Serviert von Dieter R. Doden

Wieder einmal möchte ich Ihnen einen Cocktail interessanter Bücher servieren. Interessant heißt nicht zwingend, hervorragend und unbedingt lesenswert. Interessant bei Serien ist ja oft, dass sie stark starten und ebenso stark nachlassen. Das trifft auf Filme zu, auf Musikalben und eben auch auf Bücher. Drei gedruckte Paradebeispiele möchte ich Ihnen heute vorstellen. Ob Ihnen die Zutaten für diesen 3. Cocktail schmecken, entscheiden Sie selbstverständich selber.

 „Wer Strafe verdient“ von Elizabeth George

Titel des Buches "Wer Strafe verdient"

Fangen wir einmal mit Elizabeth George an. Die Amerikanerin schreibt einen Bestseller nach dem anderen. Sie erfand als Titelhelden Inspector Lynley und Sergeant Barbara Havers. Das neueste Werk heißt „Wer Strafe verdient“ und ist inzwischen der 20. Fall, der zwischen zwei Buchdeckel gepresst wurde. Im englischen Städtchen Ludlow sind die Bürger erschüttert, weil der Diakon eines schweren Verbrechens beschuldigt wird. Er wird als Pädophiler verhaftet. Im Knast begeht er Selbstmord. Oder doch nicht? Nun ja, das ist eigentlich genug Stoff für Spannung ohne Ende. Aber so richtig will der Funke nicht überspringen. Klar, Elizabeth George kann gut schreiben. Aber irgendwie fehlt das Salz an der Suppe. Es war wohl wieder ein neues Buch fällig. Der Verlag hat eventuell schon gedrängelt? Also sagen wir mal so, wer diesen 20. Aufguss zu sich nimmt, hat Strafe verdient. Das Werk kostet immerhin stolze 26 Euro als gebundene Ausgabe. Und bekommt nur schlaffe drei von fünf möglichen Sternen.

„Die Opfer, die man bringt“ von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt

Titel des Buches "Die Opfer, die man bringt"

Nicht viel besser ergeht es einem Buch, das wie das eben besprochene Werk ganz oben in der Bestsellerliste steht: „Die Opfer, die man bringt“ von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt. Es geht um den nunmehr sechsten Fall für Sebastian Bergman. Der ist Kriminalpsychologe. Diesmal geht es um sein Verhältnis zu seinem ehemaligen Team bei der Reichsmordkommission und um eine Vergewaltigungsserie. Stoff für Spannung ohne Ende? Na ja! Wie das mit Serien halt oft so ist. Band sechs bleibt deutlich hinter den Vorgängern zurück. Die Charaktere sind schwach gezeichnet, die Handlungen häufig vorhersehbar. Ohne Zweifel, die beiden Autoren verstehen ihr Handwerk. Trotzdem, es ist ein kleines Opfer, das man bringt, wenn man sich durch die 560 Seiten wühlt. Was kann man nicht alles für 22,95 Euro sonst noch kaufen. Auch für die zweite Cocktail-Zutat von heute nur drei Sterne.

„Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ von Jonas Jonasson

Titel des Buches "Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten"

Kommen wir zum Hundertjährigen, der so lange Abenteuer erlebt, bis es den Lesern endgültig zum Halse heraushängt. Jonas Jonasson hat wieder zugeschlagen: „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“. Allan Karlsson hat genug von Bali und Dauerurlaub. Er kommt zurück und erlebt erneut unterschiedlichste Abenteuer. Die sind mal ganz nett zu lesen, mal nicht so sehr. Das Strickmuster ist das gleiche, wie beim Hunderjährigen, der aus dem Fenster und so weiter. Schön und gut, aber so ein wenig schmeckt das alles aufgewärmt. Der guten Ordnung halber: Auch Jonas Jonasson kann hervorragend schreiben, keine Frage. Aber man wünscht sich jetzt von ihm mal die Dreißigjährige, die an der Tür klingelte um mal ganz was Neues zu erleben. Oder so ähnlich. Ich baue jetzt auch eine Serie: Weitere drei Sterne von mir.

Ja, Serien konstant auf allerhöchstem Niveau zu halten, ist nicht einfach. Eingefleischte Fans wird das nicht vom Konsumieren der neuen Werke abhalten. Das ist auch gut so. Generell glaube ich aber, dass nach Tagen Erbsensuppe, sei sie auch noch so lecker, mal eine Currywurst sein muss.

Lassen Sie sich wegen der drei Sterne-Serie aber nun nicht vom Lesen abhalten. Schauen Sie mal in die Rundschau. Dort finden Sie ebenfalls Buchtipps. Und ich kann auch anders: Fünf Sterne sind keine Seltenheit. Und bedenken Sie immer wieder, was ich hier geschrieben habe, ist meine ureigene und somit subjektive Meinung. Sie dürfen selbstverständlich ganz anderer Meinung sein. In diesem Sinne: Lassen Sie sich den Cocktail schmecken. Und behalten Sie Appetit bis zum nächsten Mal.

Ihr Dieter R. Doden