Puccinis Oper Madama Butterfly (auch Madame Butterfly) ist alles andere als schwere Opernkost. Und ein Happy-end hat sie auch nicht. Dennoch freuen sich alle in der Region darauf, dass Drama der Liebe zwischen Cio-Cio-San und dem amerikanischen Marineoffizier Pinkerton, der in der deutschen Übersetzung übrigens Linkerton heisst, mitzuerleben. Denn alle dürsten danach, wieder Theater live zu erleben, sich mit anderen fachlich oder auch weniger über das Geschehen auf der Bühne auslassen zu können. Es ist Burgplatz-Opern-Zeit. Und wenn Wetter und Corona mitspielen, dann werden bis zum 21. Juli in 19 Vorstellungen immerhin 12.350 Besucher:innen denn dramatischen Tod Cio-Cio-Sans miterleben. Das ist zwar nur die Hälfte des eigentlich möglichen Volumens, doch Corona fordert Plätze und den Verzicht auf die sonst übliche Premierenfeier.

Am kommenden Samstag ist es soweit – Premiere. Vom Trommler bis zur Solostimme, alle fiebern dem Auftakt entgegen. Kein Wunder nach der Absage im vergangenen Jahr und der langen Durststrecke. So nett die vielen, meist digitalen Substitute auch gedacht waren, ein gleichwertiger Ersatz sind und konnten sie nicht sein. Theater ist Theater und das sind auf der einen Seite die Künstler, die spielen, und auf der anderen das Publikum, das applaudiert. Wenn’s geht bis zum Umfallen. Genau diese Momente sind unersetzlich, das ist des Künstlers Brot.

Unsere Empfehlung: schnell noch ein, zwei der Restkarten sichern. Denn Madama Butterfly dürfte so schnell nicht wieder auf der Burgplatz-Bühne landen. Da war sie bereits im Jahr 2009 (siehe Foto).

Bühne der Oper Madama Butterfly 2009
2009 spielten Cio-Cio-San und Pinkerton in einer aufwendig gestalteten Szenerie und begeisterten die Besucher auf dem Burgplatz.

Puccinis Werk ist aus Sicht der Regisseurin Andrea Schwalbach  perfekt geeignet, ohne großes Brimborium aufgeführt zu werden. Ein großes Drama fordere große Sänger:innen und Persönlichkeiten. Und die gäbe es in Braunschweig allemal. Volle Konzentration der Geschichte und der bezaubernden Musik eines Komponisten, dessen Streben nach emotionaler Wahrhaftigkeit sein Leben bestimmte.

Das Publikum in Braunschweig darf darüber philosophieren, welche Cio-Cio-San die Beste war – Julie AdamsCristiana Oliveira oder Izabela Matula. Ergebnis offen. Da die meisten Besucher jeweils nur eine, also ihre Cio-Cio-San zu sehen und zu hören bekommen. Hingegen gibt es Pinkerton lediglich zweifach: in Person von Kwonsoo Jeon und Angelos Samartzis.

So komfortabel wird es für das verkleinerte Orchester von Musikdirektor Srba Dinić nicht. Die Hygienevorschriften zwingen zu Arbeitsbedingungen, die populistisch ausgedrückt, brutal sind. Bläser müssen große Abstände einhalten, Trennwände müssen gezogen werden und den Schlagzeuger sieht der Dirigent nicht einmal. Der muss mit einem Monitorbild auskommen. Und wenn es regnet all das auch noch unter einer schweren, schwarzen Plane.

Srba Dinic: „Trotz all der Hindernisse ist es gelungen, dafür zu sorgen, dass die Besucher keinerlei künstlerische Abstriche hinnehmen müssen. Nicht einmal beim Chor. Die 15 Choristen müssen zwar ebenfalls Abstand halten, tragen eine eigens konstruierte Haube, unter der sie dann auch noch FFP2-Masken zu tragen haben, aber dennoch werden sie stimmlich überzeugen.“ Dafür haben sie extra und hart trainiert.

Frank Kornath interviewt Srba Dinic und Andrea Schwalbach zur Burgplatz-Oper Madama Butterfly
Okerwelle-Reporter Frank Kornath interviewt Srba Dinic und Andrea Schwalbach zur Burgplatz-Oper Madama Butterfly.

All das klingt etwas abenteuerlich. Doch Intendantin Doris Schlingmann ist voller Stolz darüber, dass sich niemand im Team als Bedenkenträger erwiesen habe, sondern alle mit Motivation und Begeisterung an Lösungen für alle Probleme gearbeitet haben. Nur gut, dass es dafür mehr Zeit als sonst gab. Denn das große Programm gab es ja nicht.

Egal, wie die Premiere ausgeht, egal, was am Ende die Besucher sagen, dieses Ensemble und diese Intendantin haben es sehr wohl verdient, ausgezeichnet zu werden für dieses besondere Engagement. Das Publikum verbeugt sich vor den Künstlern.

Positiv ist auch die klare Positionierung des Hauptsponsors BS Energy. Der Vorstands-Vorsitzende Jens-Uwe Freitag erklärte bei der Burgplatz-Pressekonferenz, dass BS Energy früh und schnell entschieden habe, vorerst bis 2023 Partner des Staatstheaters zu bleiben. Eine Tatsache, die Theater-Verwaltungsdirektor Stefan Mehrens naturgemäß gern zur Kenntnis nahm.

 

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