In einem sehr schwachen Drittligaspiel trennten sich Eintracht Braunschweig und der VfR Aalen 2:2 unentschieden. Die rund 15.000 Zuschauer sahen vor allem in der ersten Halbzeit mehr Krampf als Klasse. Kein Braunschweiger Akteur ließ erkennen, dass er in dieser für die Eintracht so brenzligen Situation Verantwortung übernehmen wollte. Das lag aber keinesfalls an einem fehlenden Willen, es mangelte an im Abstiegskampf notwendigen Tugenden – unbändigem Willen und Mut zur Risikobereitschaft. So dürfte es für die Löwen schwer werden, Anschluss an die Nichtabstiegsplätze herzustellen. 

André Schubert, seit nunmehr sechs Spieltagen Eintracht-Trainer, schickte seine Elf mit vier Änderungen zum Münster-Spiel auf das Feld. Burmeister, Sauerland sowie Janzer und Bulut kamen, Tingager und Putaro nahmen auf der Bank Platz, Valsvik und Canbaz standen nicht einmal im Kader. Auswirkungen auf das Braunschweiger Spiel zeigte die Maßnahme jedoch nicht.

Beiden Mannschaften merkte man bei idealem Fußball-Wetter an, dass sie derzeit nicht unbeschwert aufspielen können. Die Gäste agierten defensiv aus einer 5er-Abwehrreihe, Eintracht suchte sein Heil in einem 3-2-3-2. Dynamik und Spannung wollte da nicht aufkommen. Im Kontext eines 45-minütigen Protestes gegen Montagsspiele verweigerten die Fans der Mannschaft dazu die Unterstützung. Das passte zum Spiel. Kaum durchdachter Spielaufbau, keine Kombinationen, nur Einzelaktionen und Gestochere im Mittelfeld.

Erste Pfiffe machen die Runde

Wie so oft in den vergangenen Wochen brachte sich Eintracht selbst um den Lohn der Arbeit. Eine verunglückte Sauerland-Abwehr landete bei Schorr, der Bär bediente. Der Ex-Braunschweiger hatte keine Mühe mehr, den Ball zur überraschenden Führung einzunetzen (18. Spielminute). Die Fans waren bedient, schon wieder ein Rückstand. Erste Pfiffe machten die Runde.

Das Spiel der Löwen befeuerte das naturgemäß nicht. Dennoch kamen sie zu kleinen Möglichkeiten. Weniger aus eigener Stärke als vielmehr Dank schwacher Gäste, die mit der Führung natürlich zufrieden waren und es im Folgenden der Eintracht überließen, das Spiel zu machen. In der 20. Minute hatte Bulut Pech. Sein Schuss wehrte die Gäste-Abwehr ab, in der 27. versuchte sich Janzer erfolglos mit einem Fallrückzieher, und in der 33. Minute nahm Kijewski sein Herz in die Hand und drosch den Ball aus rund 30 Metern auf das Aalener Tor.

Harmlose Standards

In dem musste sich Bernhardt mächtig strecken, um den Ausgleich zu verhindern. Die folgende Ecke brachte nichts ein. Auch so ein Manko der Braunschweiger. Standardsituationen bringen den Gegner nur selten in Gefahr. Das Spiel der Löwen zu statisch und zu breit angelegt. Schnelles Umschaltspiel war an diesem Nachmittag höchstens ein Fall für „Bares für Rares“.

In der 38. Minute stockte den Löwen-Fans erneut der Atem. Erst in letzter Sekunde gelang es Becker, den quirligen, mit allen Wassern gewaschenen, Morys zu bremsen. So ging es mit einem lauten Pfeiffkonzert in die Kabinen. Sehr wohl verständlich, aber dennoch auch enttäuschend. Rühmen sich doch die Eintracht-Fans einzigartig zu sein und ihrer Mannschaft stets vorbehaltlos zur Seite zu stehen. Davon war in den ersten 45 Minuten weder zu hören noch zu sehen.

Die Fans melden sich zurück

Ohne Wechsel kamen die Löwen vom Pausentee zurück. Gästetrainer Giannikis hatte seiner Mannschaft offensichtlich eingebläut, sich hinten zu verbarrikadieren, um den drohenden Sturmlauf der Eintracht abzuwehren. Und der kam. Sogar von den Rängen, wo sich Block 9 laut zurückmeldete.

Link zu den Bundesliga-Tabellen
Zu den Bundesliga-Tabellen

Allerdings waren die Aktionen der Platzherren wenig geeignet, den Abwehrriegel spielerisch zu knacken. Zwar ackerten vor allem Nymann und Bulut wie von der Tarantel gestochen, doch wirklich zwingend war das blau-gelbe Spiel selten. Da musste erst eine unübersichtliche Situation helfen. Einen Kijewski-Freistoß stocherte Becker irgendwie ins Tor (60.).

Nyman trifft zur 2:1-Führung

Jetzt spielte nur noch Eintracht. Angetrieben von Sauerland, Bürger und Fürstner. Aalen konzentrierte sich scheinbar darauf, das Unentschieden über die Zeit zu retten. Als Nyman in der 83. Minute einen Sauerland-Pass technisch gekonnt verarbeitete und über Torwart Bernhardt zur Führung ins Tor zirkelte, kannte der Jubel keine Grenzen. Befreiung auf allen Plätzen.

Nun mussten die Gäste reagieren. Und das taten sie. Urplötzlich verlagerte sich das Spiel wieder in die Braunschweiger Hälfte. Lange warten brauchten die 150 Aalener Fans nicht. Schon vier Minuten später landete eine Kopfball-Abwehr von Kijewski vor den Füßen von Bär, dessen strammer Schuss von Nkansah abgefälscht zum Ausgleich im Braunschweiger Tor landete. Schon war es mit der Befreiung wieder vorbei und pure Enttäuschung machte sich breit.

Schwache Aalener

Die Einwechselungen von Hofmann für Bürger (87.) und Amundsen für Burmeister (90.) kamen zu spät, um noch Wirkung erzielen zu können. So blieb nur noch die Erkenntnis, ein entscheidendes Spiel aus der Hand gegeben zu haben. Gegen einen Gegner, der in Braunschweig einen Fußball zeigte, der weder attraktiv noch Furcht einflößend war. Eintracht Braunschweig ist weit davon entfernt, dem erklärten Saisonziel, Wiederaufstieg, entsprechen zu können. Die Gründe dafür sind hinlänglich diskutiert worden.

Leere Ränge beim Spiel der Eintracht gegen Aalen
Leere Ränge beim Spiel der Eintracht gegen Aalen

Erstaunlich nur, dass einige Verantwortliche immer noch gute Ansätze erkannt und ein gutes Spiel gesehen haben. So wie Dennis Kruppke im Halbzeit-Interview bei Magenta-Sport zum Besten gab. Für Ansätze kann man sich nichts kaufen. Zehn Punkte nach 17 Spielen und am nächsten Samstag (14 Uhr, Eintracht-Stadion) gegen den Tabellenvierten Halle, beim Löwen-Anhang ist kaum noch Optimismus vorhanden. Gut möglich, dass der Zuschauer-Minusrekord von heute in acht Tagen überboten wird.

40 Punkte dürften notwendig sein, um den Abstieg zu vermeiden. Gegen wen, wenn nicht gegen direkte Abstiegskandidaten, sollen die fehlenden 30 Punkte geholt werden?

Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Aalen
Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Aalen
Die Trainer in der Pressekonferenz: