend. Ist Felix Kroos endlich soweit, dass er die ihm angedachte Führungsrolle auch eindrucksvoll auf den Platz bringt, und zwar über 90 Minuten? Bekommt Abdullahi noch eine Chance, oder setzt Meyer auf Proschwitz, der seinen deutlich jüngeren Kollegen mit einem beherzten Auftritt und Toren auf die Bank schießen könnte? Wird Dornebusch zwischen den Pfosten stehen, oder kommen alt-bewährte Recken zum Einsatz? Und last but not least, wer wird für Kijewski auf der linken Seite für Defensivqualitäten ins Rennen geschickt? Man darf gespannt sein, ob sich Trainer Meyer schon bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in die Karten schauen lässt?

Samstag gegen 14.50 Uhr werden wir alle Antworten kennen.

 

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