Im Tabellenkeller der 3. Liga ist ein Gedränge wie zu besten Zeiten bei primark. Am 33. Spieltag empfing Abstiegskandidat Eintracht Braunschweig den unmittelbaren Konkurrenten SG Sonnenhof Großaspach, einem Ort mit gerade einmal 8.290 Einwohnern nahe Stuttgart. Rund 40 Fans hatten die knapp 500 Kilometer lange Reise auf sich genommen und ärgerten sich am Ende, dass sie nur einen Punkt mit nach Hause nehmen durften. Nach 94 Minuten vor insgesamt 18.248 Zuschauern hieß es 1:1. Genau wie im Hinspiel. Und was die Braunschweiger Fans betraf, die konnten sich tatsächlich glücklich schätzen, noch einen Punkt buchen zu dürfen. Denn trotz zahlreicher Möglichkeiten musste der Löwen-Anhang bis zur 92. Minute zittern.

Löwen-Coach André Schubert ließ schon mit der Aufstellung erkennen, dass die Zeichen auf Sieg standen. Nkansah rückte wieder in die Abwehrreihe, Putaro, Bär, Otto und Hofmann sollten den dafür notwendigen Druck aufbauen. Pfitzner, Janzer und der gesperrte Fürstner waren nicht beim Start dabei.

Die Partie brauchte ein paar Minuten, um in Fahrt zu kommen. Die Unentschieden-Könige aus Baden-Württemberg ließen es langsam angehen. Womit die Löwen nicht gleich etwas anzufangen wussten. Doch ab der 6. Minute nahm Blau-Gelb Fahrt auf. Nach einem weiten Einwurf von Kessel kam der Ball zu Putaro, der nicht lange fackelte und abzog. Allerdings war das keine Aktion, die Gäste-Keeper Broll in Bedrängnis bringen konnte.

Es spielt nur eine Mannschaft – Eintracht

In der 12. Minute verfehlen Hofmann und Putaro im gegnerischen Fünfer den Ball, der dann auf der anderen Seite im Aus landete. Eintracht war jetzt drückend überlegen, die Gäste kamen kaum aus ihrer Hälfte heraus. Aber auch Rüttens Schuss in der 18. Minute wollte nicht ins Tor.

Für die Braunschweiger Abwehrreihe gab es bis hierhin wenig zu tun. Nach einer Ecke in der 24. Minute taten sich Nehrig, der erneut die Abwehr stabilisierte, und Co schwer. Den kurzen Moment der Schwäche nutzte der schwache Gast aber nicht aus.

Dann wieder zwei Chancen für die Platzherren. Diesmal versuchte sich Hofmann. In der 26. Minute mit einem 18-Meter-Flachschuss, der aber knapp das Tor verfehlte, und in der 34. Minute mit einem Kopfball nach einer Ecke. Quasi im Gegenzug meldete sich die SG wieder zu Wort. Mit einer der klarsten Chancen des ganzen Spiels. Doch Sommer, von Röttger perfekt in Szene gesetzt, scheiterte.

Sieben Chancen, aber kein Tor

Dann wieder die Eintracht. Doch weder Putaro (in der 39.) noch Bär, der in der 44. Minute eine Vorlage verpasste, konnten die verdiente Führung erzielen. Auf den Rängen wurde jetzt längst darüber spekuliert, dass so etwas im Fußball wegen einer kleinen Nachlässigkeit nach hinten gehen kann.

Das Fazit der ersten Halbzeit fällt deutlich aus. Eintracht die dominante Mannschaft, und von der sattelfesten, drittbesten Defensive der Liga war nur wenig zu sehen. Die Platzherren in allen belangen die bessere Mannschaft. Doch Fleiß und Willen allein schießen nun einmal keine Tore. Und wer seine Chancen nicht nutzt, der darf sich hinterher auch nicht beschweren, wenn es denn am Ende nicht reicht.

Viele Aktionen der Löwen wirkten am Ende ungenau, fahrig und waren nicht von blinden Verständnis untereinander geprägt. Der Spielaufbau zu oft zögerlich, zu oft in die Breite und zu oft nach hinten ausgerichtet. Dass dennoch so viel Chancen heraus sprangen, ist weniger der eigenen Stärke als vielmehr der gegnerischen Passivität geschuldet.

Hofmann, Bär, Putaro, Janzer und Düker sind jeder für sich genommen gute Fußballer, ein „geniales“ Team sind sie (noch) nicht. Da darf man dann auch einmal fragen, warum Düker nicht einmal von Beginn an stürmen darf. In der Abteilung Sturm geht von ihm aktuell die meiste Gefahr aus. Doch zurück zum Spiel.

Eintracht weiter wie vor dem Wechsel

Braunschweig setzt nach dem Seitenwechsel dort an, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. Allerdings auch, was die Chancenverwertung betraf. Das machten die Gäste deutlich cleverer. In der 58. Minute ließ Baku die Eintracht-Abwehr einfach stehen, sah den im Fünfmeterraum freistehenden Röttger, der den Ball gekonnt und für Fejzic nicht haltbar ins Netz beförderte. Ein Treffer mit Wirkung.

