LesBAR:Über Hamster, Königreiche und das Älterwerden

Serviert von Dieter R. Doden

Herbstzeit ist bekanntlich Lesezeit. Ich möchte heute Ihr Augenmerk auf drei Bücher lenken, die es zwar in die Besteseller-Listen schafften, aber nicht unbedingt auf das Treppchen der meistgekauften Werke kamen. Dennoch sind sie es wert, beachtet zu werden. In der Hitliste am weitesten nach oben geschafft hat es

 

„Hamster im hinteren Stromgebiet“ von Joachim Meyerhoff

Das Buch: Hamster im hinteren Stromgebiet

Der Autor sorgt seit einiger Zeit mit seinem Zyklus „Alle Toten fliegen hoch“ als brillanter Erzähler für Aufsehen. Er war 14 Jahre lang außerdem Mitglied im Ensemble des Wiener Burgtheaters. In beiden Rollen, als Schauspieler und Schriftsteller, räumte er hochkarätige Preise ab. Nun also sein fünfter Band aus besagtem Zyklus. Das Buch „Hamster im hinteren Stromgebiet“ befasst sich mit der Frage, was passiert, wenn man wegen eines gesundheitlichen Tiefschlages aus dem prallen Leben gerissen wird. Mit viel Selbstironie erzählt Meyerhoff über Meyerhoff. Und darüber, wie er mit 50 auf der Intensivstation landet. Ausgerechnet er, der doch immer bis an seine Grenzen ging. Als Leser*in fragt man sich unwillkürlich, ob man über einen Menschen, der gerade einen Schlaganfall erlitten hat, lachen darf. In diesem Fall: ja. Man ist hin- und hergerissen zwischen Mitgefühl und Tränenausbruch und schallendem Lachen. Auch Band fünf des Meyerhoffschen Zyklus ist ein gelungener Beweis dafür, dass der Autor nicht nur gut schauspielern, sondern hervorragend erzählen kann. Dafür bekommt er vier von fünf möglichen Sternen.

 

„Ihr Königreich“ von Jo Nesbø

Das Buch: Ihr Königreich

Auch der Bestseller-Autor für spannende Kriminalromane war wieder fleißig. Die Harry-Hole-Serie geht weiter. „Ihr Königreich“ befasst sich mit der Frage, wie weit man für seinen Bruder gehen würde. Die Story ist schnell umrissen: Roy ist in Alarmstellung. Offenbar bringt die Rückkehr von Bruder Carl Unglück. Außerdem ist Carls Frau genau Roys Typ. Was natürlich für Unruhe sorgt… Ist das der Stoff, aus dem Krimis sind? Na ja, da kommt selbstverständlich noch mehr auf den fast 600 Seiten. Lassen Sie sich überraschen. Jo Nesbø hat endlich wieder zurück in die Spur gefunden. Es schien ja so, als wäre sein Held Harry Hole langsam die Luft ausgegangen und die Lust vergangen. Die Lust scheint zurück zu sein, was die Luft angeht, scheint hier noch ein Weg nach oben zu bestehen. Nein, so ganz überzeugen will der Stoff nicht. Dieser Buch bekommt nur drei Sterne. Kann es sein, dass sich manche Serien eben doch irgendwann totlaufen?

 

„Die Ältern“ von Jan Weiler

Das Buch: Die Ältern

Noch ein fantastischer Erzähler. Jan Weiler hat bewiesen, dass er prima Geschichten erzählen kann. Zum Beispiel in seiner Online-Kolumne „Mein Leben als Mensch“. Was er dort auf ganz ureigene humorvolle Art zum Besten gibt, ist nun in einem Druckwerk vereint. Was bedeutet, ganz frisch ist das nicht. Aber dennoch lesenswert. Es geht hier nicht nur schlicht um Eltern, sondern um die „Ältern“, die immer älter werden sowie um den Nachwuchs, der in gleichem Tempo flügge wird. Welch Herausforderung. Kinder zu haben, die noch nicht erwachsen sind, aber auch keine Kleinen mehr sind, ist an sich schon ein Problem. Zeitgleich zu erkennen, dass der Zahn der Zeit an einem selber nagt wie verrückt, ist geradezu Wahnsinn. Weiler greift diese doppelten Problemfelder mit Gelassenheit auf. Glücklich ist, wer akzeptiert, was sowieso nicht zu ändern ist. Früher oder später gehören alle zu den „Ältern“. Eine beruhigende Erkenntnis, oder? Vier Sterne dafür.

 

Womit wir schon wieder am Ende wären. Ich hoffe, Sie finden Geschmack am 17. Cocktail aus der LesBAR. Und bitte behalten Sie Appetit auf den nächsten Cocktail. Bis dahin gute Unterhaltung mit einem neuen Buch.

 

Dieter R. Doden

 

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