Dass Braunschweig in der Tennis-Szene einen guten Ruf genießt, weiß mittlerweile ein jeder. So war es letztlich nur folgerichtig, dass der Deutsche Tennis Bund bei der Vergabe hochkarätiger Events irgendwann in der Löwenstadt Station machen würde. Seit gestern treffen in der Volkswagen-Halle die Frauen Nationalmannschaften aus Weissrussland und Deutschland aufeinander. Dass Deutschland am Ende des ersten Tages mit 0:2 hinten liegen würde, lag im Bereich des denkbaren. Dass aber Andrea Petkovic eine Lehrstunde erhalten würde, das war schon überraschend.

Foto von der Eröffnungszeremonie in der Braunschweiger VW-Halle
„Grosser Bahnhof“ zum Auftakt der FedCup-Partie zwischen Deutschland und Weissrussland

Das erste Spiel am Samstag bestritten vor 4.400 Zuschauern die für Deutschland an Nr. 1 gesetzte Tatjana Maria (Weltranglistenplatz 67) gegen die für Weißrussland an Nr. 2 gesetzte Aliaksandra Sasnovich (WTA 33). Im zweiten Spiel des Tages standen sich Andrea Petkovic (WTA 68) und Aryna Sabalenka (WTA 9) gegenüber.

Diese Ansetzungen und deren Reihenfolge hatte die Auslosung durch den Bürgermeister Helmut Blöcker ergeben, die am Freitag im feierlichen Rahmen der Dornse des Braunschweiger Altstadtrathauses mit den beteiligten Verbänden und allen Spielerinnen und Offiziellen stattgefunden hatte.

Maria gegen Sasnovic

Der erste Satz zwischen Maria und Sasnovich verlief ausgeglichen, da jede Spielerin ihre Aufschlagspiele gewinnen konnte. Somit musste dann beim Stand von 6:6 der Tiebreak entscheiden und Sasnovich sicherte sich diesen letztlich mit 7:3, den zweiten Satz gewann sie mit 6:3.

Das Spiel war vor allem im ersten Satz ausgeglichen, wobei die Weißrussin in ihrer Spielweise zwar aggressiver als die Deutsche wirkte, Tatjana Maria aber durch gute Aufschläge, gelegentliche Netzangriffe und gute Laufarbeit das Spiel offen halten konnte.

Selbst als am Ende des Satzes ein weinendes Kind ihre Konzentration beim Aufschlag hätte gefährden können, blieb sie positiv und gestand später in der Pressekonferenz, dass sie dadurch lediglich an ihre eigene Tochter gedacht hätte und sich daher nicht gestört gefühlt hätte.

Im zweiten Satz setzte sich Aliaksandra Sasnovichs Spiel dann aber durch, da sie mit ihrer beidhändigen Rückhand und der druckvollen Vorhand dem auf der Rückhand überwiegend gespielten Slice der Deutschen den entscheidenden Druck machen konnte.

Der im Weltklasse Tennis eher seltene Vorhandslice wurde von der Deutschen ebenfalls häufiger im Spiel eingesetzt und sie war dadurch dann sowohl beim Return und dem Spielaufbau als auch in der Verteidigung der immer stärker werdenden Vorhand der Weißrussin unterlegen.

Somit gewann Aliaksandra Sasnovich am Ende verdient das durchaus enge Match mit 7:6 und 6:3 gegen eine allerdings nie aufgebende Tatjana Maria.

Petkovic gegen Sabalenka

Im zweiten Spiel der FedCup Begegnung stand die Deutsche Andrea Petkovic einer vom Anfang bis zum Ende spielerisch-aggressiven und starken Nummer 9 der Weltrangliste, Aryna Sabalenka, gegenüber.

Da die beiden Spielerinnen noch nie ein Match auf der WTA-Tour bestritten hatten, gab es auch keine informativen Vergleiche aus solchen Partien.

Während Petkovic am Anfang des Matches trotz Spielverluste durchaus noch positiv dem Verlauf des Matches entgegen sehen konnte und auch der FedCup-Trainer, Jens Gerlach, nach dem Spiel sagte, dass er mit seiner Spielerin immer an eine positive Wende geglaubt habe, so entwickelte sich sehr schnell eine Dominanz der Weißrussin, die mit einer Urgewalt auf die Bälle schlug und damit auch Petkovic und dem Publikum ihre Überlegenheit bewies.

Egal was Andrea Petkovic spielte, Aryna Sabalenka zerstörte jeden Versuch zu punkten, indem Sie enorm schnell und mit hoher Prozenzahl aufschlug, unglaublich hart returnierte und die Ballwechsel immer mehr mit häufigen Vorhand-und Rückhandpunkten auf die Linien und in die Ecken des Spielfelds dominierte.

Im Grunde chancenlos

Man muss Andrea Petkovic und ihrem Trainer Hochachtung entgegenbringen, dass sie mit allen Kräften versuchten, diesem manchmal ungleich wirkendem Kampf eine positive Wende zu geben. Aber außer einzelnen schönen und erkämpften Punkten war dieses Vorhaben gegen eine heute unglaublich stark spielenden Weißrussin zum Scheitern verurteilt.

Das Publikum war bis zum Schluss bemüht, der nie aufgebenden Deutschen die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen, musste aber letztlich akzeptieren, dass dieser Punkt ohne Wenn und Aber verdient an die Siegerin Aryna Sabalenka und das weißrussische Team ging.

Noch nicht aufgegeben
In der Pressekonferenz musste der Chefcoach, Jens Gerlach, eingestehen, dass die heutigen Niederlagen der Deutschen nicht zu verhindern gewesen waren, aber er wies gleichzeitig darauf hin, dass das Team sich heute noch zusammensetzen wird, um die Taktik für die Spiele des morgigen Tages zu besprechen und damit den Turnierverlauf doch noch positiv zu gestalten.

Das Team und der Teamspirit seien vollkommen intakt, und die Spielerinnen würden mit einem hoffentlich wieder zahlreichen Publikum im Rücken versuchen, die Wende und den Sieg für das Deutsche FedCup Team doch noch zu holen!

Sonntag beginnen die Spiele um 11 Uhr

Der morgige entscheidende Spieltag beginnt um 11 Uhr mit der Begegnung der an Nummer 1 gesetzten Spielerinnen Tatjana Maria gegen Aryna Sabalenka, gefolgt vom Spiel Andrea Petkovic gegen Aliaksandra Sasnovich.
Sollte es nach dem 3. Spiel bereits 3:0 für Weißrussland stehen, fällt die vierte Partei aus und es wird nur noch das Doppel gespielt.