Von Rundschau-Chefredakteur Thomas Schnelle.

Der Fußball in der 1. und 2. Liga rollt wieder. Allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dem Hygenieplan der DFL als Spielklassenträger sind dabei weite Teile der Medien zum Opfer gefallen. Für Print- und Online-Medien schreibt der Plan maximal zehn Plätze vor. Sechs davon hat bereits die DFL vergeben. Bleiben vier für den ausrichtenden Verein. Der muss zwei an Gäste-Medien vergeben. Macht für die lokalen Medien ganze zwei Plätze im weiten, leeren Stadion. Damit hat die Pandemie ein weiteres Grundrecht „gefressen“. Allerdings fällt es diesmal schwer, die Notwendigkeit für so eine drastische Maßnahme zu verstehen. Politik und DFL sind gut beraten, schnell eine Korrektur vorzunehmen.

Die freie Presse hat – wie es heute so schön heißt – eine systemrelevante Funktion. Sie sorgt dafür, dass sich die Bürgerinnen und Bürger eine Meinung zum gesellschaftlichen Geschehen bilden können. Dafür ist der ungehinderte Zugang zu Nachrichten unabdingbar.

300 passen rein, 310 sind zu viel

Dass in einem Fußball-Stadion mit maximal 300 zugelassenen Personen erhöhte Infektionsgefahr vorliegt, wenn 310 zugegen sind, dürfte schwer vermittelbar sein. Letztlich ist die Mixed-Zone, also der Ort, wo die Medienvertreter eng beieinander auf Interviews mit Spielern warten, die einzige Risiko-Stelle. Die hätte man problemlos schließen können. Zumal, da die meisten Antworten der Fußballer all zu oft wenig erhellende Informationen liefern.

Und die Medienzentren sind nur selten voll besetzt, so dass ein Sicherheitsabstand keine Herausforderung darstellt. Erst recht nicht, wenn all jene, die üblicherweise Zugang zum Medienzentrum haben, ihn aber gar nicht benötigen, draußen blieben.

Da stellt sich die Frage, ob sich hinter dieser Regel vielleicht mehr verbirgt, als man auf den ersten Blick glaubt. Seit Jahren verschärfen die Fußballverbände die Voraussetzungen für Medienvertreter, um von Spielen zu berichten. Nicht unmöglich, dass es die Funktionäre am Liebsten sähen, wenn Informationen nur noch über die Pressestellen der Vereine und ausgesuchten Kooperationspartnern weitergegeben werden. So sind „dumme“ Fragen ausgeschlossen, und die Ware Fußball kann ohne Nebenkriegsschauplätze frei von Störungen vermarktet werden.

Infektionsgefahr in leeren Stadien

Bleibt uns ausgeschlossenen Journalisten allein die Hoffnung, dass diese bösen Vermutungen einzig und allein unseren „kranken“ Hirnen entspringt. Und der Glaube daran, dass es noch Volksvertreter gibt, denen die Grundrechte sehr wohl noch so viel wert sind, wie sich deren Väter einst gedacht haben. Viren vorzuschieben ist gelinde gesagt jämmerlich. Ich nehme auch im völlig leeren Block 12 Platz wenn es sein muss, auf den Kaffee im Medienzentrum kann ich verzichten und jedem sei versichert, dass sich Journalistinnen und Journalisten ihrer Verantwortung sehr wohl bewusst sind. Das kann man von den Fußballern noch nicht sagen.

Da holt sich der Herr Herrlich trotz Quarantäne seine Zahnpasta aus dem Supermarkt, der Herr Kalou schlägt sich in der Vorbereitung mit Herrn Ibisevic ab und singt Corona-Kalauer, und der Ibisevic lässt sich nach seinem Treffer in Hoffenheim von einem Mannschaftskameraden herzeln. So, liebe DFL, geht es nicht.

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