Drei Spiele, drei Siege, Drittligist Eintracht Braunschweig war perfekt in die neue Saison gestartet und erwartete am vierten Spieltag den Tabellendritten MSV Duisburg. Das hätte ein großes Spiel werden können, aber nach 90 Minuten zog der Eintracht-Anhang völlig frustriert nach Hause. Saft- und kraftlos ergab sich Blau-Gelb den Zebras aus dem Ruhrpott, 0:3 hieß es am Ende. Und die Löwen dürfen noch dankbar sein, dass die Gäste ihre Überlegenheit nicht konsequenter genutzt haben. Auch mit einem 0:5 hätte sich auf Braunschweiger Seite niemand beschweren können. Ein „Beinbruch“ ist das Ergebnis nicht. Denn eines ist klar – solche Spiele werden auch alle anderen im Lauf der langen Saison hinzunehmen haben.

Über 21.000 Zuschauer im Eintracht-Stadion mussten von Beginn an mit ansehen, dass die Eintracht alles vermissen ließ, was ein hungriges Löwenrudel auszeichnet: Dynamik, Spielwitz, Kampf und Laufbereitschaft.

Christian Flüthmanns Umstellung im Vergleich zum Spiel in Jena, Kapitätn Bernd Nehtig zurück ins Team, Danilo Wiebe dafür wieder auf die Bank, barg das Problem bereits in sich. Gegen Stoppelkamp und seine Zebras war die gewählte Taktik mit einer Dreierreihe hinten schlicht und ergreifend falsch.

Immer wieder war es Duisburgs Kapitän Moritz Stoppelkamp, der mit Übersicht und Technik die Eintracht ein ums andere Mal in Verlegenheit brachte. Nur gut, dass dabei nicht eine Topchance nach der anderen herauskam. Dennoch hatte Jasmin Fejzic im Tor der Eintracht bereits in der 4. Minute mehr als alle Hände voll zu tun. Stoppelkamps Schuss konnte er nicht festhalten und rettete in letzter Sekunde und im Nachfassen das Unentschieden.

Zwei Minuten später meldet sich Eintracht zu Wort. Allerdings verfehlt Proschwitz den Ball um wenige Zentimeter. Zwar kamen die Löwen jetzt besser zurecht, weil die Zuordnung in der Defensive besser funktionierte, aber naturgemäß führte das zu einem eher langweiligen Gekicke. Hüben wie drüben wurden die Bälle aus der Gefahrenzone gedroschen (Eintracht) oder unter Kontrolle gebracht (Duisburg).

Nkansahs verunglückte Abwehr

So wäre das Spiel wohl auch bis zur Pause weiter verlaufen, wenn nicht in der 19. Minute Steffen Nkansah ein folgenschwerer Fehler unterlaufen wäre, der den Gästen die Führung bescherte. Engin und Bitter durften sich auf der rechten Seite ungestört, aber immerhin von Ziegele, Nehrig, Nkansah und Becker beobachtet, den Ball zuspielen. Bitters Flanke auf den sich gut von seinem Gegespieler Becker lösenden Sliskovic verpasste zwar zuerst einmal Freund und Feind, prallte aber von Beckers rechtem Fuß parallel zur Torlinie wieder in die Gefahrenzone. Nkansahs Versuch, die Situation zu klären, landete im eigenen Netz. Sehr zur Freude der Duisburger Fans. Spätestens jetzt war den meisten Löwen-Fans klar, hier lief nichts zusammen.

Von den Denkern und Lenkern Kobylanski und Nehrig war weder viel zu hören noch zu sehen. Kijewski mühte sich, konnte der Partie aber nichts geben, was den Gästen Angst hätte einflößen können. Und Stürmer Nick Proschwitz bleibt weiter den Beweis seiner Qualitäten schuldig. Sicherlich macht der große Angreifer immer wieder einmal Bälle fest, aber damit dann Gefahr heraufzubeschwören, ist ihm noch nicht gelungen. Man darf gespannt sein, wann Orhan Ademi seinen ersten Startelf-Einsatz bekommt. Wirklich lange wird es wohl nicht mehr dauern. 

MSV Duisburg war in Durchgang eins die klar bessere Mannschaft, die sich nicht einmal sonderlich anstrengen musste, um die Führung zu verteidigen. Denn von der Eintracht kam einfach nichts. 

Keine Gefahr für die Zebras

Das änderte sich in Durchgang zwei durchaus. Allerdings ohne, dass das die Gäste in die Bredioullie gebracht hätte.. Hauptgrund für den Dynamik-Zuwachs war die Einwechselung von Feigenspan für Nkansah. Ziegele rückte dafür in die Innenverteidigung, Kijewski wieder auf „seinen“ Verteidigerposten auf der linken Seite. So wollte Trainer Flüthmann den Gegner „überrollen“. Doch Torsten Lieberknecht hatte damit gerechnet und seine Elf gut eingestellt. Wirklich in Gefahr gerieten die Zebras nicht.

