Drittligist Eintracht Braunschweig hat seine Serie von sieglosen Spielen beendet. Am dreizehnten Spieltag gewannen die Löwen bei der ersatzgeschwächten SG Sonnenhof Großaspach mit 3:1 und kletterten dadurch wieder auf Rang drei der Tabelle. 2.610 Zuschauern sahen eine schwache Partie mit wenig spielerischen Glanzpunkten. (Unser Foto zeigt Benjamin Kessel im Spiel gegen Unterhaching. Foto: Fotoagentur Susanne Hübner).

Christian Flüthmann wechselte zur Vorwoche auf zwei Positionen. Für den schwachen Kammerbauer kam Motivator Marc Pfitzner in die Startelf, und auf der rechten Mittelfeldposition begann Youngster Amade für Feigenspan. Wirkung zeigte das jedoch nicht. Die Gastgeber mussten auf neun (!) Stammkräfte verzichten und Coach Oliver Zapel schickte quasi den „Rest vom Schützenfest“ auf das Feld.

Fünf Minuten lang sah es auch so aus, als würde der Favorit Braunschweig seiner Rolle gerecht. Martin Kobylanski überlegte nicht lange und zog aus knapp 30 Metern ab. Doch sein Ball flog über das Tor. Eintracht spielerisch zwar die bessere Mannschaft, aber es mangelte an kreativen Ideen, die Kampfbereitschaft der SG zu dämpfen.

Fejzic auf dem Posten

Aspach erkannte recht schnell, dass die Gäste alles andere als Überflieger waren und übernahm langsam, aber sicher die Kontrolle. In der 14. Minute war es Sommer, der die erste Chance auf dem Fuß hatte, in der 17. dann der Grieche Vlachodimos, der allerdings am gut aufgelegten Braunschweiger Keeper Fejzic nicht vorbei kam.

Es war schon erstaunlich, dass die individuell höhere Klasse der Braunschweiger Löwen nicht zum Tragen kam. Phasenweise war das Spiel des Favoriten ein Gestochere oder rückwärts orientiert, so dass auch kein Druck auf die schwache Defensive der Platzherren ausgeübt werden konnte.

Kobylanski erzielt sechsten Saisontreffer

Es war dann einer Einzelaktion geschuldet, dass die Löwen in Führung gingen. In der 26. Minute erkämpfte sich Benjamin Kesser mit vorbildlichem Einsatz den Ball. Ein kurzer Blick und ein perfekter Pass in den Strafraum, schon war die SG-Abwehr überwunden.

Proschwitz kam nicht an den Ball, sein Gegenspieler hinter ihm aber auch nicht. Lachender Dritter war der frei am langen Eck stehende Kobylanski, der keine Mühe hatte, den Ball über die Linie zu drücken.

Mit der zweiten Chance der Löwen fiel auch gleich das zweite Tor. Pfitzner bediente aus dem Mittelfeld Proschwitz, der sich diesmal gut durchsetzte und zum 0:2 einnetzte. Im Grunde war die Partie vorzeitig entschieden. Hätte die Eintracht konzentriert einen Gang herauf geschaltet, es wäre um die SG geschehen gewesen. Doch die Löwen schauten zu, wie der Gastgeber angetrieben vom Griechen Vlachodimos in die Partie zurückfand. 

Eintracht zu hektisch in Großaspach

Der war es auch, der wenig später den Anschlusstreffer markierte. Eine Situation, in der Innenverteidiger Robin Becker keine gute Figur machte. Genau wie in der 39. Minute, als Brünker dazu auch noch Ziegel düpierte. Nur gut, dass Fejzic im Tor aufmerksam zur Stelle war.

Braunschweig in der ersten Halbzeit viel zu hektisch und nie souverän. Dabei war die SG alles andere als ein furcht-einflößender Gegner. Zwar zeigte die Mannschaft eine gute kämpferische Einstellung, aber das war dann streng genommen auch schon alles, was der Tabellensiebzehnte zu bieten hatte.

Kurz nach dem Seitenwechsel nahm Trainer Flüthmann den enttäuschenden Amade vom Platz. Für ihn kam Mike Feigenspan, und Flüthmann wurde dafür belohnt. Denn nur drei Minuten später bedankte sich Feigenspan mit einer herrlichen Einzelleistung und dem 1:3 (58.).

