Zum Abschluss des 14. Spieltages der 3. Liga mussten die Löwen aus Braunschweig zum Tabellenvorletzten Preußen Münster. Vom Papier her eine klare Angelegenheit. Doch auf dem Rasen war beim 1:1 kein Unterschied zu erkennen. Und die Eintracht B konnte am Ende glücklich sein, immerhin einen Punkt mitgenommen zu haben. Denn die spielerisch bessere Mannschaft waren die Platzherren, die  nunmehr seit elf Spielen keinen Dreier mehr eingefahren haben. Bedanken können sich die Niedersachsen bei ihrem Verteidiger Benjamin Kessel, der in der 57. Minute einen hohen Ball instinktiv volley nahm und den Ball zur überraschenden Führung im Preußen-Tor versenkte.

6.813 Zuschauer, davon rund 550 aus Braunschweig, waren voller Erwartung. Die jedoch nicht erfüllt wurden. Die Partie war umkämpft, ein spielerischer Leckerbissen war sie jedoch nicht. Christian Flüthmann hatte sich für das Spiel eine Umstellung ausgedacht. Marc Pfitzner rückte ins Zentrum der 5er-Abwehrreihe. Kessel und Kijewski rückten im Vorwärtsgang auf und im Mittelfeld sollten Wiebe, Kobylanski und Kammerbauer für ein Übergewicht sorgen, während Putaro und Ademi im Sturm die Tore erzielen sollten.

Feuerwerk auf den Rängen

Doch für die ersten Ausrufungszeichen sorgten andere. Zuerst die Platzherren, die bereits in der ersten Minute hätten in Führung hätten gehen können, letztlich aber nicht kaltschnäuzig genug agierten. In der 2. Minute waren es dann die Braunschweiger Fans, die Farbe ins Spiel brachten – und zwar mit einem vorgezogenen Silvester-Feuerwerk. Für zwei Minuten unterbrach Schiedsrichter Patrick Alt die Partie.

Im Anschluss war die Eintracht am Drücker und bestimmte das Geschehen. In der 7. Minute konnte Ademi ein Kessel-Zuspiel nicht verwerten, in der 13. war der  Braunschweiger Angreifer erneut nicht zielstrebig genug. Das war es mit der Braunschweiger „Herrlichkeit“.

Ab der 19. Minute gab es nur noch Chancen der Platzherren zu bestaunen. Viermal hatten die Preußen die Führung auf dem Fuß, scheiterten aber an Bangsow im Tor der Löwen, der für Fejzic auflaufen musste, der sich beim Aufwärmen verletzt hatte.

Viel Kampf, wenig Glanz

Bis zur Halbzeitpause war es eine Begegnung mit viel Kampf und noch mehr Krampf. Eintracht versuchte mit langen Bällen auf Ademi zum Erfolg zu kommen, der die Bälle zwar sehenswert annahm und verteidigte, dann aber mangels sich anbietender Anspielstationen ein ums andere Mal an rustikal agierenden Münsteraner Abwehrbeinen scheiterte. Da hätte der Schiedsrichter gern auch einmal ein genaueres Auge werfen dürfen.

Bei nass-kalten Bedingungen waren die Zuschauer nach 47. Minuten froh, sich wenigstens einmal mit einen Heißgetränk erwärmen zu können. Die Mannschaften auf dem Rasen hatten dazu außer der attraktiven Anfangsphase nicht beizutragen.

Tor des Monats durch Kessel

Beide Teams kamen ohne Wechsel aus der Kabine. Doch in der 56. Minute hatte Trainer Flüthmann von Kammerbauer genug gesehen, beziehungsweise zu wenig. Für ihn durfte Yari Otto ran. Und dann der „magic moment“. Die Preußenabwehr schlug den Ball weit heraus in die eigene Hälfte. Am Ende der Flugbahn stand Benjamin Kessel und drosch den Ball volley aus 26 Metern ins lange Eck. Unhaltbar und definitiv ein Kandidat für das Tor des Monats. Münster war getroffen! Ins Herz!

Die Partie im Folgenden auf noch schwächerem Niveau als in Durchgang eins. Aber man muss beiden Mannschaften auch zugute halten, dass die Platzbedingungen einem sehenswerten Spiel frontal im Wege standen. Nennenswertes aus Braunschweiger Sicht erst wieder in der 86. Minute, als Putaro naiv das 0:2 verdaddelte. Für den Gastgeber eine Weckschuss. Der besann sich zumindest wieder auf seine kämpferischen Qualitäten. Denn spielerische waren auch hier Mangelware. Gleich zweimal musste Bangsow im Tor der Eintracht sein ganzes Können aufbieten, um die Führung zu verteidigen.

Münster gleicht aus

In der 86. Minute reíchte aber auch der gut aufgelegte Torwart nicht mehr aus. Der eingewechselte Dardashov steckte den Ball zu Mörschel durch, der ihn durch die Beine des Braunschweiger Keepers spitzelte. Da war die Löwenabwehr nicht im Bilde. Für die restlichen acht hektischen Minuten ging es für Blau-Gelb nur noch darum, den einen Punkt zu verteidigen.

Eintrachts Krise ist noch nicht überwunden. Der Sieg gegen die extrem ersatzgeschwächten Aspacher schönt die Bilanz der vergangenen acht Spiele. Drei Niederlagen und vier Unentschieden verdeutlichen, dass es den Löwen aktuell an Mitteln fehlt, Spiele für sich zu entscheiden.

Das liegt vor allem daran, dass die Offensivaktivitäten die Bezeichnung Sturm nicht rechtfertigen. Keine genauen Flanken, keine Doppelpässe, keine zwingenden Kombinationen. Lange Bälle auf Proschwitz oder Ademi sind kaum die rechten Mittel, kampfstarke Abwehr-Recken in Angst und Schrecken zu versetzen. Denn die Gegner in der 3. Liga haben längst erkannt, dass die Löwen den Schwung der ersten sieben Spiele nicht konservieren konnten. 

Aber es ist auch erstaunlich, dass Blau-Gelb sich all zu oft zu passiv verhält. In Münster hätte man den Preußen durch frühes Attackieren wahrscheinlich den Schneid abkaufen können. Das Zurückziehen in die Tiefe der eigenen Hälfte begünstigte aber die Aktivitäten des Tabellenvorletzten. Enttäuschte Fans auf den Rängen skandierten, die Eintracht bettele geradezu um ein Gegentor. 

Die von Trainer Flüthmann geforderte positive Reaktion der Mannnschaft auf die Niederlage gegen Ingolstadt war das wahrlich noch nicht. Auch wenn das Benjamin Kessel und Christian Flüthmann anders sehen.

Für Eintracht stehen nach der Länderspielpause zwei Heimspiele gegen Zwickau und Chemnitz auf dem Programm. Da bleibt derzeit nur die Hoffnung, dass die Mannschaft die Pause nutzt, um sich intensiv damit zu beschäftigen, Maßnahmen zu entwickeln, wie ums Überleben in Liga 3 kämpfende Teams bezwungen werden können. Das beste Mittel gegen Krisen sind Tore.

Stimmen zum Spiel:

Die Pressekonferenz:


Benjamin Kessel:


Yannick Bangsow:


Trainer Christian Flüthmann im Interview nach der Pressekonferenz:

 

Testplatzierung: