Gut drei Wochen ist Eintracht Braunschweig unter seinem neuen Trainer Daniel Meyer in der Vorbereitung auf die Zweitliga-Saison 2020/21. Im vierten Testspiel gegen Drittligist FC Hansa Rostock kassierten die Löwen die zweite Niederlage. Beim 0:1 gegen die Kogge ließen die Blau-Gelben noch viel von dem vermissen, was sie wohl für den Klassenerhalt im Fußball-Unterhaus benötigen. Zwei Tore in vier Spielen machen schon in der Vorbereitung deutlich, woran es den Niedersachsen vor allem fehlt – an Torgefahr. Damit ist auch das dritte Spiel in Folge gegen Hansa verloren gegangen. Ein neuer Angstgegner?

Vor dem Spiel war aus dem Umfeld der Mannschaft zu vernehmen, dass man nun einen Schritt voran erkennen müsse. Doch davon war nur in Ansätzen etwas zu erkennen. Unter dem Strich blieb Eintracht zu viel schuldig. Daniel Meyer und sein Team dürften erkannt haben, dass der Weg hin zu einem schlagkräftigen Team noch lang ist.

Nicht mit von der Partie war Martin Kobylanski, der am Samstag heiratete und deswegen freigestellt war. Nicht einmal auf der Bank Abdullahi. Überraschend dabei waren ab 390 Zuschauer, die sich mit Abstand und Mundschutz auf den Wegen auf der Haupttribüne verteilten und zumindest zu Spielbeginn „mächtig“ Dampf machten. Für einen kurzen Augenblick fühlte es sich an wie früher. Doch zum Spiel.

Erste Fans auf der Tribüne im Eintracht-Stadion
390 Fans durften zum Vorbereitungsspiel der Eintracht gegen Hansa Rostock. Foto: Susanne Hübner

Laut Daniel Meyer durfte jeder die Aufstellung schon einmal als Hinweis nehmen, wie es dann am am Freitag, den 11. September um 20.45 Uhr losgehen könnte. Dann empfangen die Löwen in der ersten Runde des DFB-Pokals Erstligist Hertha BSC Berlin.

Nur zwei Neue auf dem Feld

Im Tor startete Jasmin Fejzic, die Dreier-Abwehrreihe bildeten Robin Ziegele auf der linken Position, Felix Burmeister auf der rechten und Dominik Wydra in der Mitte. In der Fünfer-Mittelfeldreihe begannen Nico Kijewski links, Danilo Wiebe rechts, Jannis Nikolaou übernahm die 6er-Position, Patrick Kammerbauer und Leon Bürger  zentral. Im Sturm sollten Marcel Bär und Neuzugang Fabio Kaufmann für Druck auf das Kogge-Tor sorgen. Damit standen gerade einmal zwei neue Spieler auf dem Rasen.

Hansa Rostock, dass den Aufstieg in die 2. Liga knapp verfehlt hat, steht in der neuen Saison unter Druck. Trainer Jens Härtel soll, ja muss den Aufstieg schaffen. Neun Akteure haben in die Hansestadt gewechselt. Und ein Ex-Löwe weilt auch im Kader – Nic Omladic. Der kam allerdings nicht zum Einsatz, da er sich nach einer langwierigen Verletzung noch im Aufbautraining befindet und wahrscheinlich auch beim Saisonauftakt noch fehlen wird.

Beide Mannschaften starteten konzentriert. Die Gäste von der Ostsee machten aber gleich deutlich, dass sie nicht gekommen waren, um nur einmal zu schauen, ob es in der ehemaligen Hansestadt Braunschweig etwas zu holen sein könnte. Doch die erste Möglichkeit buchten die Gastgeber für sich. Bär zog aus elf Metern Distanz einfach einmal knackig ab und zwang Keeper Voll so zu einer Glanztat.

Ab der 18. Minute legten die Gäste zu. Eine Bogenflanke von Scherff konnte Fejzic im Rückwärtsgang gerade noch auf der Linie festhalten. Ein Schritt weiter und es wäre geschehen gewesen.

Auf der anderen Seite waren es immer Einzelaktionen, die für Gefahr sorgten.  In der 32. Minute behauptete sich Kaufmann und flankte flach und stramm auf das lange Ecke. Leider kam Bär einen Schritt zu spät.

Zu wenig Druck der Eintracht

Immer, wenn die Eintracht Druck ausübte, war zu erkennen, dass die Hansa-Kogge ins Schaukeln geriet. Doch von diesem Mittel machten die Löwen letztlich zu selten Gebrauch. Mit lange Bälle in die Spitze zu Bär oder Kaufmann war der sicheren Hansa-Abwehr nicht beizukommen. Und dann passiert im Fußball das, was jeder befürchtet – eine Aktion nicht aufgepasst und schon hat es an der Tür geklingelt und einer ist reingegangen.

