Die LesBAR mit neuen Cocktails

Serviert von Dieter R. Doden

Es kommt nicht oft vor, dass mir – wie man so sagt – der Kamm schwillt, wenn ich mich mit einem neuen Buch befasse, das in den Bestseller-Listen aufgetaucht ist. Diesmal ist es mir jedoch tatsächlich so ergangen. Ich habe überlegt, ob ich es einfach nicht erwähne, um Sie nicht neugierig zu machen. Dann habe ich mich doch entschlossen, es in dieser Rubrik in Erscheinung treten zu lassen. Schließlich können Sie selber entscheiden, was Sie lesen möchten und was eben auch nicht. Ich gebe hier nur Empfehlungen. Oder eben auch nicht. Um es vorweg zu sagen, das erste Buch, um das es heute geht, empfehle ich nicht.

„Über Menschen“ von Juli Zeh

Das Buchcover Über Menschen von Juli ZehDie Schriftstellerin Juli Zeh schreibt einen Bestseller nach dem anderen, hat Welterfolge und inzwischen jede Menge Preise erhalten. 2018 wurde sie sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ohne Zweifel ist sie eine hochgebildete Persönlichkeit, die weiß, was sie tut und schreibt. „Über Menschen“ ist ein weiterer Erfolgsroman, der nun auf den Markt kam und sofort in die Liste der Verkaufsstärksten kam. Worum geht’s? – Dora ist aufs Land gezogen. In ein Dorf in Brandenburg. Dort hat sie einen Nachbarn mit kahl rasiertem Kopf und rechten Sprüchen. Nun, so etwas kommt halt vor heutzutage. Man kann sich seine Nachbarn nicht aussuchen. Im Buch wird der Dorf-Nazi als sympathischer Mann dargestellt, der im Kern ein guter Mensch ist und halt nur hin und wieder Aussetzer hat. Juli Zeh malt hier das Bild des Bilderbuch-Nazis, der eigentlich nicht schlimm ist. Und das finde ich überaus schlimm. Für mich gibt es keine guten und schlechten Nazis. Leute, die eine derartige Gesinnung offen zur Schau stellen und sich dabei offensichtlich auch noch heldenhaft vorkommen, sind in meinen Augen per se schlecht. Und Nazis – sei es auch in einer fiktiven Romanhandlung – zu verharmlosen, finde ich ebenso schlecht. Nein, da hat Juli Zeh voll in die stinkende braune Masse gegriffen. Von mir keinen einzigen Stern von eigentlich fünf möglichen.

„Vom Aufstehen“ von Helga Schubert

Das Buchcover "Vom Aufstehen" von Helga SchubertDie Autorin Helga Schubert heißt in Wahrheit Helga Holm. Keine Unbekannte auf dem Büchermarkt. 2020 bekam sie den Ingeborg-Bachmann-Preis. Sie wuchs in Ost-Berlin auf und war bereits in der DDR eine bekannte und anerkannte Schriftstellerin. Nun hat sie also unter Pseudonym das Buch „Vom Aufstehen“ veröffentlicht. Es ist ebenfalls – wie das oben schon beschriebene Werk – in der Bestseller-Liste vertreten. Und das ist gut so. Die Autorin beschreibt darin in einfühlsamen Episoden die deutsche Geschichte eines Jahrhunderts. Ihre Mutter sagte zu diesem Zeitabschnitt ihrer Tochter einmal: „Drei Heldentaten habe ich im Leben vollbracht. Ich habe dich nicht abgetrieben, dich im 2. Weltkrieg mit auf die Flucht genommen und vor dem Einmarsch der Russen nicht erschossen.“ Helga Schubert schreibt über ihr Leben. Bewegend, ermutigend, offen und schonungslos. Sie schreibt über das immer wieder Aufstehen, egal, was kommt und was gewesen ist. Es ist auch eine gekonnte Rückblende in die Zeit der DDR. Durch die Verquickung mit Persönlichem vielleicht eines der besten Bücher über die DDR. Von mir vier Sterne.

„Mörderfinder – Die Spur der Mädchen“ von Arno Strobel

Das Buchcover "Möderfinder" von Arno StrobelJetzt noch ein wenig aufregendere, aber dennoch hoch spannende, Lesekost zum Ende. „Mörderfinder“ ist ein Thriller um den Fallanalytiker Max Bischoff. Und was für einer. Der Schriftsteller lebt als freier Autor in Trier und ist ein Freund von Grenzerfahrungen, wie er selbst sagt. Kein Wunder, dass er in seinen Büchern die Leserinnen und Leser gern mit auf eine grenzüberschreitende Reise nimmt. Irgendwie geht es immer in die dunkelsten Winkel menschlicher Seelen. Urängste werden geweckt. Kein Stoff für zart besaitete Angsthasen. Wer aber gern Gänsehaut-Literatur vor dem Einschlafen liest, liegt hier genau richtig. Es geht um eine Grundschülerin, die auf dem Schulweg verschwand und nie wieder auftauchte. – Ist aber zum Glück alles nur erfunden. Darum erneut vier Sterne von mir.

Womit wir am Ende sind. Der Cocktail interessanter Bücher ist diesmal etwas anders ausgefallen als sonst. Ich hoffe, er hat Ihnen trotzdem geschmeckt. Behalten Sie bitte Appetit auf den nächsten Cocktail an dieser Stelle oder in Ihrer Regionalzeitung „Rundschau“ beziehungsweise „Lehrscher Bote“.

Herzlichst
Ihr Dieter R. Doden

 

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