Am 4. Spieltag hat Aufsteiger Eintracht Braunschweig den ersten Dreier in der 2. Liga eingefahren. Mit einem letztlich verdienten 2:1-Erfolg über den favorisierten VfL Bochum haben die Löwen nicht nur den Anschluss gehalten, sondern psychologisch sogar ein 6-Punkte-Spiel für sich entschieden. Nach drei Spielen, nur einem Punkt, aber bereits sechs Gegentoren, mehrten sich sorgenvolle, kritische Stimmen. Doch Trainer Daniel Meyer weiß ob des weiter anhaltenden Drucks. In der Pressekonferenz nach dem Spiel äußerte er sich zurückhaltend: „Jetzt müssen wir nachlegen!“. Wohl wahr. Das nächste Spiel bestreitet Blau-Gelb am Freitag (23. Oktober, 18:30 Uhr) bei Jahn Regensburg.

3.815 Zuschauer sahen einen druckvollen Start der Eintracht. Trainer Meyer hatte im Vergleich zum Spiel in Hannover (1:4) drei Änderungen vorgenommen. Für Schultz, Kessel (beide Bank) und Abdullahi (Knieprobleme) spielten Wiebe, Klaß und Proschwitz.

Doch der Braunschweiger Offensiv-Elan erfuhr schnell einen herben Dämpfer. Ziegele auf der rechten Abwehrposition erlaubte sich einen „unforced error“, den die Gäste durch Zulj und Zoller zur frühen Führung nutzten (5. Spielminute). Ein Treffer, der durchaus Wirkung zeigte.

Bochum die reifere Elf

Die Löwen jetzt wieder mutlos, zögerlich und viel zu oft hinten herum. So luden sie ihren Gegner geradezu ins eigene Wohnzimmer ein. In der Folgezeit bestimmten der denn auch das Geschehen. Weil der Vfl reifer agierte, konsequenter in den Zweikämpfen war und den besseren Fußball praktizierte. Wenn da nicht die Sorglosigkeit im Abschluss gewesen wäre, hätte der VfL durchaus höher führen können. Laut Trainer Reis gar müssen.

In der 12. Minute durch einen Ganvoula-Kopfball, in der 14. durch Blum, der einmal mehr seinen Gegenspieler Ziegele stehen ließ. In der 15. Minute endlich der erste Braunschweiger Schuss auf das Tor. Acht Minuten später sorgte der sehr agile Kaufmann für den Ausgleich. Kobylanski hatt den Ball im Strafraum behauptet, Kaufmann nahm den Ball an und verwandelte zum 1:1. Das erste Tor des Neuzugangs und auch das erste eines Stürmers aus dem Kader.

Wenig Überraschendes

Die Platzherren wirkten in der Folgezeit engagierter und entschlossener. Lediglich in der Offensive war weiterhin eine gewisse Ratlosigkeit zu spüren. Statt mutig nach vorn zu spielen, schienen etliche Spieler lieber nichts falsch machen zu wollen und suchten den sicheren Pass. Wirklich überraschende Aktionen der Platzherren konnten die Zuschauer an einer Hand abzählen.

Trotzdem gab es noch Gelegenheiten zur Führung. In der 42. Minute durch Ben Ball, der einfach einmal aus 20 Metern abzog, das Tor aber verfehlte, und in der 43. Minute flog ein strammer Kobylanski-Schuss aus 18 Metern knapp über das Tor. So ging es mit einem 1:1 in die Kabinen.

Aus der kamen die Braunschweiger besser wieder heraus. Auf einmal bewiesen die Löwen Biss und ließen den Gästen wenig Zeit für den Spielaufbau. In der 59. Minute dann die spielentscheidende Szene. Einen viel zu kurz gespielter Rückpass war ein Geschenk für Ganvoula. Der zwang Dornebusch zum Herauslaufen und zu einer Glanztat. Dabei sprang ihm jedoch der Ball an den Unterarm, Schiedsrichter Günsch pfiff Freistoß und zog Rot. Was naturgemäß zu heftigen und berechtigten Braunschweiger Protesten führte.