Bentley Baxter Bahn zirkelte einen Freistoß passgenau auf den Kopf von Verhoek, der den Ball nur noch ins lange Eck verlängern musste – 0:1. Mit diesem Spielstand zogen die Mannschaften in ihre Kabinen.

Zweifelsohne haben die Zuschauer gute Ansätze beiden Löwen gesehen. Doch davon kann man sich im Profifußball nichts kaufen. Schon gar nicht als Aufsteiger in der 2. Liga. Aber noch war ja eine Halbzeit zu spielen und die Hoffnung groß, dass es besser werden würde.

Wurde es auch. Doch erst einmal zu den Wechseln. Für Burmeister, Bürger und Fejzic kamen Felix Dornebusch, Manuel Schwenk und Michael Schultz. Schnell wurde allerdings deutlich, dass es mit der erhofften Überlegenheit des Klassenhöheren nichts werden würde. Das Spiel der Gäste durch die Bank gefälliger, phasenweise lief der Ball sicher durch deren Reihen, ohne dass ein Löwe auch nur in die Nähe des Balls gekommen wäre. In der 58. Minute durfte sich Blau-Gelb glücklich schätzen, dass Erik Engelhardt nur die Latte traf.

Das gefiel auch der Eintracht nicht. Als in der 60. Minute Kessel und Yassin Ben Balla auf das Feld kamen wirkte die Eintracht hellwach. Wiebe und Kammerbauer mussten für die beiden das Feld räumen.

Beste Phase des Spiels

Jetzt begann die mit Abstand aufregendste Phase des Spiels. In der 61. Minute verfehlte Bär mit einem gekonnten Heber das Tor. Im Gegenzug musste sich Dornebusch strecken, um einen Schulz-Schuss zu entschärfen. Wieder quasi im Gegenzug bediente Kaufmann Bär, der die 100-prozentige Chance jedoch nicht verwerten konnte. In der 63. Minute sah Bär seinen Mannschaftskameraden Kijewski am langen Pfosten stehen, flankte gefühlvoll, musste dann aber mit ansehen, wie Kijewski den Ball suboptimal traf. Als dann in der 66. Minute auch noch Schwenks Schuss abgefälscht wurde, schwante vielen bereits, dass es wohl an diesem Tage nichts werde würde mit einem Braunschweiger Tor.

Nur gut, dass es Hansa nicht besser machte in dieser durchaus attraktiven, spannenden Phase. Breier verfehlte in der 70. Minute das Braunschweiger Tor. Sein Kopfball hätte eigentlich das 0:2 sein müssen. Kurz zuvor waren Nick Proschwitz und Iba May für Kaufmann und Nikolaou gekommen. Einfluss auf das Spiel hatte diese Maßnahme nicht. Auch nicht der abschließende 3-fach-Wechsel. Für Ziegele, Kijewski und Bär kamen Lasse Schlüter, Yari Otto und Njegos Kupusovic.

Am Ende blieb es bei dem doch enttäuschenden 0:1. Und den offenen Fragen, wo die Eintracht wirklich steht. Wäre das diesmal gezeigte Leistungsvermögen quasi schon das Ende der Fahnenstange, dann darf jedem angst und bange um den Klassenerhalt werden. Im Grunde war bis auf einzelne Spielzüge nichts besseres zu sehen als das, was schon unter Trainer Antwerpen wenig zu begeistern wusste.

Diese Mannschaft ist noch keine

Den Akteuren waren das Bemühen definitiv nicht abzusprechen, doch von einer mannschaftlichen Geschlossenheit, in der, wie sagte es Bayerns Kimmich so schön, jeder sich den A… aufreißt, um Fehler eines anderen auszubügeln, war nichts zu spüren. Sicherlich darf man auch nicht vergessen, dass mit Techniker und Standard-Spezialist Martin Kobylanski eine tragende Figur fehlte. Und mit Souleiman Abdullahi ein erstligaerfahrener Stürmer. Doch heißt es nicht auch richtig, eine Schwalbe mache noch keinen Sommer?

Daniel Meyer reckt verzweifelt die Arme in die Höhe
Auch Eintracht-Trainer Daniel Meyer war offensichtlich nicht immer einverstanden mit den Leistungen seiner Löwen-Bande. Foto: Susanne Hübner

Schön wäre es übrigens auch, wenn die Eintracht auch einmal wieder von außen für Gefahr sorgen könnte. Durch schnelle Leute, denen es abschließend auch gelingt, eine Flanke so zu platzieren, dass der Löwe in der Mitte ohne besondere Mühe Beute machen kann.

Natürlich sind Testspielergebnisse nicht sonderlich wichtig. Solche Spiele sind ja gerade dafür da, zu erkennen, woran es noch hapert. So gesehen, haben die Löwen noch zwei Wochen Zeit zu lernen. Im Grunde sogar drei. Denn den Druck auf die Mannschaft durch einen gewünschten Sieg gegen einen Erstligisten zu erhöhen, könnte sich in der Folgezeit als fatal erweisen.

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