Jetzt hätte die Eintracht „den Sack zu machen müssen“. Aspach mühte sich, konnte aber auch mit frischen Spielern nicht mehr zulegen. Anders die Braunschweiger. Erst kam Otto für den nach seinem Tor eher unauffälligen Kobylanski (69.), dann Nkansah für Pfitzner, der seine Aufgabe insgesamt ordentlich meisterte (79.). 

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Nur brachten die Wechsel keinen neuen Schwung. Nach dem Tor und einer Fast-Chance von Proschwitz stand nicht eine Chance mehr auf der Habenseite der Braunschweiger Löwen. Unter dem Strich darf es aber allen Braunschweig-Fans und auch der Mannschaft egal sein. Was zählt, das sind drei Punkte und das Ende der kleinen Fruststrecke. 

Dennoch sollte auch niemand den Blick auf die Tatsachen verherrlichen. Eintracht war dieser extrem ersatzgeschwächten SG-Mannschaft keinesfalls überlegen. Die besseren Chancen und mehr Standard-Möglichkeiten hatte die SG, die in der 9. Minute auch noch einen Elfmeter hätte bekommen müssen, weil Becker den Ball mit hochgezogenem Ellenbogen ablenkte. 

Amade diesmal schwach

Es  mangelt der Eintracht an Kreativität und Spielwitz. Die zu Saisonbeginn gezeigten Kombinationen sind mittlerweile selten geworden. Vielleicht ist der Verein ja doch gut beraten, in der Winterpause noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Zwar kommen Fürstner und Nehrig wieder zurück, doch beide sind eher Felsen in der Brandung als führende Denker und Lenker. Kammerbauer wird den Anforderungen aktuell nicht gerecht und Göden ist auch kein Spielmacher.

Eintracht hat seine Formation noch nicht gefunden. Amade, der auf dem rechten Verteidigerposten herausragend agierte, scheint mit der rechten Mittelfeldposition deutlich weniger zurecht zu kommen. Und von den genialen Pässen Wiebes ist derzeit auch nur wenig zu sehen. Es ist wünschenswert, wenn Blau-Gelb schnell eine Struktur findet, die stabile Leistungen gewährleistet.

Dafür bewiesen die Löwen Einsatzfreude. So viel Einsatzfreude, dass Schiedsrichter Hartmann gleich sechsmal Gelb zog. Mit der Konsequenz, dass Robin Becker für die Partie gegen Absteiger Ingolstadt pausieren muss. 

Betrachtet man die Konkurrenz in Liga 3, dann kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass sich in dieser Spielzeit noch kein Team gezeigt hat, dass es besser macht als die Löwen. Diese Erkenntnis macht die Spiele nicht einfacher, verdeutlicht aber auch, dass Eintracht 2019/20  wahrlich um den Aufstieg mitspielen kann. Aber dafür müssen die Löwen wieder dahin, wo man zu Saisonbeginn schon war – mannschaftliche Geschlossenheit mit Torgefahr aus allen Mannschaftsteilen.

Für die Eintracht geht es am 2. November (Sa) um 14 Uhr weiter. Dann ist der FC Ingolstadt Gegner.

Stimmen zum Spiel:

Mike Feigenspan: Wir haben nie an uns gezweifelt, mit schweren Phasen müssen wir umgehen können. Die drei Punkte sind gut, aber Platz 3 ist nicht das Wichtigste.

Oliver Zapel, Trainer der SG: Ich finde, wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Es ist immer dieselbe Leier, wir schenken dem Gegner die Tore. Wir hatten mehr Chancen, mehr Standards, das nervt. Unsere Erkenntnisse zum Gegner haben wir wieder nicht auf den Rasen gekriegt. Und der nicht gegebene Elfer war bereits der sechste in dieser Saison. So langsam habe ich die Schnauze voll.

Christian Flüthmann: Die Art und Weise des Erfolgs spielt erst einmal keine Rolle. Heute haben wir eine gute Effektivität bewiesen. Jetzt müssen wir uns einfach einmal freuen, so, wie wir uns letzte Woche geärgert haben. Dann kommt auch die Leichtigkeit im Spiel zurück. Dieser 3er wird dabei helfen.

 

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