Schön anzusehen sind die Spiele der Braunschweiger Eintracht nicht, aber sie enden erfolgreich. Auch am 34. Spieltag der 3. Liga. Das Heimspiel gegen die abstiegsbedrohten Preußen aus Münster endete mit einem überaus glücklichem 1:0-Erfolg der Löwen, die damit ihre Aufstiegsambitionen untermauerten. Den Treffer erzielte der Ex-Münsteraner Martin Kobylanski bereits in der 2. Minute. Eintracht damit Tabellenzweiter hinter Bayern München II, die in quasi letzter Sekunde noch den Ausgleich in Magdeburg schafften und so Eintracht die Tabellenführung noch stibitzte. Allerdings kann Eintracht diesen Platz an diesem Spieltag nicht mehr verlieren.

Diesmal änderte Löwen-Coach Antwerpen sein Team nur auf sechs Positionen. Burmeister, Becker, Kessel, Nehrig, Bär und Kammerbauer beginnen. Feigenspan fehlt verletzt, Nkansah und Pfitzner auf der Bank, Wiebe, Putaro und Fürstner nicht im Kader. Und Blau-Gelb startet furios. Die von Stadionsprecher Stefan Lindstedt gemeldeten 28.000 Zuschauer im Stadion waren noch gar nicht richtig konzentriert, da hatte es schon geklingelt. Kobylanski zu Bär, Bär zu Kobylanski, drin war die Kugel (2. Spielminute).

So hätte es weiter gehen können. Dreimal hatte Eintracht nach der Führung das 2:0 auf dem Fuß, doch es sollte nicht sein. Die Gastgeber variabel, schnellfüßig und bis in die Haarspitzen motiviert. Leider aber eben nur bis zur 13. Minute. Dann kam Preußen besser ins Spiel und die Löwen ins Schwitzen.

Münster am Verzweifeln

Litka und Rossipal scheiterten in der 15. Minute an dem herausragenden Engelhardt im Tor. Einmal gelingt es ihm, den Ball noch an den Pfosten zu lenken, den Nachschuss hatte er dann sicher. Jetzt waren die Gäste warm und übernahmen mehr und mehr die Spielkontrolle. Vor allem der flinke Cueto forderte der Braunschweiger Defensive alles ab. Nur gut, das Braunschweigs Zerberus erneut ein unüberwindbares Hindernis darstellte.

Nach 31 Minuten dann mal wieder die Löwen. Allerdings stellte der 18-Meter-Schuss von Biankadi Münsters Keeper Schulze-Niehus vor keine Probleme. Und nach einer herrlichen Balleroberung im Mittelfeld „versemmelte“ Biankadi die nächste Chance.

Die Gäste machten es aber nicht besser. In der 40. Minute verfehlte Mörschel das Tor nur knapp, wenig später ereilte Litka das gleiche Schicksal und in der 46. rettet Engelhardt vor dem agilen Cueto.

Immer wieder forderte Antwerpen von seinen Spielern lautstark, ihre Aufgaben zu meistern, in die Räume zu gehen oder früh anzulaufen. Zusätzlich machte sich bemerkbar, dass Nehrig diesmal nicht wie zuletzt im Zentrum der Abwehrreihe agierte, was aber wohl einer kleinen Blessur geschuldet war. Doch alles Rufen fruchtete wenig. Denn hören wollten die Löwen irgendwie nicht. So ging es zwar verdient, aber letztlich auch schon ein wenig glücklich in die Halbzeitpause.

Pfitzner für Nehrig

Mit dem Seitenwechsel kam Pfitzner für Nehrig, am Spiel des Aufstiegsaspiranten änderte das jedoch nichts. Wie in den vergangenen Spielen auch, kämpfte Blau-Gelb vorbildlich, brachte aber keine nennenswerten Offensivaktionen mehr auf das Feld. Preußen Münster konnte davon aber nicht profitieren. Der Rückstand zehrte. Zwar drückte die Mannschaft, wirklich gefährlich wurde es aber für Braunschweig nur noch einmal. In der 74. Minute rettete Engelhardt erneut mit einer super-tollen Reaktion vor dem eingewechselten Özcan.

