Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig mangelt es an Cleverness und Kühle. Nach einer überraschend guten ersten Halbzeit unterlagen die Löwen einem alles andere als herausragenden Erzgebirge Aue verdient mit 1:3. Die Gastgeber einfach effizienter, zielstrebiger und cleverer. Sie nutzten die erneut haarsträubenden Fehler der Eintracht-Defensive eiskalt aus. Dabei hatten die Gäste noch Glück, dass Torhüter Fejzic Schlimmeres verhinderte.

Eintracht-Trainer Meyer hatte sich für die heimstarken Auer eine veränderte Taktik ausgedacht. Mit dem grundsoliden 4-4-2-System war erst einmal festgelegt, dass die Löwen auf hohes Attackieren verzichten wollten, um den pressing-resistenten Auern nicht ins Messer zu laufen. Eine Rechnung, die erst einmal aufging.

Wiebe verletzt, Kobylanski auf der Bank

Wiebe fehlte verletzt, Kobylanski aus eben diesen strategischen Erwägungen und Abdullahi passte da eh nicht rein. Die Löwen agierten in der ersten Viertelstunde, als wären sie Tabellenführer. Der Ball lief sicher und kontrolliert durch die Reihen und genau in die Richtung, auf die es im Fussball ankommt – Richtung gegnerisches Tor. In der fünften und in der neunten Spielminute  kamen die Gäste so bereits zu ersten Mini-Gelegenheiten. Doch beide Male erwischte Proschwitz den Ball nicht richtig oder kam einen Schritt zu spät.

Aue fand schlicht und ergreifend nicht statt. Da war es nur konsequent, dass Eintracht durch Proschwitz, Schlüter und Kaufmann den sehenswertesten Spielzug der Partie zur Führung nutzten. Eine Tatsache, die für die Löwen völlig ungewohnt war. Endlich einmal nicht einer Führung hinterherlaufen.

Ab der 20. Minute aber änderte sich das Bild. Die drückende Überlegenheit der Löwen wich zunehmend dem wachsende Druck der Platzherren, die ihrerseits in der 20. und in der 22. Minute erste Möglichkeiten herausspielten. Und sie merkten, die Löwen waren bei weitem nicht so souverän wie zu Beginn der Partie.

Erzgebirge Aue fängt sich, Eintracht wackelt

In der 29. Minute sah alles nach Ausgleich durch Man-of-the-Match Pascal Testroet aus, doch Fejzic rettete im Nachfassen die nun arg wackelnde Führung. Es sollte nicht lange gut gehen. In der 42. Minute verlängerte der Ex-Braunschweiger Breitkreuz eine Ecke zum langen Eck. Der heraneilende Krüger musste sich um mögliche Gegenwehr durch Ziegele nicht kümmern, die gab es nicht, und hatte demzufolge null Mühe, den Ausgleich zu markieren. Fejzic im Tor schuldlos und stinksauer auf seinen Mannschaftskameraden. Ziegel fehlte es in dieser Situation an Qualität. Hier müssen Zweitliga-Verteidiger schnörkellos die Situation bereinigen.

So ging es mit dem Unentschieden in die Kabine, aus der die Löwen ohne Wechsel wieder herauskamen. Und sie übernahmen – wie in Durchgang eins – vorerst die Spielkontrolle. Doch diesmal währte die Überlegenheit noch viel kürzer. Zwei Chancen in der 46. und in der 47. Minute währten die Gastgeber erfolgreich ab und verlegten sich nun auf erhöhte  Kampfbereitschaft.

War der erste Durchgang noch kartenfrei, so zückte Schiedsrichter Daniel Siebert in der zweiten Hälfte noch sechsmal den gelben Karton. Viermal gegen die Löwen, zweimal gegen die Veilchen. Kammerbauer, Kaufmann, Wydra und Schlüter waren die Übeltäter, allesamt berechtigt.

Erzgbirge Aue nutzt Löwen-Schwächen eiskalt aus

Eintracht erweckte zu dieser Phase der Partie nicht den Eindruck, auf Teufel komm raus hier einen Dreier holen zu wollen. Lieber weniger Risiko und dafür einen Punkt als alles zu wagen und zu verlieren. Diese Rechnung allerdings ging nicht auf. Denn in der Folgezeit bewies Blau-Gelb, dass die alten Abwehrschwächen nach wie vor nicht ausgemerzt sind.

