Neues aus der LesBar

Immer wieder passiert es, dass Buchneuerscheinungen ganz oben in der Bestseller-Liste landen und die Rezensionen dann doch recht unterschiedlich ausfallen. Ich habe für den „siebten Cocktail interessanter Bücher“ in der LesBAR drei solcher Werke ausgesucht. Bücher, die derzeit viel gekauft und folglich ziemlich weit oben gelistet werden, die aber bei den Leserinnen und Lesern durchaus nicht nur positiv beurteilt werden. Legen wir also los:

 

„Der Bücherdrache“ von Walter Moers

 

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Der Autor ist sicherlich nicht nur jungen Lesern ein Begriff. Walter Moers ist der Erfinder von „Käpt´n Blaubär“ und vom „Kleinen Arschloch“. Während er für das Fernsehkonzept seines Blaubären den Adolf-Grimme-Preis erhielt, wollte man eines der Bücher seiner Serie „Kleines Arschloch“ auf den Index setzen. Das hat allerdings nicht geklappt. Man sieht aber, dass es durchaus Widersprüche gibt, was die Werke des Autors Moers angeht. Worum geht es beim „Bücherdrachen“? Grundsätzlich um die Buchlinge, die in seinen Werken eine gewichtige Rolle spielen. Und um eine uralte Geschichte vom sprachmächtigen Drachen Nathaviel, der – so erzählt man sich in den Katakomben von Buchhaim – aus lauter Büchern besteht. Man sagt, der Bücherdrache habe auf jede Frage eine passende Antwort. Nun ja, ob er auch die Frage beantworten kann, warum das Buch so weit oben in der Bestseller-Liste landete? „Der Bücherdrache“ ist ein Märchen, ein Fantasy-Roman. Derlei Stoff hat seine Fans. Ganz Hartgesottene sind begeistert. Manche haben aber auch den verdacht, dass Walter Moers diesmal keine rechte Lust mehr hatte. Die Vorgängerbücher rund um die Buchlinge waren besser. Da sind wir wieder bei dem so häufig anzutreffenden Problem der Serien. Irgendwann ist die Luft mal raus. Darum bekommt der Drache auch nur drei von fünf möglichen Sternen.

 

„Liebes Kind“ von Romy Hausmann

 

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Vom Märchen zum Thriller. Romy Hausmann lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Stuttgart. In einem Waldhaus, weitab von Nachbarn. Aha! Ihre Umgebung gab ihr also die Idee zum Debüt-Thriller „Liebes Kind“. Denn die Romanheldin Lena lebt mit Mann und zwei Kindern in einer fensterlosen Hütte im Wald. Strenge Regeln bestimmen den Tagesablauf. Ein sogenannter Zirkulationsapparat versorgt die Familie mit Sauerstoff. Der Vater sorgt dafür, dass der Rest der Familie wohlbehütet und abgeschieden von der Welt leben kann. Ob das gut geht? Wohl nicht, denn dann wäre es ja kein Thriller. Alles in allem ist der Stoff stimmig. Der Schreibstil streckenweise nicht hundertprozentig überzeugend. Ein Erstlingswerk im Segment Thriller halt. Da hat Hausmann Luft nach oben. „Liebes Kind“ mag nicht das Lieblingsbuch der Thrillerfans werden. Lesenswert ist es schon. Vier Sterne!

 

„1793“ von Niklas Natt och Dag

 

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Kommen wir nun zu einem echt harten Brocken. Nicht, weil dieses Buch 496 Seiten hat. Viel mehr wegen des Inhaltes. „1793“ spielt anno 1793 in Stockholm. Das war keine Zeit für Weicheier. In der schlammigen Stadtkloake schwimmt eine Leiche. Es sind die fast nicht wiederzuerkennenden Überreste eines Menschen. So weit, so nicht sensationell neu. Ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig ist vielmehr der Schreibstil. Mit einem Wort: Brutal! Manche Szenen schildern, wie ein Leser in seiner Buchbewertung schreibt, die ärgsten Abgründe menschlichen Wesens. In einer Abartigkeit, die vielen Leserinnen und Lesern eindeutig zu weit geht. Auch die wildeste Fantasie hat irgendwo Grenzen. Ob sie hier überschritten wurde, mag jeder selber entscheiden. Wie gesagt, das Jahr 1793 war keine Zeit für Weicheier. Dieses Buch ist ebenfalls nichts für zartbesaitete Seelen. Von mir daher nur zwei Sterne.

 

Wie ich eingangs ja schon schrieb, es gibt Bücher, bei denen man sich fragt, warum die so weit oben in der Bestseller-Liste angesiedelt sind. Diese Bücher gehören dazu. Auch wenn sie letztendlich irgendwie interessant sind. Und darum geht es in dieser Rubrik letztendlich. Lassen Sie sich also durch meine Meinung diesen Cocktail nicht vermiesen. Lesen Sie ruhig in die Werke hinein und wenn Sie mögen die Bücher durch. Und – ganz wichtig – behalten Sie Appetit bis zum nächsten Mal.

Serviert von Dieter R. Doden

 

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