Serviert von Dieter R. Doden

Willkommen in der Rundschau-LesBAR. Ich habe wieder drei neue Bücher für Sie probiert und möchte Ihnen diese heute servieren. Vielleicht inspiriert Sie der eine oder andere Vorschlag, jetzt, wo die ärgste Hitze des Sommers vorüber ist und die Abende schon wieder herbstlich schummrig werden, sich mit einem Buch in die Lieblingsecke zu setzen und sich auf ein anregendes Kopfkino einzulassen. Ich wünsche viel Spaß dabei.

„Thalamus“ von Ursula Poznanski

Buchcover Thalamus

Einige von Ihnen werden die österreichische Autorin kennen. Sie schrieb den Thriller „Erebos“, für den sie 2011 den Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury bekam. Ja, sie schreibt Kinder- und Jugendbücher. Nun winken Sie bitte nicht gleich ab. Ein gut gemachtes Jugendbuch ist durchaus wert, auch von Erwachsenen gelesen zu werden. Die Bücher von Ursula Poznanski gehören dazu. Zumal sie sich in ihrem neuesten Roman einem durchaus nicht seichten Thema widmet. Es geht um die Chancen und Gefahren moderner Hirnforschung. So ist es heute ja durchaus nicht unwahrscheinlich, dass Ärzte medizinische Experimente an lebenden Objekten vornehmen. Wenn die Bezahlung stimmt! – In diesem Falle geht es konkret um Timo (17), der einen schweren Motorradunfall erleidet. Nach längerem Krankenhausaufenthalt landet er in einem Rehazentrum, in dem seltsame Dinge passieren. Ganz andere merkwürdige Dinge könnten in Ihrer Familie geschehen, wenn Sie all zu viel über die Handlung des Romans am Essenstisch erzählen. Vielleicht schnappt sich Ihr Nachwuchs das Buch, bevor Sie die Chance haben, es durchzulesen. Ich spendiere für „Thalamus“ vier von fünf möglichen Sternen.

„Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky

Buchcover von Was man von hier aus sehen kann

Die in Berlin lebende Schriftstellerin Mariana Leky veröffentlichte mit „Erste Hilfe“ 2004 ihren ersten Roman. Bereits 2017 erschien das Buch, um das es hier gehen soll. Es wurde immerhin zum „Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhändler“ gekürt. Worum geht es bei „Was man von hier aus sehen kann“? Es geht um Selma, eine alte Westerwälderin. Sie hat die besondere Gabe, den Tod vorhersehen zu können. Erscheint ihr im Traum ein Okapi – eine Wildgiraffe also – stirbt jemand im Dorf. Doch wer? Das kann niemand vorhersagen. Und so reagieren die Dorfbewohner ganz unterschiedlich auf ihr individuelles mögliches Ende. Unglaublich, was aus dieser Situation für Geschichten erwachsen. Leky erzählt sie so anschaulich, dass einem mal zum Heulen, mal zum Lachen zumute ist. Wie auch immer, es lohnt sich, in den Mikrokosmos dieses Dorfes einzutauchen. Ebenfalls vier von fünf Sternen.

„Ein unvergänglicher Sommer“ von Isabel Allende

Buchcover von Ein unvergesslicher Sommer

Muss man über Isabel Allende viel sagen? Seit „Das Geisterhaus“ weltweit Riesenerfolge feierte, kennt sie eigentlich jeder. Die aus Chile stammende Allende zählt zu den meistgelesenen Autorinnen überhaupt. Sie praktiziert die Erzählkunst in Perfektion. So auch bei ihrem aktuellen Werk „Ein unvergänglicher Sommer“. Ort der Handlung: Brooklyn. Ein Auffahrunfall. Nichts besonders Aufregendes. Meint jedenfalls der als Eigenbrötler bekannte Professor. Bis die Fahrerin des anderen Autos bei ihm vor der Tür steht. Ein Kindermädchen aus Guatemala. Illegal im Land. Zur Polizei gehen kann sie folglich nicht. Und warum sollte sie auch. Nun, in ihrem Kofferraum liegt eine Leiche. Und die muss irgendwie weg. Mehr wird hier aber nicht verraten. Lassen Sie sich von einer großen Erzählerin fesseln. Von mir auch für die dritte Schriftstellerin des 2. Cocktails interessanter Bücher vier von fünf Sternen.

Ich hoffe, mein Cocktail schmeckt Ihnen erneut. Und wie schon beim ersten Treff in der LesBAR mein Wunsch: Behalten Sie Ihren Appetit bis zum nächsten Mal.

Ihr Dieter R. Doden

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