Kurz vorher war Yari Otto für Kobylanski gekommen, und wenig später Schwenk und Proschwitz für Pourié und Becker sowie Nkansah für den diesmal recht schwachen Biankadi. So zeigte Antwerpen eindeutig, dass er der Defensivarbeit mehr Bedeutung zusprach. Was gut, aber nicht nötig war. Denn Münster versuchte es zwar mit der Brechstange, scheiterte aber an der aufopferungsvoll fightenden Braunschweiger Mannschaft.

„Koby“ unverzichtbar

Es ist schon beachtlich, wie Eintracht derzeit die Punkte im wahrsten Sinne des Wortes hamstert. In den zweiten Durchgängen beweist die Antwerpen-Truppe beachtliches Stehvermögen und Glück, wenn es um das Verteidigen geht. Warum die Eintracht spielerisch den Taktstock nicht in die Hand nehmen kann, dürfte schlicht und ergreifend vor allem daran liegen, dass bei Kobylanski, der ja bisher alle Spiele nach dem Restart

Antwerpen und Kobylanski im kurzen Small-Talk
Martin Kobylanski (r.) ist Marco Antwerpens wichtigstes „Pferd im Stall“. Auch gegen Münster traf der Filigran-Techniker.                                 Fotos: Fotoagentur Susanne Hübner

bestreiten musste, der Akku leer zu sein scheint. Und nach ihm klafft ein großes Loch im kreativen Teil des Kaders.

Noch vier Spiele müssen die Löwen durchhalten und sich an die Erkenntnis klammern, dass sie keinesfalls schlechter sind als alle anderen Mannschaften da oben in Liga 3. Nicht die Absteiger Duisburg und Ingolstadt, nicht der bärenstarke Aufsteiger Mannheim und auch nicht Würzburg und Rostock sind in der Lage, sich abzusetzen. Und auf dem Zahnfleisch gehen die auch.

Noch vier Partien

Es wird also im Endspurt darauf ankommen, die letzten Körner zu aktivieren, die Zähne zusammen zu beißen und sich gegenseitig zu unterstützen. Spielerische Highlights tauchen bestenfalls als Blitzlichter auf. Doch am Ende könnte der Aufstieg stehen. Und der ist für Braunschweig ökonomisch betrachtet, zwingend geboten.

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Am Dienstag (23. Juni, 19 Uhr) treten die Braunschweiger beim Chemnitzer FC an. Der ist nach der überraschend klaren 0:3-Niederlage gegen Würzburg von argen Abstiegssorgen geplagt wird. Am Samstag dann (27.6., 14 Uhr) steht für die Eintracht ein weiteres Auswärtsspiel auf dem Programm, in Zwickau. Eben jene Mannschaft, die unbedingt noch den Platz mit Chemnitz tauschen möchte.

Zwei Spiele, die es zu überstehen gilt vor dem Saisonausklang zuhause gegen Mannheim und auswärts in Meppen. Am Besten ohne Gelbe Karten. Denn mit Becker, Kessel, Kobylanski, Otto, Burmeister und Pfitzner sind gleich sechs Akteure bedroht, aussetzen zu müssen. Und wann Feigenspan und Goden wieder völlig fit zur Verfügung stehen, ist aktuell ungewiss. In diesem Sinne brauchen die Löwen seelischen Beistand ihrer Fans. Die könnten zeigen, dass diese Stadt, diese Region hinter ihnen steht. Vielleicht mit Fahnen, Flaggen oder anderen blau-gelben Utensilien. Aus Fenstern, an Autos oder durch Schals. Jeder weiß doch, ein Wille kann Berge versetzen.

Trainer-Stimmen zum Spiel

Sascha Hildmann, Preußen Münster: Ja, wir sind früh erwischt worden, sind dann aber besser ins Spiel gekommen. Doch unser Aufwand wurde nicht belohnt.

Marco Antwerpen, Eintr. Braunschweig: Wir sind gut reingekommen ins Spiel und haben nach der frühen Führung drei, vier gute Situationen liegen gelassen. Das darf nicht passieren, darüber müssen wir reden. Wir haben dann Probleme mit dem Zugriff gehabt, können uns aber beim Torwart bedanken. In der 2. Halbzeit haben wir keinen Zug mehr entwickelt, keine gefährlichen Aktionen mehr hinbekommen, aber wieder alles weg verteidigt.

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