Das war ein hartes Stück Arbeit für die Löwen aus Braunschweig. Am 29. Spieltag der 3. Liga holte die Eintracht beim 0:1 in Halle ihren ersten Auswärtserfolg in 2020. Torschütze war der in der Hinrunde so gescholtene Innenverteidiger Steffen Nkansah. Braunschweig rückt einen Platz auf, ist jetzt Tabellenfünfter und nur noch einen Punkt hinter Spitzenreiter Duisburg. Der MSV musste sich gegen Schlusslicht Jena mit einem Unentschieden zufrieden geben.

Eintracht-Coach Marco Antwerpen wartete mit einer faustdicken Überraschung auf. Im Vergleich zum Auftakt gegen Viktoria Köln wechselte er gleich auf acht Positionen. Im Tor für den verletzten Fejzic Marcel Engelhardt, in der Abwehrreihe Schlüter, Nkansah und Wiebe und Pfitzner. Davor Routinier Fürstner. Im Mittelfeld liefen Putaro, Bär, Kobylanski und Biankadi auf. Einziger echter Stürmer Pourié. Eine taktische Maßnahme, die aufging.

Eintracht von Beginn an spielbestimmend, aber in der letzten Konsequenz zu ungenau. Nach 12 Minuten konnte sich Halle etwas befreien und hatte in der 18. Minute die erste Chance des Spiels. Boyd verfehlte eine Lindenhahn-Flanke nur knapp. Genau in dieser Phase hätten die Löwen einen Elfmeter bekommen müssen, doch der insgesamt sehr schwache Schiedsrichter Koslowski ahndete ein Handspiel von Hansch nicht.

Nkansah trifft zur Führung

Halle konnte dem sicheren Spiel der Eintracht nur mit körperlichem Einsatz entgegentreten. Auf den Außenpositionen rochierten Schlüter und Bär sowie Biankadi und Putaro. Doch für wirkliche Gefahr reichte die Überlegenheit nicht. So sorgte in der 36. Minute eine Standardsituation für die bis hier völlig verdiente Führung. Eintrachts Supertechniker Kobylanski zirkelte einen Freistoß vorbildlich in den Fünfer, wo Nkansah den Ball nur noch über die Torlinie schieben musste.

Ein Treffer mit Wirkung. Die kleine Sturm-und-Drang-Phase der Platzherren hatte sich erledigt, der Frust beim HFC sicht- und hörbar. So ging es dann in die Halbzeitpause, aus der beide Teams unverändert auf den Platz zurück kehrten.

Eintracht im Verwaltungsmodus

Leider konnten die Gäste aus Niedersachsen nicht an die Leistung der ersten Halbzeit anknüpfen. Was sicherlich erst einmal der taktischen Marschrichtung geschuldet war, Halle die Regie zu überlassen. Und die kamen immer besser ins Spiel.

In der 59. Minute lag der Ausgleich in der Luft. Lindenhahn nutzt eine schwache Abwehrleistung von Putaro, zieht aus 18 Metern ab und trifft aber nur die Latte. Marco Antwerpen spürte, dass die verhaltene Einstellung seiner Elf nicht aus der taktischen Vorgabe entsprang, sondern die Ordnung war dahin. So war der Wechsel von Kessel für Putaro in der 63. Minute eine logische Konsequenz. Fünf Minuten später folgten dann Kammerbauer und Feigenspan für Bär und Kobylanski. Was eher für eine defensivere Grundausrichtung spricht als für erfrischenden Offensiv-Fußball.

Glück für die Löwen

Auch Halles Trainer Atalan reagiert und brachte das Super-Talent Shcherbakovski. Und der setzte in der 72. Minute sein erstes Ausrufezeichen. Atalan schien sicher, das Ergebnis noch wenden zu können. Mit Fetsch und Nietfeld schickte der einstige Landesliga-Spieler gleich zwei klassische Neuner auf das Feld. In der 78. Minute hatte die Eintracht Glück, dass Fetsch das Tor verfehlte.

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Das war auch in der 83. Minute im Spiel. Als Bentley Baxter Bahn einen Freistoß, den Nkansah verursacht hatte, auf May in den Strafraum chipt. Dessen Schuss landete aber am Pfosten. Eine Situation, die Schiedsrichter mit einem Abseitspfiff endgültig beendete.

In der 84. Minute schickte Antwerpen noch Yari Otto auf das Feld. Für ihn musste der nicht überzeugende Biankadi weichen. Otto war es dann in der 86. Minute, der füpr die einzige Chance der Braunschweiger in Durchgang zwei sorgte. Seinen auf das lange Ecke getretener Eckball köpfte Pourié auf das Tor und zwang Halles Keeper Eisele zu einer Glanzparade.

Am Ende wurde es ruppig

Spätestens jetzt war das Spiel kein Spiel mehr, sondern nackter Überlebenskampf des Tabellensechzehnten, der seinen Ansprüchen weiter hinterher läuft. Ruppig, hart, unfair, den Hallensern war alle Mittel recht. Für Routinier May bedeutete das in der 88. Minute nach einem unnötigen Rempler gegen Otto die Rote Karte.

In der Nachspielzeit rettete sich die Eintracht mit Glück über die Runden. Shcherbakovski hatte noch zweimal den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber beide Male am guten Marcel Engelhardt im Löwen-Tor.

Unter dem Strich ist der Erfolg ein glücklicher. Doch wen schert das schon. Fußball ist nun einmal kein Spielfeld für Gerechtigkeitsfanatiker. Ob der achtfache Wechsel bei der Eintracht Standard wird, darf bezweifelt werden. Zwar hat sich die Mannschaft wacker geschlagen, aber in der zweiten Halbzeit hätte die Mannschaft das Spiel anders lesen müssen. Statt des Abwartens hätte mehr Engagement die eine oder ander Situation vorzeitig entschärft. Denn Halle war alles andere als eine spielstarke Mannschaft. Was allerdings Köpereinsatz und Galligkeit betrifft, da hatten die Platzherren eindeutig die Nase vorn.

Am kommenden Samstag (6. Juni, 14 Uhr) kommt es nun in Braunschweig zum Top-Duell Tabellenfünfter gegen Tabellenvierten. Bayern München II hat wie Eintracht 47 Punkte auf dem Konto, aber eine um ein Tor bessere Differenz. Für die Bayern ist der Aufstieg kein Thema, dafür sorgt das Regelwerk. Aber Fußball spielt diese Mannschaft wie kaum eine andere.

Stimmen zum Spiel:

Steffen Nkansah: Ich freue mich natürlich, dass wir gewonnen haben. Das wir hier nicht einfach, aber wir haben die taktische Vorgabe erfüllt, den Gegner machen zu lassen.

Marco Antwerpen: Wir waren gut ein gestellt und haben eine herausragende erste Halbzeit gespielt. Da hatten wir fast schon zu viel Ballbesitz. Ich weiß nicht, aber wir hätten wohl zwei Elfmeter erhalten müssen. So war es gegen starke Hallenser schwierig. Gut, dass wir einen großen Kader haben, wir jedem Spieler eine Rolle geben können. Aber ob das im kommenden Spiel auch wieder acht Veränderungen in der Startelf gibt, kann, muss aber nicht so sein.

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