Am 25. Spieltag in der 3. Liga erteilte der Tabellenelfte, Würzburger Kickers, dem Fünften, Eintracht Braunschweig, eine deftige Lektion. Am Ende gewann Würzburg mit 3:1 und rückten in der Tabelle bis auf einen Punkt an die Eintracht heran. Ein Spiel, das sich die Löwen noch einmal in Ruhe anschauen sollten. Was die Platzherren in den ersten 45 Minuten an Lauf- und Kampfbereitschaft zeigten, davon könnten sich die Niedersachsen zwei Scheiben und mehr abschneiden. Mit diesem Leistungsniveau kann und wird es für Eintracht Braunschweig nach unten gehen.

Aus einer stabilen Defensive wollten die Löwen Konter setzen. Das belegt die Taktik, für die sich Trainer Antwerpen entschieden hatte: 4-1-4-1. Becker, Burmeister, Ziegele und Kijewski in der Abwehr, Nehrig davor. Feigenspan, Kammerbauer, Biankadi und Bär im Mittelfeld und Pourié als einzige Sturmspitze. Doch diesmal ging die Taktik nicht auf.

Denn bereits in der 2. Minute klingelte es im Kasten der Löwen. Sané bekommt einen Einwurf auf den Fuß und zieht von Ziegele nicht gestört einfach einmal ab. Eigentlich alles andere als gefährlich. Doch Fejzic im Tor der Eintracht war offensichtlich in Gedanken woanders und ließ den Ball durch. Ein Treffer mit Wirkung.

Denn jetzt war es mit der Marschroute und der Ordnung völlig dahin. Auf dem Platz war auch kein Spieler in der Lage, den Hebel umzulegen. Routinier Bernd Nehrig glänzte statt durch Anweisungen an seine Mannschaftskameraden durch unfaires Spiel, wofür er in der 13. Minute auch verdient Gelb sah.

Zweikampfszene aus der Partie Eintracht gegen Kaiserslautern
Marvon Pourié (hier im Spiel gegen Jena) erzielt sein erstes Tor für die Eintracht bei der 1:3-Niederlage in Würzburg. Foto: Agentur Susanne Hübner

Würzburg überlegen

Die Würzburger Kickers machten Druck und gingen gefühlt immer mit einem Mann mehr in jeden Zweikampf. Für die Eintracht blieb keine Sekunde, um Luft zu holen. Sofort verfiel die Mannschaft in alt bekannte Muster – in ein belangloses Gekicke. Der Ball und die Verantwortung liefen quer durch die eigene Hälfte und mangels Anspielstationen in der Offensive eher nach hinten.

Genau aus solch einer Situation entsprang dann auch das 2:0 für Würzburg. Burmeister verlor den Ball an Sané. Der bediente den frei stehenden Baumann. Bumms, drin! So einfach ist Fußball. Die Löwen in allen Situationen zu passiv, zu spät, zu weit weg vom Gegner.

Was sich im weiteren Verlauf auch nicht änderte. Dass es nur mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Kabine ging, war schon beachtlich. Es hätte gut und gern 4:0 stehen können.

Drei Wechsel zur Halbzeit

Nicht ein Braunschweiger Spieler agierte bis zum Halbzeitpfiff auf Normalniveau. Die Taktik, defensiv stabil zu stehen, setzt ja voraus, dass jeder seine Aufgabe konzentriert wahrnimmt. Das war an diesem Tag aber nicht der Fall. Da hätte Antwerpen auch früher reagieren können, wenn nicht gar müssen. So aber setzte er mit Wiederanpfiff alles auf eine Karte und wechselte gleich dreimal.

Nehrig, Feigenspan und Biankadi blieben in der Kabine, Kessel, Kobylanski und Proschwitz kamen. Das war durchaus mutig und macht deutlich, dass es in der Kabine kaum kuschelig zugegangen sein dürfte.

Anfangs schien es auch, als würde die Rechnung aufgehen. Besonders Kessel machte sofort Druck. Und in der 52. Minute und in der 54. Minute setzte Kobylanski erste, offensive Akzente. Seine Schüsse verfehlten das Tor jedoch deutlich. In der 55. Minute versuchte es Burmeister. Aber auch er fand das Tor nicht.

