Wer im vergangenen Winter mit der überraschenden Verpflichtung von „Star“-Trainer André Schubert geglaubt hatte, das Eintracht-Schiff sei wieder auf Kurs, der muss sich jetzt (leider), einen Tag vor Saisonstart, eines Besseren belehren lassen. Am Sonntag vor Trainingsstart meldete Eintracht Braunschweig in einer offiziellen Presseinfo, dass André Schubert mit sofortiger Wirkung nicht mehr Trainer sei. Nur einen Tag später schon meldet der Klub, dass der bisherige Co-Trainer Christian Flüthmann neuer Cheftrainer sei und Peter Vollmann der neue Sportdirektor. Da darf man durchaus einmal genauer hinschauen.
Eine Woche zuvor hatte es noch aus Schuberts Mund geheißen, dass von Trennung keine Rede sein könne. Doch zu diesem Zeitpunkt muss es längst hinter den Kulissen gequalmt haben. Denn von Vereinsseite war Vergleichbares nicht zu vernehmen. Sebastian Ebel schwieg, weil er wohl schon intensiv an Alternativen gebastelt hat. Woran es wirklich lag, das wird üblicherweise nicht in die Öffentlichkeit getragen. Dafür kann man, muss man aber nicht Verständnis haben.

Schlechter Führungsstil?

Schon seit geraumer Zeit wurde kolportiert, Schuberts Führungsstil ließe – freundlich ausgedrückt – zu wünschen übrig. Von vielen unzufriedenen Spielern war die Rede. Sehr wahrscheinlich ist das jedoch nicht. Schließlich haben die Spieler unter Schubert Erfolge eingefahren, die ja auch Auswirkungen auf den Wert eines jeden Akteurs haben. Und das nur „Unternehmen“ erfolgreich sind, in denen das Team seinen Chef liebt, daran glaubt wahrscheinlich eh kaum jemand.

Der Trainer eines Profi-Klubs ist in so einer Struktur der einsame Wolf. Läuft’s, lag es nicht an ihm allein, läuft es nicht, ist er gewöhnlich der einzige, der gehen muss. So ist nachvollziehbar, dass Trainer „ihr Ding“ machen. Der eine versucht es kooperativ, ein anderer vielleicht autoritär. 

Wenn es nun an solchen Eigenschaften gelegen haben soll, muss sich Eintracht die Frage gefallen lassen, warum man sich nicht vor der Vertragsunterzeichnung (Vertrag lief bis Sommer 2021) vergewissert hat, in welche Schublade André Schubert gehört? Und wie gesagt, vor Wochenfrist sah alles noch rosig aus.

Wer war es denn nun?

Und wer war nun verantwortlich bei den Spielerverpflichtungen? Gleichklingende Infos machen nicht die Runde. Mal war es der Schubert, mal der der Neue und dann ist da ja auch noch Tobias Rau. Nur von Sebastian Ebel ist nichts zu vernehmen. Schade eigentlich, ist es doch Aufgabe des Kapitäns, dafür zu sorgen, das jeder auf dem „Schiff“ seine Aufgaben kennt.

Dass nur kurze Zeit nach Schuberts Abgang mit Nils Rütten ein talentierter Nachwuchsspieler seinen Abschied vom Profifußball verkündet, kann Zufall sein. Aber eben auch nicht. Schließlich kam Rütten durch Schubert an die Oker. 

Und wie im vergangenen Jahr auch, so ist auch diesmal wieder keine Zeit für die Analyse von Prozessen. Es wirkt, als hieße die Devise, Augen zu und ab durch die Mitte. Der nette Pedersen musste weg, der taffe Schubert kam und jetzt soll wieder ein Netter ans Ruder. 

Keine nachhaltige Politik

Es bleibt also mal wieder nicht anderes übrig, als sich zu grämen, dass es dem Klub offensichtlich nicht gelingt, eine nachhaltige Politik zu betreiben. Bar aller Fakten bleibt dem Anhang nur zu hoffen, dass das Gefüge nicht wieder wie 2018/19 gestört wird, und die Eintracht deswegen den Punkten hinterherläuft. So etwas kann Aufstiegsambitionen durchaus nachhaltig dämpfen.

Dem Klub fehlt offensichtlich eine Führung mit Fortune. Und mit dem 61-jährigen Peter Vollmann setzt sich jetzt eine Person auf den Stuhl des Sportdirektors, der zwar definitiv Sachverstand besitzt, für eine moderne Zukunft steht der zuletzt beim VfR Aalen als Trainer aktive Fußballehrer (2015 bis 2018) jedoch kaum. Bei Christian Flüthmann ist das anders. Doch dem fehlt – wie eben auch Pedersen – die Erfahrung als Cheftrainer.

Mittlerweile sehnen zahlreiche Fans den Abgang von Sebastian Ebel herbei. Bei Lieberknecht hat der Manager bereits den rechten Zeitpunkt verpasst, bei Pedersen den falschen Managern vertraut und den Erfolgstrainer Schubert konnte er nicht halten. Erfolg sieht anders aus. 

Bleibt nur zu hoffen, dass die neuen Spieler sich nicht jetzt schon grämen, sich für Braunschweig entschieden zu haben.

 

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