DFB-Pokal, erste Runde, Zweitligaaufsteiger Eintracht Braunschweig empfängt den Erstligisten Hertha BS. Viermal trafen die beiden Klubs bereits im Pokal aufeinander. Dreimal verließen die Löwen den Platz als Sieger, einmal die Bären. Und zwar 2018. Nach einer ausgeglichenen Partie musste sich Blau-Gelb am Ende unglücklich 2:2 aus dem Wettbewerb verabschieden. Und diesmal warteten die Gäste aus der Hauptstadt mit einer starken Leistung auf. Doch verloren haben sie trotzdem. Und zwar mit 4:5. Matchwinner des Abends war einmal mehr Martin Kobylanski, der gleich dreimal ins Schwarze traf. Am 23. Dezember darf Blau-Gelb in der2. Runde des Pokalwettbewerbs erneut nach den Sternen greifen.

500 Zuschauer durften sich das DFB-Pokal-Spektakel im Stadion anschauen. Eintracht-Coach Daniel Meyer schickte im ersten Pflichtspiel der Saison 2020/21 gleich sechs Neuzugänge auf das Feld. Jannis Nikolaou (Rückennummer 4), Dominik Wydra (6), Fabio Kaufmann (7), Suleiman Abdullahi (20), Yassin Ben Balla (28) und Michael Schultz (32).

Im Tor lief für manchen Fan etwas überraschend Jasmin Fejzic auf, die Dreier-Abwehrreihe bildeten Nikolaou, Wydra und Ziegele. Davor mit defensiver Ausrichtung Wiebe, Kijewski und Schultz, etwas offensiver ausgerichtet, Ben Balla sowie Kobylanski, der oftmals aber auch die Sturmreihe mit Abdullahi und Kaufmann ergänzte.

Und die Löwen legten vehement vor. Die erste Spielminute war gerade vorbei, da zirkelte Kobylanski einen Freistoß aus rund 26 Metern flach in die Ecke. Hertha-Keeper Schwolow hatte keine Chance, an den Ball zu kommen. Das war wie ein Schlag ins Gesicht des Erstligisten.

Der übernahm jetzt das Kommando. Angetrieben vom besten Mann des Abends, Cunha, startete Hertha einen Angriff nach dem anderen. Der Spielaufbau der Berliner schnell und genau. Da sah die Löwen-Abwehr gelegentlich alt aus.

Eigentor der Hertha

Doch den nächsten Treffer machten die Platzherren. Das 2:0 in der 17. Minute ließ bei den Fans zum ersten Mal die Hoffnung aufkeimen, dass man der Hertha mal wieder ein Bein stellen könne. Nikolaous Kopfball fälschte Mittelstädt ins eigene Tor ab.

Nun war es mit der Gäste-Zurückhaltung vorbei. Lukebakio und Leckie scheiterten noch an der fleißigen blau-gelben Abwehr, doch in der 23. Minute war es soweit. Lukebakio schraubte sich nach einem Eckstoß am höchsten und erzielte per Kopf den Anschlusstreffer.

Die Berliner zu diesem Zeitpunkt die klar bessere Mannschaft. Technisch versiert, kaum vom Ball zu trennen und gedanklich stets einen Schritt schneller als die Löwen. So auch in der 29. Minute, als sich Cunha schön durchsetzte und ausglich. Jetzt schien sich die Klasse des Erstligisten zu behaupten.

Kaufmann im Zweikampf mit Rekik
Fabio Kaufmann hatte einen schweren Stand gegen Herthas Rekik (li.). Fotos: Susanne Hübner

Vor allem Nikolaou auf der rechten Abwehrposition ließ immer wieder gefährliche Aktionen zu. Deswegen stellte Meyer um. Nikolaou ins Mittelfeld, Schultz auf die Verteidigerposition. Was sich schnell als gute Entscheidung herausstellte. Und als Schiedsrichter Tobias Stieler in der 44. Minute genau sehen konnte, wie Rekik und Leckie den Braunschweiger Ben Balla in die Zange nahmen, konnte nur eine Entscheidung fallen – Elfmeter.

Kobys zweiter Streich

Kobylanski ließ sich erst gar nicht bitten, schnappte sich den Ball und ging zum Punkt. Seinen Schuss wehrte Schwolow allerdings ab. Doch im Nachschuss sorgte Eintrachts Gala-Techniker für die erneute Führung, mit der es dann auch in die Kabinen ging.

Die Partie war bis hier hin alles andere als ein Langweiler. Eintracht kämpfte aufopferungsvoll, um die gelegentlichen Unzulänglichkeiten zu kaschieren. Die Gäste hingegen wussten aus ihrer Überlegenheit kein Kapital zu schlagen.

Nach dem Seitenwechsel flachte die Partie natürlich nicht ab. Wie auch. Die Gäste mussten kommen, Eintracht lauerte auf Kontermöglichkeiten. Richtig gefährlich wurde es aber erst einmal nicht mehr für die in Rot gekleideten Gäste. Für Eintracht aber wohl. In der 58. Minute retteten Feyzic und Fortuna den Vorsprung.

In der 65. Minute war es erneut Cunha, der die Braunschweiger Abwehr schwindelig spielte, ind die Mitte passte, wo Pekarik den Ball nur noch aus kurzer Distanz über die Linie zu drücken brauchte. Ausgleich 3:3.

Kobylanski trifft erneut

Und wieder konnten die Platzherren schnell antworten. Kijewski schlug einen weiten Ball auf Kaufmann, der den Ball zu Kobylanski schob. Der sah die Lücke, hielt drauf und traf zum 4:3 (67.). Aufatmen beim Braunschweiger Anhang. Wenig später gar Erleichterung. Denn in der 73. Minute verwandelte der stärker werdende Abdullahi gar zum 5:3.

Um Berlins Trainer Labbadia Ruhe war es jetzt geschehen. Die drohende Niederlage galt es, mit aller Gewalt zu verhindern. Drei frische Spieler sollten es richten, während bei den Gastgebern so langsam die Kräfte schwanden. Zwar tat sich Hertha jetzt deutlich schwerer, aber mehr als der Anschlusstreffer durch Lukebakio in der 83. Minute war nicht mehr drin.

Eintracht verteidigte den knappen Vorsprung mit Mann und Maus und pfiff trotz der Wechsel, May (Rückennummer 8) für Kaufmann sowie Burmeister für den angeschlagenen Schultz, aus dem letzten Loch. Nach insgesamt 96 Minuten war es geschafft, Eintracht Braunschweig steht in der 2. Runde des DFB-Pokals und macht noch einmal „dicke Kasse“.

Aber das allein macht den Sieg nicht aus. Fünf Tore nach der Magerkost in der Vorbereitung, vier davon durch Offensivkräfte, das ließ einige Kritiker verstummen. Und das gewonnene Selbstvertrauen dürfte für den Saisonauftakt am kommenden Sonntag in Heidenheim hilfreich sein.

Ob dann Neuzugang Kroos das erfolgreiche Team ergänzen darf, wird sich zeigen. Niemand sollte den Pokalerfolg zum Anlass nehmen, die Eintracht auf dem Weg nach oben zu sehen. Immer noch heißt das erklärte Ziel Klassenerhalt. Allerdings sind die Sorgenfalten kleiner geworden. Es gibt Anlass zu Hoffnung, dass sich die Löwen in Liga 2 behaupten können.

Die Trainer in der Pressekonferenz:

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