„Über Tod muss gesprochen werden“, gerade auch mit Kindern – davon ist Carsten Richter überzeugt. Den Erlös aus der „Adventsaktion 2018“ hat er – gemeinsam mit seinem Team der Altstadtbäckerei – dem Hospizverein gespendet. Der Betrag sollte, so der ausdrückliche Wunsch, der Kinder- und Jugendarbeit zugutekommen.

Über Tod muss gesprochen werden –  und nicht erst dann, wenn er plötzlich in die Erfahrungswelt der Kinder eingebrochen ist. Deswegen war man sich im Vorstand des Vereins schnell einig: „Von der großzügigen Spende werden wir Kinder- und Jugendbücher anschaffen.“ Bücher können gute Wegbegleiter sein, um über Erfahrungen und Gefühle mehr und mehr ins Gespräch zu kommen.

Vier Rollschränke mit Büchern

In dieser Woche ist es soweit: In den Räumen des Hospizvereins werden vier Rollschränke mit Büchern präsentiert: Bilderbücher für Vorschulkinder, Bilder- und Kinderbücher für Grundschulkinder, Bücher für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II.  Die mobilen Bibliotheken können von den Kitas und Schulen in Stadt und Landkreis Wolfenbüttel ab sofort kostenfrei ausgeliehen werden. Dagmar Ammon vom Vorstand des Hospizvereins zeigt sich sichtlich erfreut: „Ohne Sie und Ihr Team, Herr Richter, hätten wir dieses wichtige Bücherprojekt nicht so bald realisieren können.“

Für die Auswahl waren die verschiedenen Altersstufen sowie sprachliche und gestalterische Kriterien maßgeblich. Außerdem sollten sich möglichst verschiedene Situationen in dem Fundus von ca. 25 Büchern pro Zielgruppe wiederfinden: der Tod eines Haustieres, Krankheit und Sterben von Großeltern, Eltern, Geschwistern, Freunden…

Helga Hoffmann, Sterbebegleiterin im Hospizverein, hat sich besonders intensiv mit der Auswahl beschäftigt. „Wir haben auch das eine oder andere Buch, das uns empfohlen wurde, wieder verworfen. Als ehemalige Grundschullehrerin weiß ich, wie gut Kinder den Transfer von Tieren auf Menschen leisten können.“ So sind für Vorschul- und Grundschulkinder viele Bücher mit Tieren als Handlungsträgern dabei. Gemeinsam mit einer Kollegin hat sie zudem eine Orientierungshilfe für Erzieherinnen und Grundschullehrkräfte erstellt. Und: sie kann Kollegien, die eine Bibliothek ausleihen möchten, bei der Auswahl auch persönlich beraten.

Über Tod muss gesprochen werden! Die mobilen Bibliotheken des Hospizvereins bieten vielfältige Impulse. Ob sie von den Kitas und Schulen angenommen werden? Birgit Oppermann, Leiterin der Grundschule Harztorwall: „Als Projekt gewiss. Aber: wann ist das Thema so normal wie jedes andere, so dass wir es in den Unterricht integrieren können?“

Kooperation mit Bücherprojekt

Für den Hospizverein ist das mobile Bücherprojekt ein Baustein in dem Bemühen, mit Lehrkräften und Erzieherinnen zu kooperieren. So ist fürs kommende Jahr ein Theaterstück für alle Schulen angedacht. Gern kommen die Ehrenamtlichen in die Fachkonferenzen und in den Unterricht, z.B. im Rahmen des Programms „Hospiz macht Schule“. Und in die Zukunft gedacht? „Ganz oben auf unserer Wunschliste stehen Angebote für die Zeit nach einem Todesfall, wenn Kinder und Jugendliche trauern“, erläutert Vorstandsmitglied Ulrike Jürgens. „Alles muss über Spenden finanziert werden. Da können Sie ermessen, wie wertvoll Aktionen wie die des Richter-Teams sind. Da kommt uns auch die Aktion ‚Das Goldene Herz‘, die die ‚Braunschweiger Zeitung‘ in diesem Jahr unter das Motto ‚Wenn Kinder Abschied nehmen müssen‘ gestellt hat, sehr gelegen.“

 

Bildtext:

Carsten Richter (Richter Altstadtbäcker) hat dieses Projekt ermöglicht: vier „mobile Bibliotheken“ zu den Themen Sterben, Tod, Trauer, die der Hospizverein Kitas und Schulen zur Ausleihe anbietet. Bei der Übergabe waren dabei: Carsten Richter (Mitte), Birgit Oppermann (Grundschule Harztorwall, rechts) und vom Hospizverein Wolfenbüttel v.l.n.r. Ulrike Jürgens, Dagmar Ammon, Helga Hoffmann und Eva Reuleke.

 

Foto: © Tanja Bischoff

Zur Startseite