Würzburg kann zulegen

Würzburgs Trainer Schiele reagiert und mahnte von außen. Die Kickers schalteten wieder den Vorwärtsgang ein und konnten sich vom Druck der Braunschweiger befreien. Vrenezi und Sontheimer scheiterten zwar mit ihren Torschüssen, machten aber dennoch deutlich, dass sie längst noch nicht am Ende waren mit ihrem Latein. Wer glaubte, dass die herausragende Laufbereitschaft der ersten Halbzeit Tribut fordern würde, der sah sich getäuscht.

Das nächste Tor machte dennoch der Gast aus Niedersachsen. Eine wahrlich sehenswerte Kombination über Proschwitz, Kobylanski, Bär führte zum Anschlusstreffer und ersten Tor von Marvin Pourié.

Zweikampfszene aus der Partie Eintracht gegen Kaiserslautern
Marvon Pourié (hier im Spiel gegen Jena) erzielt sein erstes Tor für die Eintracht. Foto: Agentur Susanne Hübner

Schiele reagierte schnell. Erst brachte er Hofmann für Vrenezi, wenig später Hermann für den starken Stürmer Baumann.

Zwar war die Partie jetzt insgesamt offener, aber die gefährlicheren Aktionen riefen die Platzherren herauf. Die sich dann auch für ihren Einsatz belohnten. In der 83. Minute scheiterte Kaufmann mit seinem Schuss am Pfosten. Von dort prallte der Ball vor die Füße von Sané – 3:1. Burmeister stand auch in dieser Situation viel zu weit weg.

Hoffnungen erloschen

Der Teilerfolg in Duisburg und der Sieg gegen Kaiserslautern hat die Löwen also doch nicht auf die Erfolgsspur zurück geführt. Die Hoffnungen auf nachhaltige Besserung sind mit der Partie in Würzburg wieder erloschen.

Pouriés Worte nach dem Spiel sind in dem Kontext beachtlich. Sein Fazit: „Wir müssen als Mannschaft darauf reagieren und nicht als individuelle Leistungsträger“. Nicht gerade Ausdruck mannschaftlicher Geschlossenheit. Was sich ja auch auf dem Platz zeigt. In allen relevanten Bereichen wie gegenseitiges Helfen, Anbieten, Kampf- und Laufbereitschaft war Blau-Gelb unterlegen. Auch in der zweiten Halbzeit, als es durchaus etwas besser lief. Doch hochklassige Torchancen hat sich die Mannschaft nicht herausgespielt.

Vielleicht war sie ja der Meinung, das sei nicht notwendig. Denn Peter Vollmann hatte vor dem Spiel auf Magenta-Sport noch verkündet, dass er von dem Gerede, jedes Spiel sei nun ein Endspiel, nicht viel halte. Aus seiner Sicht fallen die Würfel in den letzten fünf Spielen. Spielt die Eintracht weiter wie bisher, dann ist sie zu diesem Zeitpunkt, also ab dem 18. April, schon längst aus dem Rennen.

Beachtlich ist auch die Tatsache, dass es Trainer Antwerpen offensichtlich nicht gelingt, seiner Eintracht eine Linie zu „verpassen“, die die Mannschaft in die Lage versetzt, ihr eigenes Spiel aufziehen zu können. Die permanente Ausrichtung auf den Gegner führt zu Reaktion und nicht etwa zu Aktion. Unter Antwerpen gab es noch kein Spiel, in dem die Eintracht über 90 Minuten das Spiel bestimmt hätte.

Was aber anbetracht der klangvollen Namen im Kader zu erwarten gewesen wäre. Mehr Mut zum Risiko könnte Spielern wie Proschwitz, Kobylanski und Biankadi Räume zur Entfaltung bieten. Dass Akteure wie Amade und Goden nicht einmal mehr im Kader stehen, wirft Fragen auf. Die Zeit der Nehrigs und Fürstners ist zu Ende, so bedauerlich dass auch für die zweifelsohne menschlich wichtigen Mannschaftskameraden ist. Aber so kann und darf es nicht ohne Worte weitergehen.

Stimmen zum Spiel:

Marvin Pourie: In der ersten Halbzeit waren wir nicht am Start, das war eine absolute Katastrophe. Aber Würzburg hat es uns auch schwer gemacht. Das war halt nicht unser Tag. Wir müssen jetzt als Mannschaft reagieren und nicht als individuelle Leistungsträger.

Marco Antwerpen: Zwei kapitale Fehler haben und quasi komplett aus dem Spiel genommen. Da ist das Selbstbewußtsein natürlich im Keller und dann hatte jeder mehr mit sich selbst zu tun.

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