Zum einen, weil die Platzherren mit Wut im Bauch agierte, was selten förderlich ist, und zum anderen, weil jetzt die Nervosität um sich griff. Zwar betonen die Spieler von André Schubert stets, dass sie wissen, sie können Tore erzielen, auch späte, aber sie wissen auch, dass ihnen das alles andere als leicht fällt. Und wenn die Lockerheit erst einmal fehlt, dann kann eine Mannschaft auch schnell verkrampfen.

Die SG verteidigt wacker ihren Vorsprung

Den Aktionen der Eintracht fehlte nach dem Tor die Struktur. André Schubert reagiert schnell. In der 63. Minute kam Feigenspan für Bär und in der 67. Düker für Hofmann. Das brachte durchaus mehr Ruhe ins Spiel, viel besser wurde es jedoch nicht. Was natürlich auch daran lag, dass die Gäste ihren Vorsprung mit aller Macht über die Runden bringen wollten. Da stürmt man nicht kopflos drauflos, sondern sorgt für stabile Verhältnisse am eigenen Strafraum. Und das gelang ihnen doch sehr gut.

Kurz nachdem Schubert in der 74. für den verletzten Nehrig Urgestein Pfitzner brachte, jubelten viele Braunschweiger Fans bereits über den vermeintlichen Ausgleich. Doch der Linienrichter hatte die Fahne klar und deutlich oben – abseits. Welle um Welle rollte jetzt auf das Großaspacher Tor zu, doch die „Kaimauer“ hielt stand. Und wie knapp dreißig Minuten zuvor sorgte wieder eine individuelle Fehlleistung, diesmal von Nkansah, für große Gefahr. Brünker scheiterte aber an Fejzic.

Fünf Minuten Nachspielzeit

Die Zeit lief der Eintracht jetzt davon. Und als Feigenspan in der 87. Minute die wohl größte Braunschweiger Chance ungenutzt ließ, glaubte viele nicht mehr an ein Unentschieden. Etliche Zuschauer machten sich bereits auf den Heimweg. Als der vierte Unparteiische die Tafel mit der Nachspielzeit zeigte, schauten sie sich ungläubig an, neue Hoffnung keimte. Fünf Minuten bekamen die Löwen noch, um den Ausgleich zu schaffen.

Und das Wunder wurde wahr. Kijewskis langer Einwurf in die Mitte flog in der 92. Minute auf Düker zu, der den Ball frech mit einem Drehvolley in die Maschen des SG-Tores drosch. Welch eine Erleichterung für Mannschaft und Fans!

Aber nur Dank der Niederlage von Fortuna Köln in Wehen/Wiesbaden rutsche Blau-Gelb wieder über den Strich auf Rang 16. Jena hat mit dem 2:1-Erfolg in Rostock Boden gut gemacht. Und die Sportfreunde Lotte haben mit ihrem Sieg beim Tabellenletzten Aalen ihr Punktekonto auf 39 geschraubt.

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Acht Punkte fehlen noch für das Saisonziel 45

Die Eintracht hat 37 Punkte und damit fehlen ihr noch acht Punkte zum erklärten Saisonziel von André Schubert. Acht Punkte sollen also aus jetzt noch fünf Spielen kommen. Am Montag, den 22. April muss das Löwen-Rudel nach Uerdingen, aktuell die schlechteste Rückrundenmannschaft und auch nicht die beste Heimmannschaft. Bereits sechsmal unterlag man vor heimischen Publikum. Unser Tipp: Niederlage, kein Punkt.

Am Sonntag, den 28. April kommt Preußen Münster, derzeit Tabellensechster mit 45 Punkten. Für die dürfte die Saison dann schon gelaufen sein, was allerdings nicht heißt, dass die Elf von Trainer Antwerpen die Punkte herschenken wird. Unser Tipp: Sieg, drei Punkte.

Sonntag, 5. Mai dann das schwere Auswärtsspiel beim Tabellenletzten Aalen. Eigentlich eine klare Angelegenheit, doch mit solchen Aufgaben tun sich die Löwen schwer. Unser Tipp: Unentschieden, ein Punkt.

Am 11. Mai (Samstag) muss Blau-Gelb in Halle antreten. Unser Tipp: Unentschieden, ein Punkt.

Am Samstag 18. Mai dann das große Finale zu Hause gegen den derzeitigen Achtzehnten Cottbus. Klare Sache, nur ein Sieg hilft der Eintracht weiter. Unser Tipp für das Spiel vor ausverkauftem Haus: 30 Sekunden vor dem Abpfiff fällt das entscheidende Tor für die Eintracht zum 2:1-Erfolg. Drei Punkte und damit die angepeilten acht durch Torschütze Piorunek. Sorry, falsch, das war ja 2002. Diesmal trifft Benni Kessel. Und Stefan Lindstedt darf noch einmal lauthals skandieren, schwakt die Pille bis nach Wolfenbüttel …

Stimmen zum Spiel gegen SG Sonnenhof Großaspach

Steffen Nkansah in der Mixed Zone:

Marc Pfitzner in der Mixed Zone:

Die Pressekonferenz mit Florian Schnorrenberg (Trainer Großaspach), André Schubert (Coach Eintracht) und Eintracht-Pressesprecherin Denise Schäfer.