Es reichte im Grunde ein schneller Ball und die Löwen-Abwehr wusste nicht mehr wie ihr geschah. Riese auf den für Hochscheidt eingewechselten Nazarov, der zu Testroet, weiter zu Krüger und schon lag der Ball im Netz. Eintrachts Abwehr? Nicht im Bilde, immer einen Schritt zu spät.

Auch Meyers recht spät gesetzte Auswechlungstaktik brachte keine Wende mehr. In der 74. kam Otto für Bär, in der 81. Kobylanski für den eher schwachen Ben Balla und Klaß für den Unsicherheitsfaktor Ziegele sowie in der 85. Abdullahi für Kroos und Putaro für Schlüter. Eintracht verlor wegen fehlender Souveränität verdient mit 1:3 und muss nun darauf hoffen, dass der bisher einzigen Nachverpflichtung von Brian Behrendt weitere folgen. In der aktuellen Konstellation ist die Eintracht kaum mehr als ein Abstiegskandidat. Weil sie nicht an überlegenen Gegnern scheitern, sondern einzig und allein an eigenen Mängeln.

Brian Behrendt
Neuer Mann bei der Eintracht ist Brian Behrendt von Arminia Bielefeld, der gegen Fortuna Düsseldorf spielberechtigt ist.

Im nächsten Spiel ist Behrendt dann spielberechtigt. Der von Arminia Bielefeld kommende, gelernte Innenverteidiger hat einen Vertrag bis 2023 unterschrieben und wird die Rückennummer 30 tragen. In Bielefeld kam der 29-jährige dreimal in der 1. Liga zu einem Einsatz und kann auf die Erfahrung von über 100 Zweitligaspiele zurückblicken. Mit seinem Marktwert von aktuell rund 600.000 Euro ist er hinter Abdullahi (Wert 1 Million Euro), Kobylanski (800.000 Euro), Kross (650.000 Euro) an Rang vier der Werteliste.

Es ist davon auszugehen, dass er schon gegen den nächsten Gegner, Fortuna Düsseldorf, eine der Schwachstellen in der Löwenabwehr ersetzen wird. Dies könnte Wydra im Zentrum sein oder auch Ziegele auf der rechten Außenbahn.  Gut möglich, dass aber noch weitere Verpflichtungen zu melden sein werden.

Nach wie hält sich zum Beispiel das Gerücht, dass Luca Itter aus Freiburg zurück nach Niedersachsen kehrt. Der linke Verteidiger hat derzeit einen Marktwert von rund 1,8 Millionen Euro. Im Sommer 2019 ist der 21-jährige vom VfL Wolfsburg in den Süden gewechselt, dort aber bisher nicht zum Einsatz gekommen. Itter könnte Spielpraxis gebrauchen und könnte den Löwen sofort weiterhelfen. Und sei es nur bis zum Sommer.

Gehandelt wird aber auch Kasim Adams von der TSG Hoffenheim. Der 2,5 Millionen-Innenverteidiger wurde vor Jahren bereits für 8.5 Millionen gehandelt, konnte die hohen Erwartungen aber nicht erfüllen. Für ihn würde ein Schritt zurück durchaus neue Türen öffnen können.

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Aber all das sind halt nur Gerüchte. Und wie sagt eine deutsche Volksweise so treffend  – action speaks louder than words. Taten müssen folgen. Schnell! Denn so langsam trennt sich auch in Liga 2 die Spreu vom Weizen. Würzburg, St. Pauli, Sandhausen, Regensburg und eben die Eintracht könnten die Mannschaften sein, die die drei Abstiegsplätze unter sich aufteilen. Und im direkten Vergleich haben die Löwen da aktuell keinesfalls die Nase vorn. Also, ran an den Speck. Schließlich steht nach der Partie gegen den Tabellenfünften aus Düsseldorf (Montag, 11.1. um 20.30 Uhr) bereits vier Tage später die schwere, vielleicht schon vorentscheidende Partie beim Tabellenletzten Würzburg auf dem Programm (Freitag, 15.1. um 18.30 Uhr).

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