Auch nicht als in der 56. Minute Ademi für Proschwitz kam und in der 75. Minute Schwenk für Pfitzner, der in dieser Partie mit seinem berüchtigten Körpereinsatz geizte. Dazwischen muss man aber auch noch die Großchance des MSV aus der 67. Minute erwähnen. Engin und Sliskovic verfehlten am langen Pfosten freistehend eine Flanke von rechts – Glück für Blau-Gelb.

Die ersten richtigen Chancen für Eintracht stammen aus der 73., beziehungsweise 74. Minute. Zuerst schloss Feigenspann einen Angriff konsequent mit einem strammen Schusss aus 30 metern ab, den Torwart Weinkauf allerdings parieren konnte. Anschließend reichte dem Gäste-Keeper bei einem Bär-Kopfball nach Nehrig-Flanke ein Moment der Konzentration, um den Ausgleich zu verhindern.

Zwei Gegentreffer in zwei Minuten

So kam, was kommen musste. Der gerade eingewechselte Mickels zog von links nach innen, sah die Lücke und ließ Fejzic im Löwen-Tor alt aussehen – 0:2. Kessel konnte nicht eingreifen, und Becker drehte sich freundlich aus der Flugbahn. Das hatten die Eintracht-Fans noch gar nicht verarbeitet, da ließ der beste Mann auf dem Platz, Moritz Stoppelkamp, den „dritten Streich“ folgen. Kessel und Ziegele waren zu weit entfernt, so dass der MSV-Kapitän trotz Stolperns den Ball unbedrängt ins Tor schieben konnte (83.). Jetzt „war die Messe endgültig gesungen“.

Das war kein Tag für die Eintracht. Aber auch nicht für die Spalier-Kids. Die werden seit Saisonbeginn kurz vor Spielbeginn nass gespritzt. Hoffentlich hat man bei der Eintracht ein Einsehen und programmiert den Rasensprenger neu.

In Duisburg ist man mit dem MSV und seinem Trainer Torsten Lieberknecht zufrieden. Nach vier Spieltagen Platz 2 und 9 Punkte, der MSV dürfte jetzt bei allen Wettbewerbern einen besonderen Platz auf der Liste besitzen. Eintracht Braunschweig hingegen, Tabellenvierter mit ebenfalls 9 Punkten, dürfte vorerst bei den Ligakonkurrenten keinen Schweißausbruch hervorrufen. Wer aufmerksam hingeschaut hat, der hat gesehen, dieses Löwenrudel ist noch kein Spitzenteam. Zu schwankend sind die Leistungen. 

DFB-Pokal-Pause

Christian Flüthmann hat jetzt drei Wochen Zeit, sich etwas einfallen zu lassen, wie die von ihm angekündigte Heimmacht herzustellen ist. Dazwischen, am 18. August, tritt Eintracht Braunschweig beim 1. FC Kaiserslautern an. Die „Roten Teufel“ sind ihrem Anhang noch etwas schuldig – nämlich einen Dreier. Zuhause gegen Unterhaching und gegen Ingolstadt mussten man sich jeweils mit einer Punkteteilung zufriedengeben. Am kommenden Wochenende darf die Eintracht einmal zuschauen, wie die anderen versuchen, im DFB-Pokal eine Runde weiter zu kommen. Für die Löwen war schon vor der ersten Hauptrunde Schluss.

Wahrscheinlich ist die Begenung in der Pfalz für Eintracht leichter als das nächste Heimspiel am 24. August (Samstag um 14 Uhr) gegen die Würzburger Kickers. Wer Zuhause anderen das Fürchten beibringen will, der darf nicht nur reden, sondern der muss auch eindrucksvoll handeln. In der vergangenen Spielzeit trennte man sich von Würzburg hier wie dort Unentschieden. 

Da möchte man Eintrachts Trainer zurufen, bloß nicht ängstlich zu werden. Beherzten Fußball spielt man nicht im  Mittelkreis, sondern mit Mut zum Risiko in des Gegners Hälfte. Dafür müssen die Löwen wieder das spielen, was sie zum Saisonauftakt in Magdeburg auf’s Parkett gelegt haben – Frechheit, Risiko- und Kampfbereitschaft.

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Stimmen zum Spiel gegen Duisburg:
Torsten Lieberknecht saß wieder im Presseraum der Eintracht. Aber nur als Trainer des Gastes MSV Duisburg. In der Mitte Pressesprecherin Denise Schäfer, rechts Eintracht-Coach Christian Flüthmann.

Die Trainer in der Pressekonferenz:

Defensivspieler Robin Ziegel:

 

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