Rote Karte war eine Fehlentscheidung

Kurz sah es so aus, als würden sich die Spieler beider Mannschaften heftig angehen, doch letztendlich bewiesen die Gäste Format und bestätigten die fehlende Absicht. Doch nach Prüfung durch den Video-Schiedsrichter wurde der Verweis bestätigt. Eine harte Strafe. Bemerkenswert, dass die Gäste ihren Freistoß nicht nutzten, sondern den Ball Eintracht zuspielten.

Die schwache Schiedsrichter-Entscheidung dürfte der Eintracht allerdings erst den rechten Kick geliefert haben. Nach der knapp fünfminutigen Unterbrechung wirkte das Löwenrudel jetzt richtig heiß. Erst sah der immer besser werdende Kross, dass Gästekeeper Riemann zu weit vor dem Tor stand und hielt aus 50 Metern einfach einmal drauf. Riemann kam im letzten Augenblick und ließ den Ball nach vorn abklatschen.

Nach dem folgenden Eckstoß machte es Nick Proschwitz besser. Die perfekte Flanke verwandelte der Stürmer aus kurzer Distanz mit einem perfekt platzierten Kopfball ins rechte untere Eck zum 2:1. Und das in Unterzahl – chapeau!

Daniel Meyer reagierte sofort und brachte in der 72. Minute mit Kessel für Klaß und Otto für Proschwitz frische Kräfte. Bochums Trainer antwortete prompt und wechselte binnen acht Minuten viermal. Unter anderem den Ex-Braunschweiger Holtmann, der sich bis zum Abpfiff einen verbitterten Zweikampf nach dem anderen mit Kaufmann lieferte. Freunde werden die Beiden nicht.

Eintracht verteidigt tapfer – Bochum zu zerfahren

Den Eintracht-Akteuren war jetzt deutlich anzumerken, dass sie sich trotz Unterzahl die Führung nicht mehr nehmen lassen wollten. Engagiert und motiviert war ihnen kein Weg zu weit, kein Zweikampf zu viel. Dennoch bedurfte es noch einer Glanztat des

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eingewechselten Fejzic, um den drohenden Ausgleich zu verhindern. Urplötzlich tauchte Novothny vor dem Braunschweiger Zerberus auf. Der machte mit einer Blitzreaktion die Chance zunichte. Die 3.815 Zuschauer verwandelten den Tempel in ein ausverkauftes Stadion. Was für eine tolle Atmosphäre?

 

War das der Aufschwung?

Eintracht Braunschweig hat sich den Sieg verdient. Das ist das Fazit. Das sah auch der Gäste-Trainer nicht anders. Zwar agierte in Elf im ersten Durchgang noch zu zaghaft und mit vielen Fehlern, im zweiten wurde das Geschehen aber deutlich von Blau-Gelb kontrolliert. So betrachtet ist eine Spieler-Bewertung schwierig. Dennoch, und das wird Daniel Meyer nicht anders machen, muss man genau hinschauen, wer sich wie „geschlagen“ hat.

Fabio Kaufmann im Zweikampf
Einer der besten Spieler bei der Eintracht – Fabio Kaufmann.                       Fotos (2): Susanne Hübner

Ziegele in der Abwehrreihe blieb wegen seiner hohen Fehlerquote blass und Felix Kroos noch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Aber bei ihm war auch erkennbar, das er für die Löwen noch ein wichtiger Akteur werden kann und wird. Ben Balla im Mittelfeld und Proschwitz glänzten mit viel Einsatzwillen und Kaufmann durch sein unermüdliches Ackern. Wie er in der Drangphase der Bochumer Defensivaufgaben übernahm, verlangt Respekt.

Ein Sieg, der Eintracht Braunschweig beweist, dass man sich vor den anderen Mannschaften in der 2. Liga nicht verstecken muss. Mit noch etwas mehr Mut und Zielstrebigkeit kann der Aufsteiger auch auswärts punkten. Beim bisher ungeschlagenen Jahn aus Regensburg natürlich kein einfaches Unterfangen. Aber der blau-gelbe Sturm sollte „Blut geleckt haben“. Am schönsten ist es zu treffen, oder?

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