Vechelde. Die Gemeinde Vechelde und der Bürgerverein ZeitRäume e.V. weihen die neue Ausstellungseinheit am Donnerstag, 6. Juni 2019 ein. Die beiden wissenschaftlichen Bearbeiter Meike Buck und Carsten Grabenhorst werden um 19:00 Uhr im Kuhstall der ZeitRäume einen Vortrag über das Projekt halten.

Die ZeitRäume Bodenstedt, die seit 2011 einladen, die Geschichte vom Kaiserreich bis in die 1960er Jahre zu entdecken, werden um eine weitere Ausstellungseinheit erweitert. „Bisher gab es keine Informationen über die Zeit des Nationalsozialismus“, erklärt Christoph Mayer, der Vorsitzende des Bürgervereins ZeitRäume Bodenstedt, der die Hofstelle bespielt. Daher initiierte der Verein gemeinsam mit der Gemeinde Vechelde und zahlreichen Förderern das Projekt „Rudolf Paes und der Reichsforstminister. Forstwirtschaft im Herzogtum Braunschweig im Nationalsozialismus“, um diese Jahre am Beispiel des Hofes und seiner Bewohner zu beleuchten.

Neue Ausstellungsreihe

Im Zentrum der neuen Ausstellungseinheit steht Rudolf Paes. Er heiratete 1939 Marie Luise Meier, die den Hof von ihren Eltern übernommen hatte. Paes war Forstbeamter und richtete sich auf dem Hof ein Arbeitszimmer ein, das auch nach seinem Tod 1990 nahezu unverändert blieb. An dem Schreibtisch arbeitete er an lokalgeschichtlichen Werken und schrieb Gedichte.

Seine Biografie steht exemplarisch für viele Menschen, die in der Zeit der Weimarer Republik aufwuchsen und empfänglich für den frühen Nationalsozialismus waren. Später mussten sie sich den veränderten Umständen anpassen. So bekam Rudolf Paes nach dem Krieg keine Stelle mehr im Forstdienst. Er übernahm 1961 nebenberuflich das Amt des Standesbeamten der Gemeinde Bodenstedt, sein Büro diente auch als Trauzimmer.

Zeitgeschichte

Mit dem Projekt zeigen die ZeitRäume Bodenstedt, dass sie weit mehr als die Geschichte eines Gebäudes und seiner Bewohner im Dorf zeigen können. Vielmehr wird deutlich, dass an zahlreichen Punkten angeknüpft werden kann, weil kleine topographische Einheiten nicht unverbunden, gleichsam unberührt in ihrer Umwelt existieren, sondern immer mit der „großen Geschichte“ in Beziehung stehen und eine gegenseitige Beeinflussung festgestellt werden kann. Insofern soll das Projekt auch Ermunterung sein, weitere Themen in der Art zu bearbeiten, dass ausgehend vom Lokalen das Überörtliche in die Dorfgeschichte hineingeholt wird.

Vermittlungsarbeit

Uns ist besonders die Vermittlungsarbeit wichtig“, erklärt Britta Schwarz-Landeck, die von der Gemeinde Vechelde die ZeitRäume und das Projekt betreut. „Die kleinteiligen Forschungsergebnisse sollen in eine Sprache und in Projekte „übersetzt“ werden, die ohne fachwissenschaftliche Vorbildung verständlich sind.“ Das Ergebnis ist eine Medienstation, bei der die Besucher Informationen über Rudolf Paes und seine Biografie finden, dazu zahlreiche historische Fotos. Zudem gibt es eine gedruckte Broschüre für diejenigen, die Zuhause noch etwas mehr lesen möchten.

Forstwirtschaftliche Geschichte

Das Projekt konzentriert sich auf eine konkrete Person und eine topographische Einheit, in diesem Fall das Dorf Bodenstedt. Allzu leicht entsteht das Bild, dass die großen, entscheidenden Ereignisse und damit auch die Verbrechen des Nationalsozialismus weit weg entschieden und umgesetzt wurden, fernab von der auch im Krieg weitgehend bewahrten Idylle des ländlichen Lebens. Auch dieser Vorstellung wird entgegengewirkt, wenn man aufzeigt, wie ein Leben in diesem Dorf mit der allgemeinen Geschichte Deutschlands im Nationalsozialismus verbunden war. Anhand der Biographie von Rudolf Paes wird mit der Forstwirtschaft zudem ein Bereich in den Fokus gerückt, der bisher vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit gefunden hat.

 

 

 

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