Hannover. Am dritten Spieltag der zweiten Fußball-Bundesliga kam es zur „Mutter aller Derbys“. Eintracht unterlag Hannover 96 vor 7.300 Zuschauern mit 1:4 (0.0). Ohne Gäste-Fans nach strengen Corona-Regeln war die Stimmung einseitig geprägt. Ein Traumtor von Martin Kobylanski (51.) reichte nicht aus um Zählbares mit nach Braunschweig zu bringen.

BTSV-Coach Daniel Meyer muss noch lange auf Niko Kijewski verzichten, der sich gegen Holstein Kiel schwer verletzte. Patrick Kammerbauer fehlte ebenfalls noch. Das hatte im taktischen 3-4-3-System des Trainers zur Folge, dass er mit Robin Ziegele die linke Seite neu besetzte. Vor der überwiegenden Fünferkette gab Felix Kroos im zentralen Mittelfeld sein Startelfdebüt.

Eintracht gleich in der Defensive

Das Spiel begann gleich mit einem Schreckmoment für die Blau-Gelben. Der Freistoss von Dominik Kaiser (2.) fiel kurz touchiert von Timo Hübers auf die Querlatte. Auf den Rängen, die ohne Gästefans einseitig belegt waren, wurden erste Schmähgesänge laut mit denen allerdings nicht alle im weiten Rund einverstanden waren. Robin Ziegele, der viele Zweikämpfe gewann und stark verteidigte, hatte mit den schnellen Linton Maina und Kingsley Schindler viel Arbeit. Immer wieder suchten die Gastgeber die Außenpositionen, so dass die Eintracht in eine Fünferkette gedrückt wurde.

Derbyatmosphäre

Die Löwen bissen sich in die Zweikämpfe und setzten defensiv Akzente. Allerdings fehlte es in der Offensive an Ideen und Entlastung. Viele lange Bälle, die keinen Abnehmer fanden. Felix Kroos fehlte noch die Bindung zum Eintracht-Spiel, so blieb es bei defensiven Highlights. Es gelang den Blau-Gelben zunehmend dem Spiel das Tempo und den Gastgebern die Offensivfreude zu nehmen. Marvin Ducksch (26.) und Genki Haraguchi (37.) mit Verzweifelungsschüssen stärkten das Braunschweiger Defensivbewusstsein. Doch wie lange sollte dieser Defensivriegel halten. Suleiman Abdullahi gefühlt ohne Ballbesitz, Fabio Kaufmann bemüht und Martin Kobylanski als Bindeglied oft überspielt, hatten faktisch keine nennenswerten Aktionen. Benjamin Kessel (30.) in verbaler Auseinandersetzung mit Marvin Ducksch machte die Derbyatmosphäre auf dem Platz sichtbar. Der souveräne Schiedsrichter Daniel Siebert beruhigte beide mit Gelb.

Eintracht offensiv ohne Ideen

Doch auch dadurch entstand keine Offensivbewegung der Löwen. Selbst ein Konter nach einem abgefangenen Ball des guten Eintracht-Torhüters Felix Dornebusch wurde verweigert. Wie hatte die Eintracht bloß fünf Tore gegen die Berliner Hertha erzielt? Doch die Gastgeber ließen sich zumindest von der konsequenten Defensive beeindrucken und hatten bis zur Pause auch keine zwingenden Ideen mehr.

„Koby“ mit Traumtor

Konsequenterweise kam Marcel Bär nach der Pause für Suleiman Abdullahi. Der neue Wille offensiv war ersichtlich. Fabio Kaufmann (48.) hatte nach einer 4:3-Kontersituation den ersten wirklichen Torschuss der Eintracht. In der 51. Minute dann der Moment auf den alle Eintracht-Fans hingefiebert hatten. Nach einer Spielverlagerung legte Robin Ziegele direkt mit links ab auf Martin „Koby“lanski, der traumhaft direkt mit links in den „Knick“ der Gastgeber einnetzte. „Latte,Pfosten,Eintracht-Glückseligkeit“ eigentlich aus dem Nichts!

Hannover schlägt direkt zurück

Dominik Wydra im Zentrum der Fünferkette zeigte sich als „Leader“ und stand oft im Mittelpunkt der Defensivaktionen. Die Gastgeber glaubten jedoch weiter an ihre Qualitäten und schlugen direkt zurück. Genki Haraguchi mit einem Tempodribbling auf die Abwehrkette der Eintracht bediente Linton Maina (54.), der handlungsschnell mit links im „Sechzehner“ aus zentraler Position verwandelte. Jetzt war das Stadion da und man merkte, dass wieder Menschen Zugang finden. Die Gastgeber zeigten mehrfach ein faires Verhalten (60., 69.) durch Verzicht auf einen Eckball oder eine Rückgabe des Balles nach einer Löwen-Verletzung. Marvin Ducksch kam jetzt immer besser ins Spiel (56., 59., 67.), scheiterte aber an Felix Dornebusch. Nach der 60. Minute konnte sich die Eintracht etwas befreien. Aber per Standardsituation konnte kein weiterer Treffer erzielt werden.

Defensiv-Riegel bricht zusammen

Linton Maina (66.) konnte noch abgeblockt werden. Der Torjäger der Hannoveraner Hendrik Weydandt (71.) war jedoch nach einer Flanke vom umtriebigen Marvin Ducksch zur Stelle. Die Gastgeber hatten das Spiel gedreht. Aufgrund der Spielanlage auch verdientermaßen! Niklas Hult (74.), der Linksverteidiger erhöhte mit seinem „schwächeren Fuß“ nach erneut mustergültiger Vorarbeit von Ducksch. Eintracht konnte nun defensiv nicht mehr standhalten. Weitere Tore der Gastgeber waren möglich. Dominik Kaiser (80.) und Marvin Ducksch frei vor Felix Dornebusch vergaben. Eintracht wollte zurück ins Spiel. Der eingewechselte Nick Proschwitz (81.) traf nicht präzise. Genki Haraguchi (86.) machte es nach Vorlage von Valmir Sulejmani besser und stellte auf einen auch in dieser Höhe verdientes 4:1.

Eintracht muss sich hinterfragen, ob sie nicht zu defensiv und verhalten in dieses Derby gegangen sind. Kämpferisch ist ihnen kein Vorwurf zu machen! Sie befinden sich laut Eintracht-Coach Daniel Meyer in einem Entwicklungsprozess. Doch die offensive Laufbereitschaft und letztlich auch der Druck gegen den Ball hat spätestens ab der 70. Minute gefehlt. So wird es sehr schwer mit der Mission „Klassenerhalt“. Unser Beitragsfoto zeigt den Spielstand, der als Ergebnis angestrebt war.

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